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KONTRABASS-SOLO: Die Essenz des Basses destilliert

Den Appenzeller Musiker Patrick Kessler kennt man aus zahlreichen Formationen. Nun hat er den Alleingang gewagt. Und mit «Sum Sum» ein Liebhaberobjekt mit Bass-Miniaturen geschaffen.
Andreas Stock
Liebe fürs Detail: Patrick Kessler im Atelier mit seinen transparenten Vinyl-Singles. (Bild: Hanspeter Schiess)

Liebe fürs Detail: Patrick Kessler im Atelier mit seinen transparenten Vinyl-Singles. (Bild: Hanspeter Schiess)

Andreas Stock

andreas.stock

@tagblatt.ch

Er habe wohl schon auf jeder Bühne gespielt, die in der Ostschweiz aufgestellt worden sei, hiess es kürzlich, als ihm die Appenzeller Kulturstiftung einen Werkpreis verliehen hat. Tatsächlich gehört Kontrabassist Patrick Kessler mit zu den umtriebigen Musikern, der sich mit Neugier und Lust auf Kollaborationen einlässt und speziellen Projekten mitwirkt. Sei es im Duo mit Sven Bösiger im Projekt Nomadton, sei es mit der Appenzeller Jazzkapelle, oder mit dem skandinavischen Elektromusiker Mike Sheridan bei der Vertonung eines Stummfilms am Nordklang-Festival.

Die klanglichen Möglichkeiten ausgelotet

Der Kontrabass, ein Instrument, das eher begleitend und im Hintergrund wirkt, drängt sich so wenig nach vorne wie Kessler selbst. Erst stand auch nicht das Solospielen im Vordergrund, sondern die Lust auf die Feldforschung im neuen Atelier, das er sich im Appenzeller Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert eingerichtet hat. Der Raum sei «ein Glücksfall mit einer hervorragenden Akustik. Hier werde ich kaum müde mit Üben», sagt Kessler. Mit ein wenig Elektronik und zwei Mikrofonen begann er mit Solo-Improvisationen. Daraus entwickelte sich die Idee zu Miniaturen, die auf eine Vinyl-Single passen. Eine Herausforderung, denn die Spieldauer einer Seite reicht knapp drei Minuten. «Man muss sich in so kurzer Zeit sehr fokussieren», sagt der Bassist. «Es ging darum, die Essenz zu finden. Dieser Prozess der Reduktion dauerte über ein Jahr.»

Entstanden sind kurze, verdichtete Fragmente, auf denen er die klanglichen Möglichkeiten des Instruments auslotet. Gezupft, mit Bogen, klopfend, mal getragen und mal schneller. Er nutzt neben dezent eingesetzter Elektronik die Akustik des Raums ebenso wie den Resonanzkörper des Basses, der schwingt, brummt und sogar ein wenig nach Blech klingt. Es sind Miniaturen, die eigene Bilder evozieren oder teils an einen Soundtrack denken lassen. Kein Zufall, wie Kessler bestätigt: «Ich gehe selber auch immer von Bildern aus.»

Bald war klar, dass das Projekt ein Triple-Album auf seiner Edition Dubplaz geben sollte. Der in New York lebende Rheintaler Fa Ventilato hat ihm bei der Auswahl der sechs Stücke geholfen. Cellist Stefan Baumann, mit dem Kessler oft auftritt, bei der Abmischung. Drei Vinyl-Singles, das gibt sechs mal drei Minuten, die – anders wie auf einer CD, in verschiedener Reihenfolge abgespielt werden können. «Mir gefällt das Taktile an Vinyl-Alben», sagt der Musiker. Dieses Plastische, Greifbare setzt die Gestaltung der Edition ebenso konsequent um. Die Trogener Künstlerin Karin Karinna Bühler hat die Box kreiert, die mit Gummibändern die schönen, schlichten Kartoneinfassungen umschliesst; dazwischen, einzeln verpackt und farblich unterschiedlich, drei transparente Vinyl-Scheiben. Ein mit viel Sinn fürs Detail und in Handarbeit gestaltetes, auf 100 Stück limitiertes Liebhaberprojekt, das seinen Preis hat – der nur die Produktionskosten deckt.

Letzter Auftritt für einen treuen Begleiter

«Sum Sum» markiert für Patrick Kessler zugleich den Abschied von einem Instrument, dass er ­ 25 Jahre gespielt hat. «Ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, dass ich mich mal von diesem Bass trenne.» Dann, kurz vor Abschluss der Sum-Sum-Miniaturen, lernte er den berühmten britischen Bassisten Barry Guy kennen, der sich von einem Bass trennen wollte – so kam er zu einem besonderen Instrument: einem englischen Kennedy-Bass. «Es ist ein unglaublich inspirierendes Instrument, das vordergründig vielleicht leiser tönt, aber sehr präsent zu spielen ist.»

Zum Namen «Sum Sum» kommt das Werk aus zwei Gründen: Einerseits bezieht er sich auf die wahrnehmbaren Schwingungen des Instrumentenkörpers. Andererseits auf eine eigene Angewohnheit, wie der Bassist lachend zugibt: «Ich summe viel vor mich hin. Ich mache das oft unbewusst.» Ob Kessler bei den zwei Liveauftritten summen wird? Jedenfalls ist es die Idee, die Kompositionen «Sum 1 bis 6» zum Ambient-Sound zu mixen und für Improvisationen zu nutzen. Bereits da tritt er also wieder im Duo auf. Und er freut sich auf die Reunion der Appenzeller Jazzkapelle, die im Rahmen von Gabriela Krapfs «Gambrinus Carte blanche» am 15. Januar beim Musiksonntag Ost auftritt.

Live: Fr, 30.12., 19 Uhr, Palais bleu, Trogen; Do, 5.1., 19.30 Uhr, Nextex Kulturkonsulat, St. Gallen Sum Sum, Edition Dubplaz, editiondubplaz.ch/

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