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KREATIVES SCHREIBEN: Tausend Wörter für die Klassenstory

Ein Vierteljahr lang war die Thurgauer Autorin Andrea Gerster als Schreibcoach zu Gast in einer Oberstufenklasse in Arbon. Entstanden ist ein «Schulhausroman». Das schweizweite Projekt ermutigt Jugendliche, gemeinsam ein Buch zu schreiben.
Bettina Kugler
Anders als Bewerbungen schreiben: Andrea Gerster schaut ihren jungen Romanautoren aus Arbon noch einmal auf die Finger. (Bild: Sabrina Stübi)

Anders als Bewerbungen schreiben: Andrea Gerster schaut ihren jungen Romanautoren aus Arbon noch einmal auf die Finger. (Bild: Sabrina Stübi)

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

Ohne Smartphone trifft man sie selten an; der Laptop gehört für sie längst zum Schulalltag. Doch einfach so ein blaues Schreibheft zu zücken und alles, was ihnen gerade durch den Kopf geht, zu notieren? Darauf kämen sie nicht von selbst, Marlene, Timo und ihre Kollegen der Klasse 2a an der Sekundarschule Stacherholz. An diesem Nachmittag aber gehört es zu den verlässlichen Routinen des Workshops: Sie kramen ihr «Sudelbuch» heraus, legen die Uhren weg und warten auf An­drea Gersters Startsignal. Beim Stichwort «Los!» geht es tatsächlich sofort los mit der freien Schreiberei. Kaum zu glauben, wie schnell fast klösterliche Stille einkehrt; draussen zwitschern die Vögel.

«Automatisches Schreiben» heisst die Aufwärmübung. Die greifbare Materialität von Stift und Papier hilft über anfängliche Blockaden hinweg; das Geschriebene darf ins Blaue gehen, unfertig sein. Es geht nicht um ein ­vorzeigbares Ergebnis, erst recht nicht um Noten. Ein Ziel aber hat die Klasse durchaus: Noch einen weiteren Schulnachmittag, dann soll ihre gemeinsam geschriebene Geschichte druckreif sein.

Schüler entscheiden demokratisch über Inhalt

Der Workshop findet unter dem Dach des schweizweiten Schreibprojekts «Schulhausroman» statt (siehe Kasten); begonnen haben die insgesamt acht Schreibsitzungen in Arbon Anfang Februar. Jeder Schüler hat eine Idee formuliert und vorgetragen, in Vierergruppen wurde entschieden, was an Themen weiterverfolgt wird, schliesslich haben sie abgestimmt und sich für eine tragische Lovestory entschieden. Aus 19 Kapiteln wird der Roman bestehen; jeder hat eines zugelost bekommen. Was darin passieren soll, das haben sie zuvor gemeinsam überlegt und in Stichworten notiert. Andrea Gerster half mit handwerklichen Grundlagen und Theorie: Zeitformen, Entwerfen von Figuren, Perspektive. Eine Übung dazu geht so: «Wie würde deine Katze dich beschreiben? Oder ein Ding, das Dir gehört: Was könnte es über Dich erzählen?» Tausend Wörter sollten es je Kapitel sein – geschafft hat das keiner in der Klasse. Was nicht schlimm ist. «Es sollte vor allem verhindern, dass sie nur zwei bis drei Sätze abgeben», sagt Andrea Gerster. Sie weiss, dass der Workshop vor allem jenen Schülern ­zugute kommt, die eine fertige Meinung von sich haben: nämlich dass sie nicht schreiben können. Man darf auch scheitern, lernt aber, dass jeder sich einbringen muss für den Roman als Ganzen.

Andrea Gerster ist nicht die einzige, die derzeit eine Klasse in der Ostschweiz coacht: In Herisau ist Dorothee Elmiger im Einsatz, in Bazenheid Peter Weber. Seine Klasse war Anfang Mai bereits im Zürcher «JULL», dem Sitz des Jungen Literatur Labors, zu Besuch. Als «Writers in Residence» verbringen die Schüler dort einen intensiven Tag mit Schreiben, Vorlesen ihrer Texte. Im Schulzimmer herrscht eine andere Atmosphäre. Es dauert, bis endlich alle am Laptop sitzen, ihre Texte überarbeiten und für die Druckversion formatieren. Ein Kapitel ist unauffindbar; Andrea Gerster bittet um Stichworte von Hand. Sie wird sie abends in ihren Laptop tippen, damit der Roman ein Happy End hat und im Herbst als Buch erscheinen kann.

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