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KONZERT: Jazz, bei dem es um Emotion geht

Der Pianist Christoph Stiefel kommt mit seinem Inner Language Trio nach St. Gallen. Viele Stücke Stiefels basieren auf einer Kompositionstechnik aus dem Mittelalter. Sein Jazz ist konzeptionell kühn, aber doch zugänglich.

Pianist Christoph Stiefel bedient sich mit der Isorhythmik zwar einer Kompositionstechnik aus dem Mittelalter. Dennoch würde sich seine dem Wohlklang nicht abgeneigte Musik, die über weite Strecken von hypnotischen Grooves vorwärtsgetrieben wird, kaum als Soundtrack für einen Film über Hildegard von Bingen eignen. Stiefel nimmt eine uralte Idee und macht etwas Neues daraus, und sein Inner Language Trio gehört zum Spannendsten, was der Piano-Trio-Jazz zur Zeit zu bieten hat: konzeptionell kühn und doch zugänglich. Die Auseinandersetzung mit Rhythmus und das Komponieren seien schon immer seine Hauptinteressen gewesen, sagt Stiefel und fügt hinzu: «Ich muss viel Klavier üben, um meine Stücke spielen zu können. Ich komponiere nicht das, was ich spielen kann, sondern das, was ich spielen will.»

In seinen mit feinem dramaturgischen Sinn ausgearbeiteten Stücken deckt Stiefel ein weites Feld ab; zauberhafter Impressionismus und virtuoser Expressionismus halten sich auf überzeugende Weise die Waage.

Stiefel hat in zweierlei Hinsicht dafür vorgesorgt, dass die trickreichen rhythmischen Verschiebungen und Überlagerungen nicht wie feinmechanische Fingerübungen daherkommen: Einerseits bindet er sie in attraktive melodische und harmonische Verläufe ein, andererseits lässt er improvisatorischen Überschwang zu. Die Musik seines Trios ist eben nicht nur ein rhythmisches Vexierspiel, sondern auch sinnliches Hörvergnügen.

Zum Jazz kam der 1961 geborene Stiefel über Umwege. Zuerst genossen er und seine drei Geschwister Klavierunterricht, dann entdeckte er für sich Boogie Woogie und Blues. Mit eigenen Bands spielte er Rock, Rhythm ’n’ Blues und Rock-Jazz – mit der Band Stiletto, zu der auch der fulminante Schlagzeuger Jojo Mayer gehörte, hatte er relativ grossen Erfolg. Mit dem Harfen-Engel Andreas Vollenweider war Stiefel fünf Jahre auf Welttournee; als Keyboarder war der damals 22-Jährige hauptverantwortlich für den Sound der Band. «Erst mit 40 habe ich dann gewusst: Jazz ist für mich die spannendste Musik, die es gibt, da trifft sich der Moment mit der geschriebenen Musik. Aber mich interessiert nur derjenige Jazz, bei dem es um Emotion geht; mit Abstraktion alleine kann ich nichts anfangen».

In Stiefels Diskografie als Bandleader dominieren Trio-Aufnahmen. Dazu kommen unter anderem ein Album, auf dem das isorhythmische Konzept von einer siebenköpfigen Band umgesetzt wird («Rhythm-A-Tized») sowie ein bezauberndes Duo-Album mit der Sängerin Lisette Spinnler («Bima Sakti»). Als Nächstes wird eine Solo-CD erscheinen, die Stiefel in einer Kirche eingespielt hat.

Tom Gsteiger

Mo, 13.11., 20 Uhr (Tür 17.33 Uhr), Weinlokal 1733, St. Gallen

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