«Komm grosser schwarzer Vogel»

Ludwig Hirsch ist tot. Der österreichische Liedermacher und Schauspieler starb gestern in Wien, er nahm sich das Leben.

Hansjörg Ruh
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Ludwig Hirsch (Bild: ky)

Ludwig Hirsch (Bild: ky)

Schlechte Zeiten für die Freunde des schwarzen österreichischen Humors: Nachdem am Dienstag Georg Kreisler mit fast 90 Jahren gestorben ist, folgte ihm in der Nacht auf gestern Ludwig Hirsch, der bekannteste Vertreter dieser Art von Humor der «jüngeren Generation». Hirschs erste Lieder, auf Schallplatte veröffentlicht ab 1978, wurden gleichzeitig diejenigen, die an seinen Konzerten immer wieder auftauchten und ihn musikalisch unsterblich machen: «Die Omama», «Der Herr Haslinger» oder «I lieg am Ruckn», vor allem aber auch «Komm grosser schwarzer Vogel».

Als Schauspieler im «Jedermann»

Seinen bitterbösen, zynischen und gleichzeitig liebenswerten Humor lebte Hirsch nicht nur in seinen Liedern aus. Auf der Bühne und im Film schimmerte er immer durch, selbst im ruhigen Theaterspiel spürte man seinen Schalk. «Kommissar Rex» und «Tatort» boten ihm die Gelegenheit, im Fernsehen sein schauspielerisches Können zu zeigen, und auf der Bühne verkörperte er unter anderem Rollen in «Jedermann», «Einen Jux will er sich machen» oder auch in Shakespeares «Was ihr wollt».

Der «typische Wiener»

Ludwig Hirsch galt – in der Steiermark geboren – als der «typische Wiener». Bevor er sich hauptberuflich der Musik zuwandte, absolvierte er ein Grafikstudium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und besuchte eine Schauspielschule. Als Theaterschauspieler war er zuerst auf deutschen Bühnen tätig, bevor er 1975 Ensemblemitglied in der Wiener Josefstadt wurde. Zu jener Zeit kam auch der Durchbruch mit seiner ersten LP, der mehr als 20 Platten folgen sollten.

In feinen Geschichten subtil erzählte Begebenheiten, ein unerwarteter Schluss, geprägt von viel Humor, diese Eigenschaften wurden zu den Markenzeichen seiner Lieder. Oft setzte er seine charakteristische Stimme im wundervollen rauchigen Wiener Dialekt in Sprechgesang um.

Todessehnsucht eines Kranken

Seine letztjährige Tournée trug den Titel «Vielleicht – zum letzten Mal», dieses Jahr gastierte er dann mit «Gänsehautnah» auch noch einmal in der Schweiz. Ein Stück durfte dabei natürlich nicht fehlen: das bereits erwähnte «Komm grosser schwarzer Vogel». Es erzählt von der Todessehnsucht eines Schwerkranken.

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