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Komödie wird Spionagethriller

Der Toggenburger Simon Keller bringt mit «Wo ist Walter?» sein viertes Stück auf die Bühne. Eine chaotische Komödie, in der die Titelfigur mit Abwesenheit glänzt. Am Samstag war Premiere in Wattwil.
Mirjam Bächtold
Leutnant Schneider (Philipp Langenegger) nimmt Lukas (Simon Keller) in die Zange. Walters Frau Susi (Caroline Felber) ist hässig. (Bild: Urs Bucher)

Leutnant Schneider (Philipp Langenegger) nimmt Lukas (Simon Keller) in die Zange. Walters Frau Susi (Caroline Felber) ist hässig. (Bild: Urs Bucher)

Walter mit dem rot-weiss gestreiften Pulli und der blauen Hose aus den bekannten Wimmelbüchern ist oft nach wenigen Minuten entdeckt. Walter Maier im neusten Stück des Toggenburgers Simon Keller bleibt verschwunden bis zum Schlussapplaus. Auf der Bühne hinterlässt er seine besorgte Ehefrau Susi (Caroline Felber), die sofort die Polizei alarmiert und Walter als vermisst meldet. Stichwort für den tollpatschigen und chaotischen Polizeileutnant Schneider (Philipp Langenegger), der auf Walters Laptop nach Hinweisen suchen will. So beginnt das Stück «Wo ist Walter?», das am Samstag im Thurparksaal in Wattwil Premiere feierte.

Warum dann auch noch ein angeblicher Mitarbeiter von Walter mit einem blauen Auge (Simon Keller) auftaucht, bleibt zunächst unklar. Eine Mitarbeiterin des Betreibungsamts (Jessica Matzig) überbringt Susi die Nachricht, dass ihr Mann hohe Schulden hat und seit sechs Monaten arbeitslos ist. Die arme Frau ist mit den Nerven am Ende, das Chaos perfekt, die Ermittlungen keinen Schritt weiter.

Autor steht selbst auf der Bühne

Mit «Wo ist Walter?» bringt Simon Keller bereits sein viertes Stück auf die Bühne. Gespielt wird auf Schweizerdeutsch, ein bunter Mix an Dialekten von Basel bis in die Ostschweiz. Da kann der gebürtige Urnäscher Philipp Langenegger Appenzeller Flüche ausstossen wie «Chrüz Satan» oder «Huerregopferdorisiech».

Der 22jährige Simon Keller wurde mit seinen Produktionen über das Toggenburg hinaus bekannt, nicht zuletzt auch deshalb, weil er im Bernhard-Theater neben Erich Vock in «Alles uf Chrankeschii» auf der Bühne stand. In «Wo ist Walter?» hat sich Simon Keller selbst eine Rolle gegeben und für die Regie deshalb die Aargauerin Valérie Cuénod engagiert. Diese hat aus Kellers Texten eine rasante Komödie mit schnellen Szenenwechseln geschaffen. Vor allem der erste Teil lebt von Slapstick-Einlagen, die Philipp Langenegger auf die Spitze treibt. Etwa als er auf einem Stuhl herumturnt, um mit dem Brecheisen Walters «Tabukästchen» zu öffnen. Das Möbelstück bot ihm in seiner Ehe mit Susi die einzige Privatsphäre. Caroline Felber zieht zwischen Wutausbrüchen und Nervenzusammenbrüchen alle Register. Mal bricht sie in Tränen aus, dann schmeisst sie mit Tupperware-Behältern um sich oder geht mit Schneiders Pistole auf diesen los. Als ein Liebesbrief aus Walters Tabukästchen auf eine Affäre ihres Mannes hindeutet, ist die zierliche ältere Dame nicht mehr zu halten. Der erste Akt des Stücks erinnert mit übertriebenen, teils fast clownesken Szenen an einen Schwank.

Walters Wohnung wird zum Irrenhaus

Doch das Stück würde nicht aus Kellers Feder stammen, nähme es nach der Pause nicht eine plötzliche Wende. Im Verwirrspiel weiss der Zuschauer nicht mehr, wem er noch trauen kann, denn etwas ist gehörig faul, wie die Betreibungsbeamte richtig bemerkt. Überhaupt ist sie die bessere Spürnase als Polizist Schneider und genau das macht diesen immer verdächtiger.

Der Inhalt fordert nach der Pause die Hirnzellen des Publikums. Die anfangs etwas vorhersehbare Komödie wird plötzlich zum spannenden Spionagethriller. Susis Wohnung wird mehr und mehr zum Irrenhaus, ein Happy End ist nicht in Sicht.

Vorstellungen in Wil, Frauenfeld, St. Gallen, Herisau, Unterwasser www.simon-keller.ch

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