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KONZERTKRITIK: Helene Fischer powert 33 Songs lang

Helene Fischer spielte gestern ihr erstes von fünf Konzerten im Zürcher Hallenstadion. Es war eine Mischung zwischen Musik und Hochleistungssport.
Michael Graber
Helene Fischer spannt für ihre Show mit dem Cirque du Soleil zusammen. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Helene Fischer spannt für ihre Show mit dem Cirque du Soleil zusammen. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Helene Fischer hat Glück. Sie kann froh sein, dass das Hallenstadion in Zürich und nicht in Mettmenstetten, Ormalingen oder Wettswil-Bonstetten steht. Nichts gegen diese Orte, aber im Gegensatz zu «Zürich» klingen sie nur einen Drittel so cool, wenn man sie in ein Mikrofon sagt. Oder haucht. Oder singt. Und das hat Helene Fischer am Dienstagabend immerhin handgezählte 49 Mal getan. Und da Fischer bis am Sonntag noch vier weitere Male im Hallenstadion spielen wird, könnte sie am Ende knapp 245 Mal «Zürich» gesagt haben. Wären die Konzerte in Wettswil-Bonstetten gewesen, hätten alleine diese Ansagen beinahe einen kompletten Abend eingenommen. Das wäre etwas schade gewesen.

Was Helene Fischer im Zürcher Hallenstadion zeigte, war nämlich durchaus ansehnlich. Die Deutsche tanzte, flog durch die Lüfte, stand da in einem Wasserfall-Kleid, stolzierte auf einer Plattform, turnte an einem Seil, liess sich auf eine Plattform unters Dach ziehen, sprang aus grosser Höhe auf ein Trampolin, hüpfte, winkte und sowieso: sang. 33 Songs lang powerte die 33-Jährige durch den Abend. Insgesamt 160 Minuten dauerte ihr erstes von fünf Konzerten im Hallenstadion. Alle ausverkauft bis auf wenige Plätze: 50'000 Besucher insgesamt. Und auch wenn das etwas vorgreift: Alle werden begeistert sein.

Musik und schöne Körper für alle

Da ist es eigentlich auch egal, dass das Gebotene gar nicht durchwegs super und grossartig ist. Das Publikum ist der kleinen Sängerin ergeben. Immer wieder spricht sie es an: «Meine Lieben.» Ihre Musik-Melange ist über weite Strecken maximal harmlos. Es sei «imposant, aber nicht übertrieben», sagt ein Besucher in der Pause. Das ist vielleicht das Grundgeheimnis der Dame: Alles bleibt schön mittig. Nichts wird übertrieben, aber auch wenig ausgelassen. Der Exzess ist genauso weit weg wie die Abstinenz.
Dafür zahlt das Konzert oft den Preis der Oberflächlichkeit. Alles bleibt brav bis bieder – ganz gewollt. Fischer will «ihre Lieben» in «Zürich» nicht überfordern. Die wechselnden Kostüme sind allesamt fest angeklebt, dass auch ja nichts verrutscht. So bleibt es sexy wie bei einer Fernsehsendung über das «Moulin Rouge». Nett anzusehen, aber schlussendlich harmlos. Da ist Helene Fischer ganz das Schlagersternchen: Ja nicht anecken.

Dabei kann man sie musikalisch längst nicht mehr «nur» im Schlager verorten. Zu ihrer aktuellen Single «Achterbahn» klopft ein wuchtiger Beat. Das ist dann Pop, wie er auch von einer Britney Spears oder Miley Cyrus serviert werden könnte – einfach mit deutschen Texten. Es ist Schlager für Leute, die sagen, sie würden keinen Schlager hören. Und es ist Pop für Leute, die sagen, sie würden keinen Pop hören. Kurz: Musik für alle.

Und alle stehen und klatschen und singen mit. Fischer turnt dazu mit den Artisten des Cirque du Soleil. Fliegt nach oben, hängt am Seil, verrenkt sich an einer schwebenden Stange. Das ist Hochleistungssport – und sie singt noch dazu und trifft die Töne, auch die hohen, dabei mühelos. Aber ganz ehrlich: Ohne diese Show würde das Konzert abfallen. Die Lieder sind sich insgesamt zu ähnlich, um einen ganzen Abend zu füllen.

Es gehe darum «eine gute Zeit» zu haben, sagt Fischer selbst. Und dann noch das: Sie habe für die Show «die schönsten Körper der ganzen Welt ausgesucht» sagt sie, «für alle ist etwas dabei. Für Männer und Frauen.»

Keine Hochkultur, dafür hochprofessionell

Solch klebrige Momente sind aber – glücklicherweise – selten. In der durchgetakteten Show geht alles Schlag auf Schlag und alles ist eine grosse Reizüberflutung. Helene Fischer führt rasant durch das ganze Spektakel. Während man darüber nachdenkt, was da gerade passierte, rollt schon die nächste Attraktion auf die Bühne. Zeit zum Nachdenken gibt es erst nach «Atemlos» um 23.20 Uhr. «Züüüürich, hast du das gefühlt?», fragt eine sichtlich ausgepowerte Fischer. Am Klatschen und Johlen gemessen, haben es alle gefühlt. Bei aller gegebenen Seichtheit der Schlager-Pop-Mischung: Man ist aufrichtig beeindruckt von der Leistung von Fischer und ihrem grossen Ensemble aus Tänzern, Musikern und Bühnenbastlern. Das ist sicherlich keine Hochkultur aber ebenso sicherlich hochprofessionell.

Auf dem Weg zurück in die Nacht erhalten «die Lieben» einen Flyer in die Hand gedrückt: Im kommenden Juni spielt Helene Fischer im St.Jakobspark in Basel. «Basel» kann man zum Glück auch recht gut singen, sagen und hauchen.

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