Konfliktreiche Mutter-Tochter- Beziehung

Es ist eine universelle Frage, die der Film «El tiempo nublado» aufwirft: Was geschieht, wenn Eltern alt und pflegebedürftig werden? In verschärfter Form stellt sie sich für Arami Ullón.

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Es ist eine universelle Frage, die der Film «El tiempo nublado» aufwirft: Was geschieht, wenn Eltern alt und pflegebedürftig werden? In verschärfter Form stellt sie sich für Arami Ullón. Die 1978 in Asunción, Paraguay, geborene Filmemacherin und Produzentin hat seit einigen Jahren ihr Leben mit ihrem Schweizer Mann in Basel eingerichtet. Ihre 70jährige Mutter Mirna lebt mehr als zehntausend Kilometer entfernt, allein in ihrer Wohnung in Asunción. Sie leidet an Parkinson und an Epilepsie. Schon als Kind musste Arami für die Mutter sorgen, wenn der Vater nicht da war. Die Eltern leben längst getrennt, Arami ist früh von zu Hause weg; sie hat lange in den USA gelebt, bevor es sie in die Schweiz verschlug.

Die Frage nach dem Sinn

Nun erfährt Arami, dass sich der Zustand ihrer Mutter verschlechtert hat, ihre Pflegerin Julia die Betreuung nicht mehr bewältigen kann. Arami reist in ihre alte Heimat und muss sich der Frage stellen, ob sie bei ihrer Mutter bleiben, sie in ein Heim geben oder sie mit in die Schweiz nehmen soll.

«Warum machen wir eigentlich diesen Film?», steht am Anfang als Frage im Raum. Zur Doppelbedeutung von «el tiempo», das sowohl «die Zeit» als auch «das Wetter» heissen kann und «von Wolken umhüllt» ist, passt die Tatsache, dass es die Mutter ist, die eine Antwort darauf gibt. Im ersten Augenblick könnte man meinen, die Frage nach dem Sinn des Films stamme von der Mutter, doch es ist die Tochter, die sie stellt. Und zur Antwort erhält: «Um zu zeigen, was einem passiert in diesem Stadium meiner Krankheiten».

Ramòn Giger an der Kamera

Das ist tatsächlich ein Teil von «El tiempo nublado»; viel wichtiger aber ist der Kampf Arami Ullóns gegen Schuldgefühle und ein beständiges Anrennen gegen Sachzwänge. Dass wir es hier mit einem Dokumentarfilm zu tun haben, geht in der Art, wie die Filmerin sich nicht schont, bisweilen fast vergessen. Dass das so hervorragend funktioniert, hat viel mit der brillanten Arbeit von Ramòn Giger als Kameramann zu tun. Giger hatte sich mit «Karma Shadub», wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen, eine ähnlich intensive Auseinandersetzung mit seinem Vater geliefert. Hier schafft er es, in der intensiven Auseinandersetzung zweier eigensinniger Frauen berückend schöne Bilder zu finden für eine Situation, in die jede und jeder von uns einmal kommen kann. Geri Krebs

Heute Fr, 18 Uhr, Kinok St. Gallen, Premiere mit Arami Ullón

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