Neue Platte von Karin Steffen: Kontrolle und Experiment

Karin Steffen veröffentlicht als Me And The Magic Horses ihre erste Platte als Solokünstlerin. Mit der Zeit wurde aus dem Soloalbum dann aber ein Bandprojekt.

Michael Graber
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«Ich kann keine happy Liebessongs schreiben», sagt Karin Steffen. (Bild: PD/Silvio Zeder)

«Ich kann keine happy Liebessongs schreiben», sagt Karin Steffen. (Bild: PD/Silvio Zeder)

Karin Steffen hat ihre magischen Pferde gefunden. Sie heissen Timo Keller, Jwan Steiner (Schlagzeug), Urs Müller (Gitarre) und Pascal Eugster (Bass). Dabei hat eigentlich alles als Soloprojekt angefangen: Nach dem Ende ihrer letzten Band My Baby The Bomb reiste Steffen durch Grossbritannien und spielte in Pubs kurze Coversong-Sets und begann auch wieder eigene Lieder zu schreiben. Damals war es noch ein Karin-Steffen-Projekt, wie sie sagt. Mit diesen Songskizzen und Ideen ging sie zu Timo Keller. Keller hat in Luzern ein Musikstudio und ist ein musikalischer Hansdampf in allen Gassen (unter anderem Hanreti). Er war sozusagen der Stallmeister für die magischen Pferde von Me And The Magic Horses – Keller kennt die Musiker von verschiedenen Projekten, und sie sind auch in seinem ­Studio-Musiker-Pool, der bei zahlreichen Bands aushilft.

«So ist aus dem Soloprojekt ein Bandalbum geworden», sagt Steffen. Besonders die Zusammenarbeit mit Keller forderte und förderte die 32-jährige Luzernerin. «Timo und ich haben zum Teil ganz unterschiedliche musikalische Favoriten», so Steffen. Während sie das Akustische, Reduzierte mag, tickt Keller immer etwas vertrackter und jazziger. «Ich musste mich schon ein paar Mal gegen Jazzakkorde wehren», sagt Steffen lächelnd.

Diese Reibung zwischen zwei unterschiedlichen Welten habe sie musikalisch bereichert. Zudem habe sie so auch gelernt, vermehrt eigene Entscheidungen zu treffen, wie es sich richtig für sie anfühle. Das sei immer zuvorderst im Prozess gestanden. So seien es immer ihre Lieder geblieben, auch wenn jeder der Musiker stets seine eigenen Vorstellungen und Ideen einbringen konnte. «Ich fand diesen Prozess enorm spannend.» Und jetzt galoppieren Karin Steffen (Me) und die Band (The Magic Horses) tatsächlich gemeinsam.

Dunkler Groove

Wohl auch wegen der zahlreichen Einflüsse ist «Travelling Roads» ein heterogenes Album geworden. Von recht klassischen Balladen («Arrow») bis zu recht verschachteltem Pop («Overdue») findet sich Vieles auf der Platte. Den roten Faden bildet dabei Steffen mit ihrem Gesang. Der ist, im Gegensatz zu der hochgepowerten Version bei der Poptruppe von My Baby The Bomb, nun deutlich variabler. «Ich wollte immer viel mehr Kraft in die Stimme gegeben, aber Timo hat mir immer gesagt, ich solle doch auch mal andere Facetten meiner Stimme erkunden», sagt Steffen.

Vieles ist folkig, manches poppig, manchmal ist es sogar ein bisschen rockig. Da und dort hört man eine Country-Gitarre, und hin und wieder schleichen sich Bläser ein, die mit dunklem ­Groove den melancholischen Grundton noch verstärken. «Ich will meine Geschichten erzählen», sagt Steffen. Und es falle ihr deutlich leichter zu schreiben, wenn eben nicht alles ganz super sei: «Ich kann keine happy Liebessongs schreiben, dann wird es schnell kitschig», sagt Steffen.

Fast schon beschwingt fröhlich ist die erste Single «It Ain’t You», ein Duett zwischen Keller und Steffen. Stimmlich harmonieren die beiden prächtig, und der Song trabt langsam vor ­ sich hin und wird doch nie langweilig – stets passiert ein bisschen was, ohne aber das Spiel der Stimmen zu stören. Das ist ein äusserst ­cleverer und guter Popsong, der mindestens das Format hätte, um auch auf SRF 3 gespielt zu werden. «Arrow» ist eine ­ergreifende Ballade, die aus ganz wenigen Tönen entsteht und sich mit brummligen Bläsern und dumpfer Orgel immer weiter in der Intensität steigert. Der Song erlaubt aber auch nackte Momente – plötzlich ist da zeitweise nur noch die Stimme.

Schon wieder neue Songs geschrieben

Me And The Magic Horses können aber auch zupackender sein. «Cage» ist beispielsweise so ein Song, in den Steffen und Keller deutlich mehr Wucht packen. Die Dringlichkeit haben aber fast alle Songs inne. Sie entsteht vielleicht gerade im steten Spannungsfeld zwischen dem zügellosen Experimentiergeist Kellers und der kontrollierten Steffen. «Jetzt geht es darum, so viel wie möglich zu spielen», sagt Steffen. Mit Band. Während man für die Plattentaufe probte, habe man aber schon wieder neue Songs geschrieben. Die magischen Pferde sind offensichtlich zügig unterwegs.

Me And The Magic Horses: «Travelling Roads» (Irascible). Plattentaufe:
Samstag, 9. März 2019, Schüür, Luzern.