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KONZERT: Metamorphosen des Streicherklangs

Ein dramaturgisch klug gebautes Programm hat das Gringolts-Quartett, nach der Pause zum Septett ergänzt, mitgebracht zum ersten Meisterzyklus-Konzert der laufenden Saison in der St.Galler Tonhalle.
Bettina Kugler

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Die Erste soll die Letzte sein: Das mag sich Joseph Haydn stillvergnügt gedacht haben, als er, schon Mitte sechzig, sein Streichquartett G-Dur op. 76 schrieb. Das Eingangsthema verteilte er in väterlicher Gerechtigkeit auf die vier Stimmen; aus der Tiefe des Cellos klettert es behaglich nach ganz oben, zur ersten Geige. Und Ilya Gringolts, Primarius des seinen Namen tragenden Gringolts-Quartetts, in Zürich beheimatet, kann warten. Wenn er an der Reihe ist, muss er sich nicht aufplustern mit klanglicher Brillanz, nein: Sein Spiel ist durchweg von einnehmender Diskretion und damit umso fesselnder – doch nie auf Kosten des En­sembles. Anahit Kurikyan, Silvia Simionescu und Claudius Hermann müssen sich nicht mit Nebenrollen bescheiden.

Trauern und Weitersingen mit Richard Strauss

Ein dramaturgisch klug gebautes Programm hat das Gringolts-Quartett, nach der Pause zum Septett ergänzt durch Laurence Power (Viola), Christian Poltéra (Violoncello) und Božo Paradžik (Kontrabass), mitgebracht zum ersten Meisterzyklus-Konzert der laufenden Saison in der St.Galler Tonhalle. Zielpunkt sind die späten «Metamorphosen» von Richard Strauss, entstanden 1944, ein elegisches, nach innen gekehrtes Requiem auf seine zerstörte Heimatstadt München, auf die in Schutt und Asche liegende ästhetische Welt. Ursprünglich für 23 Solostreicher komponiert, erklingt es hier in der dichten Septett-Fassung von Rudolf Leopold: erstaunlich transparent bei aller Intensität des Ausdrucks. Das Stück passt bestens in den Monat November mit seinen Gedenktagen an die Verstorbenen – und atmet doch in der wandlungsfähigen, stets nach vorn ­gerichteten Interpretation den Geist des Trotzallem. Auch hier legt die erste Geige eine zarte Leuchtspur über den dunkel getönten Streicherklang, ist sattes Vibrato eher die Ausnahme.

Erst recht bei Haydn und Beethovens Streichquartett e-Moll op. 59/2. Die Damen verstärken die sprechende Artikulation noch durch barocke Hand­habung des Bogens: Sie führen ihn nicht am Frosch, sondern am Schwerpunkt. So wird der Klang noch atmender und federleicht, und ein halsbrecherisch rasches Allegro «ma non troppo» (!) wirkt nicht gehetzt. Haydns sprühender Charme strahlt musikantisch auf, doch nicht auf Kosten der Detailgenauigkeit. Die Brüchigkeit des reifen Beethoven wird nicht schroff forciert, sondern fein ausgeleuchtet.

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

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