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KONZERT: Der Neue ist schon fast ein St.Galler

Modestas Pitrenas ist ab der Saison 2018/19 neuer Chefdirigent des Sinfonieorchesters St.Gallen. Aber schon seit acht Jahren lässt der Litauer hier mit engagierten Autritten aufhorchen. Heute dirigiert er Tschaikowsky sowie Musik aus seiner baltischen Heimat.
Martin Preisser
Für Modestas Pitrenas sind einprägsame Bilder wichtig, die er aus der Musik herauskristallisieren will. (Bild: Benjamin Manser)

Für Modestas Pitrenas sind einprägsame Bilder wichtig, die er aus der Musik herauskristallisieren will. (Bild: Benjamin Manser)

Sein Vorname Modestas bedeutet «der Bescheidene». Was Sensibilität im Umgang mit Musik angehe, sei er bescheiden, sagt Modestas Pitrenas, wenn es aber um Qualität gehe, könne er mit dem Orchester durchaus streng und ungeduldig sein. Der designierte Chefdirigent ist in St.Gallen kein Unbekannter und vor ­allem ein beliebter Musiker. Der Nachfolger von Otto Tausk hat hier bereits Opern wie «Salome», «Der Fliegende Holländer», «Carmen» oder Alfredo Catalanis «La Wally» erfolgreich dirigiert. Pitrenas gehört zur St.Galler Musikszene schon fast dazu.

Wenn er über Musik spricht, ist auch seine Gestik bildhaft und eindringlich. Bilder in der Musik, und da meint der litauische Musiker durchaus die visuelle Komponente, sind ihm wichtig. «Musik soll auch aussehen», sagt er.

Rasch wechselten die Bilder in Tschaikowskys 6. Sinfonie, mit ihrem unpassenden Namen «Pathétique». «Sie ist nicht pathetisch. Es ist Musik zwischen Hoffnung und Leiden, Freude und Schmerz, mit nur schmalen Grenzen dazwischen.» Allzu viel Schwere dürfe die Interpretation dieser Sinfonie, die auch Tschaikowskys tragischen Umgang mit seiner Homosexualität widerspiegle, nicht haben. Modestas Pitrenas erinnert an den literarischen Hintergrund dieser Musik, an die detailgenaue Sprache von Tolstoi und Puschkin. «Diese ­Details müssen klar hörbar werden, ohne das blutende Herz und die erschöpfte Hoffnung Tschaikowskys zu vergessen.»

Die Familie soll nach St.Gallen nachkommen

Vor dem Schritt vom Gastdirigenten des Sinfonieorchesters zum neuen Chef hat Pitrenas, der sieben Jahre Opernchef in Riga war, einigen Respekt. Geplant ist, dass seine Frau Ieva Prudnikovaite, die in St.Gallen als Sängerin schon zu hören war, mit den beiden sechs- und anderthalbjährigen Kindern zunächst das erste Jahr in St. Gallen wohnen wird.

Musik als emotionale Bilder – das will Pitrenas auch mit zwei Werken aus dem Baltikum zeigen. Als Litauer kommt er aus einem Land, in dem das Lied, der Chorgesang eine wichtige Quelle der Identität darstellt. «Unsere Stärke ist das Lied», sagt der fast zwei Meter grosse Musiker und erinnert an die Singende Revolution der Balten im Kampf um ihre Unabhängigkeit. Baltische Lieder sind meist ruhige Wiegenlieder und Lieder der Trauer. Modestas Pitrenas erzählt, dass Igor Strawinsky während seiner Arbeit am «Feuervogel» und am «Le Sacre du Printemps» ein Buch mit baltischen Volksliedern auf dem Tisch liegen gehabt habe.

Aus Litauen hat der Dirigent Musik von Mikalojus Konstantinas Ciurlionis (1875–1911) aufs Programm gesetzt. Der früh verstorbene Künstler ist als symbolistischer Maler bekannt. «Vielleicht war er als Maler besser als als Komponist», sagt Pitrenas. In seiner Tondichtung «Im Walde» gehe es nicht um Naturbeschreibung, sondern um den Menschen und seine Gefühle in der Natur.

Länder zwischen zwei Kulturen

Der Este Paavo Järvi neu in Zürich, der Litauer Modestas Pitrenas jetzt in St.Gallen: Gleich zwei Musiker aus dem Baltikum in Chefdirigentenpositionen. Gibt es typisch baltisches Musizieren? «Das Baltikum liegt zwischen zwei Kulturen und vielleicht auch zwischen zwei Zugangsweisen zur Musik, der emotionaleren östlichen Art und der rationaleren des Westens. Das kann verschmelzen», sagt Modestas Pitrenas. Aus Lettland hat er ein Werk des Zeitgenossen Peteris Vasks im Gepäck: ein Konzert für ein wunderschönes Instrument, dem aber kaum Solokonzerte gewidmet sind, das Englischhorn.

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Fr, 27. 10., 19.30 Uhr; So, 29. 10., 17 Uhr, Tonhalle, St. Gallen

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