Kramer gegen Depardieu

Beim flüchtigen Blick auf das Oktober-«Terzett» registriert man: Gérard Depardieu, so kennt man ihn aus Jean-Paul Rappeneaus Film «Cyrano de Bergerac» von 1990. Dann erst setzen die Gedanken ein, und blitzartig ist klar: Kann doch nicht sein, Depardieu auf dem Cover des St. Galler Theaterheftes.

Beda Hanimann
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Gérard Depardieu am Theater St. Gallen?

Gérard Depardieu am Theater St. Gallen?

Beim flüchtigen Blick auf das Oktober-«Terzett» registriert man: Gérard Depardieu, so kennt man ihn aus Jean-Paul Rappeneaus Film «Cyrano de Bergerac» von 1990. Dann erst setzen die Gedanken ein, und blitzartig ist klar: Kann doch nicht sein, Depardieu auf dem Cover des St. Galler Theaterheftes. Natürlich ist das Tim Kramer, der Schauspieldirektor in der Rolle des Cyrano, derzeit zu sehen am Theater St. Gallen.

Die kleine Irritation zeigt auf verblüffende Weise, wie schnell das Hirn auf Bilder reagiert. Wie es ohne lange zu fackeln auf den Fundus an inneren Bildern zugreift, um ein neues zu verorten. Wie es schon den flüchtigsten Blick für Interpretationen nutzt – weil das ein Urtrieb ist: zu erkennen, augenblicklich. Die Szene zeigt aber auch, wie sehr die Bildermaschinen Film und Fernsehen uns prägen. Es passiert ja immer wieder, dass wir auf der Strasse einen Bekannten vor uns wähnen – und dann realisieren: Ist ja die Figur aus einer Fernsehserie.

Hat das Theater bewusst auf einen Wiedererkennungseffekt gesetzt? Oder ist die Ähnlichkeit zwischen Kramer und Depardieu noch eine optische Täuschung, weil wir uns ja gar nicht mehr wirklich an den Cyrano-Depardieu erinnern können?

Wie auch immer. Gratulation an die Maske. Und an die Fotografin.

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