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KOMPOSITION: «Ich bin mit Bach mariniert»

Der St. Galler Musiker Rudolf Lutz hat von Deutschlandradio Kultur einen Kompositionsauftrag für eine Kantate über Luther erhalten. Sein an Bach orientiertes Werk ist fertig und wird Anfang Mai uraufgeführt.
Martin Preisser
Der Musiker und Komponist Rudolf Lutz daheim am Cembalo. (Bild: Michel Canonica)

Der Musiker und Komponist Rudolf Lutz daheim am Cembalo. (Bild: Michel Canonica)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Feurig-kraftvoll lässt Rudolf Lutz seine Luther-Kantate «Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort» beginnen. Und am leidenschaftlichsten erklärt der Komponist sein neues Stück, wenn er am Klavier sitzt und seine Arien und Rezitative mit Verve vorsingt. Einen «Feuervogel mit Visionen und Sendungsbewusstsein», aber auch einen «angstbeladenen Menschen» nennt er Martin Luther, dessen Gedanken die neue Kantate thematisiert.

Rudolf Lutz, der vielseitige St. Galler Musiker, den man derzeit vor allem als Dirigent sämtlicher Bach-Kantaten in Trogen kennt, sagt von sich: «Ich bin ein Schaltjahr-Komponist.» Die Luther-Kantate ist nicht seine erste Kantate. Der Kultursender Deutschlandradio Kultur hat die «Wein-Kantate» von Lutz gehört, ist hellhörig geworden und hat dem Musiker jetzt einen Kompositionsauftrag für eine Kantate über Luther erteilt.

Die neunzigseitige, handgeschriebene Partitur für Orchester und Gesangsquartett hat Lutz in sieben Wochen fertiggestellt und dabei täglich rund fünf Stunden investiert. Dass das Stück jetzt am 6. Mai auf der Wartburg bei Eisenach uraufgeführt wird, freut ihn: «Das ist ein symbolträchtiger Ort. Hier am Ort von Luthers Bibelübersetzung zu spielen, berührt mich schon sehr.»

Ganz am Vorbild Bach orientiert

Lutz gilt als profunder Bach-Kenner. Im Rahmen der Gesamtaufführung aller Bach-Kantaten, getragen von der St. Galler Bach-Stiftung, hat er sich die musikalische Grammatik des Thomaskantors bis ins kleinste Detail angeeignet. «Ich bin quasi mit Bach mariniert», sagt er. «Und habe sozusagen die Bach’sche Reifeprüfung gemacht.» Seine Luther-Kantate orientiert sich denn auch an Bachs Kunst, Kantaten zu schreiben. Lutz komponiert langsam und genau. Sein Stil ist ganz barock ausgerichtet. «Ich kann jede Note begründen. Und irgendwie komponiere ich immer auch an den goldenen Spuren Bachs entlang.» Wieder springt er begeistert ans Klavier und zeigt stolz eine gelungene Doppelfuge, eine kompositorisch sehr anspruchsvolle Form. Luther schreibt vom «Christenmenschen als freiem Herrn und vom Christenmenschen als dienstbarem Knecht». Ein theologischer Gegensatz, der den Komponisten reizte und dessen beide Pole er je einem Fugenthema zuordnete.

Schon 1717 war eine Kantate zum 200. Jahrestag der Reformation aus der Feder Bachs geplant. Dazu kam es aber nicht. Heute, zum 500. Jahrestag, springt Rudolf Lutz sozusagen in diese Lücke. Das Libretto hat der St. Galler Theologe Karl Graf, der ehemalige Pfarrer von St. Laurenzen, verfasst. «Wir nähern uns Luther als Zwinglianer, was gar nicht so einfach ist», sagt Rudolf Lutz. Er und Graf, der bei der Bach-Kantaten-Reihe in Trogen die theologische Federführung hat, sind die Texte daher auch mit einem lutherischen Theologen auf die Genauigkeit der Aussage hin durchgegangen.

Eine Kantate lebt von Bildern. Wie man diese packend-plastisch musikalisch darstellt, hat Bach selbst mit seinem unendlichen Fantasiereichtum gezeigt. Bei einem eher theologisch gehaltenen Libretto wie der Luther-Kantate drängen sich Bilder nicht einfach automatisch auf. Rudolf Lutz versucht daher, hinter den religiösen Begriffen die Bilder her­auszulösen, die Dramatik hinter den Worten zu erspüren.

Flehentliches Verlangen nach Antwort

Die Luther-Kantate ist hörbar aus der Feder eines grossen Bach-Bewunderers geschrieben. Was Rudolf Lutz ständig an den Bach-Kantaten lernt, hat ihn inspiriert, technisch wie atmosphärisch. Und er empfinde ein grosses Glücksgefühl, die Komposition zu einem für ihn befriedigenden Punkt gebracht zu haben. Seine Motivation, geistliche Musik zu schreiben, fasst er in einem schönen Satz zusammen: «Es ist doch letztlich Wunsch und Verlangen, in einem flehentlichen Versuch mit Musik zu einer Antwort auf die Geheimnisse des menschlichen Lebens zu kommen.»

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