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Kolumnist und Spötter findet noch eine Bühne

Er ist Schnellredner, streitbarer Kolumnist und Unternehmer: Nun wird der St. Galler Journalist Stefan Millius auch noch «Ritualgestalter». An zwei Abenden zeigt er sein Bühnenprogramm im Theater 111. Als Hobby, betont er. In der selbstironischen Inszenierung erzählt er von satirischen Alltagsbeobachtungen.
Hansruedi Kugler
Stefan Millius in der Rolle des Ritualgestalters. (Bild: pd)

Stefan Millius in der Rolle des Ritualgestalters. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Auf dem Foto lächelt ein locker-moderner Pfarrer, könnte man meinen. Den Mann aber kennt man in anderer Funktion: Es ist Stefan Millius, Texter und Drehbuchautor – ein Journalist, der gerne gepfefferte Kommentare schreibt. Zum Beispiel im Wirtschaftsmagazin «Leader», wo er sich kürzlich über Künstler ärgerte, die mit ihren Werken immer ihre penetrante Gutmenschen-Ideologie mittransportieren würden: «Einige von Euch gehen mir massiv auf den Senkel. Ihr habt nicht nur die Kunst für Euch gepachtet, sondern auch die Wahrheit.» Nun steht er selbst auf der Theaterbühne. Schafft er den Spagat?

Spott über Selbstgerechtigkeit

Der «Leader»-Kommentar tönte schroff und polemisch. «Einige meiner Künstler-Freunde sind erschrocken», gibt Stefan Millius zu, der von sich selbst sagt, ein Leben ohne Kunst und Kultur könne er sich schwer vorstellen. «Aber ich bin ein Verfechter des freien Unternehmertums und tiefen Steuern.» Bei aller Freude an der Kunst ärgere er sich über die seiner Meinung nach verbreitete selbstgefällige Anspruchsmentalität. Seine Bücher und Filme finanziert er privat. Und spottet deshalb gerne über missionarisches Sendungsbewusstsein in allen Ecken unserer Gesellschaft: bei überfürsorglichen Eltern, sektiererischen Vegetariern oder Esoterikern. Sarkastische Kostproben davon las man schon in seinem Buch «66 Motive für Mord». Beim begabten Erzähler Millius war es nur eine Frage der Zeit, bis seine satirischen Kommentare den Weg auf die Bühne finden.

Pfarrer wollte er mal werden

In seinem abendfüllenden Programm steht Millius nicht als Pfarrer auf der Bühne, obwohl er als 12-Jähriger den heftigen Wunsch verspürt habe, Pfarrer zu werden. Nein: Als Ritualgestalter. Vor sechs Jahren sei er über einen kurzen Zeitungshinweis auf einen Ritualgestaltungskurs gestolpert und habe diesen dann auch besucht – aus purer Neugier: «Rituale finde ich völlig okay.» Leute, die Traditionen runtermachen, findet er engstirnig. Aber die Räucherstäbchen und Klangschalen im Kurs fand er «ätzend esoterisch». Seine Haltung nennt er liberal: «Lebt euer Feng-Shui und euren Vegetarismus, aber verzapft nicht missionarisch, dass ihr bessere Menschen seid und alle anderen dumm oder böse.»

Selbstironisch präsentiert

Millius' Bühnenprogramm ist keine Polit-, sondern Alltagssatire. Seine Bühnenfigur ist beruflich gescheitert und frustriert. Um vom RAV loszukommen, versucht sie sich als Ritualgestalter. Als solcher ist sie Gast bei einem Verein, dem sie ihre Tätigkeit erklärt. Dabei fällt sie in Schimpftiraden über Feng-Shui-Fans, übermotivierte Väter in der Waldspielgruppe, sich zuwinkende Postauto-Chauffeure. Und transportiert den Spott, den Millius selbst in sozialen Medien gerne und oft übt. «Das Ganze soll lustig sein. Ich will aber keine blosse Persiflage», relativiert er. «Ich nehme die Schärfe, indem ich es selbstironisch präsentiere: Den Spott lege ich meiner frustrierten Figur in den Mund.» Vereinsauftritte kennt Millius aus eigener Erfahrung. Kurzversionen seines «Ritualgestalters» hat er bei einem Firmenanlass und einem Grümpelturnier gezeigt: «Traumatische Erlebnisse. Zwischen Dessertbuffets und in lauten Festzelten ging mein Auftritt völlig unter», erzählt er. Im Theater ist die Aufmerksamkeit anders: «Mein Bühnenauftritt ist und bleibt aber Hobby. Ich plane keine Bühnenkarriere.» Er sei weder Schauspieler noch Kabarettist – vor diesen Berufen habe er grossen Respekt – sondern Texter und Erzähler. Denn beruflich führt er zusammen mit Marcel Baumgartner das Medienbüro Insomnia, schreibt für den «Leader» und ist Chefredaktor des Familienspick.

Ritualgestalter, Theater 111, Grossackerstrasse 3, 9000 St. Gallen 20. und 21. 10., je 20 Uhr Reservation: stefan@millius.ch

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