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KONZERT: Flieder spriesst in zwei Richtungen

Das Instrumentalduo von Thomas Troxler und Thomas Böhm arbeitet am dritten Album. Doch Flieder blüht aktuell auch als siebenköpfiges Bandprojekt. Was in drei Tagen Zusammenarbeit entsteht, ist am Freitag in St. Gallen zu hören.
Nur drei Probetage bis zum Auftritt: die Flieder-Band. (Bild: PD)

Nur drei Probetage bis zum Auftritt: die Flieder-Band. (Bild: PD)

Wie viel Technik soll es sein? Die Frage hat das experimentierfreudige Duo Flieder für sich stets zu beantworten gewusst: So wenig wie nötig. Ihr Loopgerät war ursprünglich lediglich als technische Alternative gedacht, weil die ursprüngliche Band auf ein Duo mit Schlagzeug und Gitarre geschmolzen war. Doch die Loops prägten dann den mittlerweile typischen Flieder-Sound: jenes Klangbild, das mit Schlagzeug, Gitarre und Synthesizer Schicht um Schicht entsteht und sich beim Konzert unmittelbar auf der Bühne entwickelt – und nicht mit zuvor programmieren Samples. Zwei Alben sind so entstanden.

Mit dem zweiten Album, «Passing By», im Februar 2014 veröffentlicht, ereigneten sich vier Dinge unabhängig voneinander, welche die Zeit und die Entwicklung von Flieder prägten. Thomas Böhm wurde Vater, ihr analoges Roland-Loopgerät war bei einem Auftritt im Zürcher Moods an seine Leistungsgrenzen geraten, die beiden Thomas entdeckten, dass es zwischendurch Spass macht, als grössere Band aufzutreten. Und man schloss sich mit befreundeten Musikern zum Kollektiv Red Brick Chapel zusammen. Viel ist also passiert.

Livecharakter bleibt trotz Digitaltechnik

Das Loopgerät musste nun zwar einer Software Platz machen, aber für Flieder war klar, dass sie damit nicht ihr Grundprinzip opfern wollten: «Das Programmieren brauchte einige Zeit, weil wir weiterhin nicht mit fertigen Strukturen auftreten wollten», sagt Schlagzeuger Troxler. Die Digitalisierung entspricht den Ansprüchen heutiger Bühnentechnik und der Zuhörer – was unter anderem Druck und Dynamik betrifft –, doch musikalisch bewahrt sich das Duo seinen Livecharakter. Eine Offenheit, die sie sich mit Gleichgesinnten und Red Brick Chapel auch geschäftlich ermöglicht hat. «Wir sind eine Art basisdemokratische Vertriebsgenossenschaft und kümmern uns um alles selbst, was uns viel Freiheit erlaubt und sehr inspirierend ist», sagt Thomas Troxler über ihr Label. Die musikalische Bandbreite der 26 beteiligten Musiker ist gross, und immer wieder kommt es dabei zu kollaborativen Projekten. Auch das aktuelle Flieder-Bandprojekt ist aus diesem familiären Kollektiv heraus entstanden.

Das St. Galler Flieder-Duo mit Band gab es während zweier Songs erstmals an der Plattentaufe zu «Passing By» im Palace. Und es hatte die Lust geweckt, mehr solche Auftritte zu machen. Was lange als Idee wucherte, wird diese Woche Realität. Seit Dienstag sitzt das Duo mit fünf befreundeten Musikern im Südpol Club in Luzern. Hier erarbeitet man den gemeinsamen Auftritt.

Ein Experiment mit fünf Freunden

Das Konzept ist so kreativ, wie es für Flieder typisch ist. Als Basis dienen Flieder-Songs, die in Jamsessions mit der Band weiter-, um- und neuinterpretiert werden. «Wir wollen der Kreativität freien Lauf lassen», sagt Thomas Troxler, der sich auf das Experiment freut. Die Flieder-Samples dienen als Ausgangspunkt und sollen sich durch die kreative Dynamik mit drei zusätzlichen Gitarren, einem zweiten Schlagzeug sowie Bass und Percussion verändern. «Es ist quasi die Umkehrung eines Remix», erklärt Troxler den Prozess, «aus den digitalen Samples wird ein analoger Livesong.» Mit dabei sind der Multiinstrumentalist Mario Hänni, Perkussionist Lukas Weber, Gitarrist Roland Wäspe, Bassist David Hänni, Gitarrist Nuel Schoch und beim Auftritt in St. Gallen mit Wassily und Kafi-D als Support. Es wird interessant sein zu hören, was im Flon passiert, nachdem die Premiere am Abend zuvor in Luzern stattfindet. Das zweite Konzert dürfte sich nochmals leicht verändern, lassen doch das Konzept und der Flieder-Sound genug Raum für Offenheit und spontane Inspiration.

Nochmals anders verspricht das dritte Album zu werden, woran Thomas Böhme und Thomas Troxler arbeiten. Es werde weniger nach Gitarrenrock klingen wie das Bandprojekt oder ihr letztes Album, verrät der Schlagzeuger: «Die Flieder-Zukunft wird eher wieder elektronischer werden.» Im Herbst wollen sie das neue Album veröffentlichen.

Andreas Stock

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

Fr, 21.4., 21 Uhr, Flon, St. Gallen

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