KREUZLINGEN: Gehoben, aber nicht abgehoben

Seit zehn Jahren gibt es das Museum Rosenegg in Kreuzlingen. Seit zehn Jahren wird es von Heidi Hofstetter geleitet, unentgeltlich. Ihr ehrenamtliches Engagement hat aus einem kleinen Heimatmuseum einen beliebten Kulturort gemacht.

Martin Preisser
Drucken
Teilen
Museumsleiterin Heidi Hofstetter vor einem Bild («Tableau noir») von Philippe Mahler. (Bild: Andrea Stalder)

Museumsleiterin Heidi Hofstetter vor einem Bild («Tableau noir») von Philippe Mahler. (Bild: Andrea Stalder)

KREUZLINGEN. 74 Jahre gibt man Heidi Hofstetter kaum. Sie sprüht vor Tatendrang und Neugier, und doch kommt für die «Museumsleiterin sans papiers», wie sie sich selbst humorvoll nennt, jetzt die Zeit ohne Rosenegg. Über hundert Prozent hat Heidi Hofstetter seit zehn Jahren für das Museum gearbeitet, mit ehrenamtlichem Engagement. Das Museum, wie es sich heute als Kulturort in der Grenzregion Kreuzlingen/Konstanz präsentiert, ist ihr Kind, die jetzige professionelle und doch heimelige Ausstrahlung ihr Verdienst. «Man hat uns immer wieder mal mit dem Konstanzer Rosgartenmuseum verwechselt», sagt die ehemalige Primarlehrerin und Ex-Dozentin für Didaktik der Hauptfächer an der PMS Kreuzlingen. «Das ist für mich ein Kompliment.» Welch guten Ruf das Museum inzwischen hat, zeigen auch die vielen hochkarätigen Bewerbungen um ihre Stelle. Entlöhnt werden soll die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Heidi Hofstetter zukünftig von der Stadt Kreuzlingen.

Einfach hineingerutscht

Rosenegg ist in Heidi Hofstetters Leben ein wichtiges Haus. Sie hatte einst in der damaligen Schule selbst Unterricht gegeben. Nach ihrer Pensionierung hat die Entscheidung, sich ehrenamtlich für das Museum einzusetzen, einfach gepasst. «Ich bin aus dem Schuldienst ausgeschieden, und in dem Moment war das Geld da für den Umbau von Rosenegg. Ich bin in diese Aufgabe fliessend hineingerutscht», sagt Heidi Hofstetter heute. Schulräume wurden zu Museumsräumen; rund eine Million Franken kostete die sanfte, zurückhaltende Renovation.

6000 Besucher kommen heute jährlich ins Museum, viele aus Konstanz. Neben der festen Ausstellung im eigentlichen Heimatmuseum und den musikalischen Matineen finden jährlich zwei Kunstausstellungen statt, eine mit schon verstorbenen, eine andere mit aktiven Kunstschaffenden aus der Region. «Ich habe mich entfalten dürfen», freut sich die scheidende Museumsleiterin, die sich das Know-how in Sachen Museumsleitung, aber auch in Marketing oder Kunst kontinuierlich angeeignet hat. Auch dadurch, dass sie viel in anderen Museen unterwegs war und geschaut hat, wie diese sich organisieren und präsentieren.

Keine Hemmschwellen

Zur positiven Entwicklung des Museums hat sicher eine Eigenschaft beigetragen, die Heidi Hofstetter selbst nennt: Das «Lehrerinnenhafte». Bei ihr hat das aber nur einen guten Beigeschmack, das Wort steht für Neugier, vielseitiges Interesse und den Wunsch, dass die Dinge auch in der Praxis funktionieren. «Ich wollte nie einfach etwas Bequemes einkaufen, sondern selbst Ausstellungen organisieren, die für mich Sinn machten. Rosenegg soll ein gehobener, aber nicht abgehobener Kulturort sein. Und mir war immer wichtig, dass es keine Hemmschwelle gibt, bei uns vorbeizuschauen.» Über die eigenen Verdienste redet Heidi Hofstetter nicht gerne in grossen Worten. Oft fällt aber der Begriff der breiten Vernetzung. «Und all das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht immer volle Unterstützung von der Stiftung erhalten hätte. Ich habe mich einfach kreativ betätigen dürfen.»

Kulturleuchtturm

Mit dem Resultat, dass Heidi Hofstetter in vorbildlichem Engagement der Stadt Kreuzlingen einen gut aufgestellten, in der Region beliebten Kultur- und Begegnungsort hinterlässt, einen kleinen Kulturleuchtturm, zu dem die Stadt und die Bevölkerung hoffentlich auch in Zukunft Ja sagen wird. Heidi Hofstetter steht für eine vielleicht langsam aussterbende Spezies von ehrenamtlich Arbeitenden, die professionelles Niveau pflegen.

«10 Jahre – 10 Künstler»: Bis 28.8.; Mi 17–19; Fr/So 14–17 Uhr; Führung mit Judit Villiger: So, 3.7., 17 Uhr