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Sensationelle Entdeckung: «Kolumbus» malte Teufelsbrücke

Ein besonderes Bild der Teufelsbrücke ist kürzlich wieder aufgetaucht. Unser Autor entdeckte es bei Ricardo, eilte sofort zum Anbieter und erwarb das Bild. Und schreibt nun über einen spannenden Luzerner Künstler.
Ruedi Gisler-Pfrunder
Das Reliefbild der Teufelsbrücke, gemalt von Josef Brunner. (Bild: Sammlung Ruedi Gisler-Pfrunder)

Das Reliefbild der Teufelsbrücke, gemalt von Josef Brunner. (Bild: Sammlung Ruedi Gisler-Pfrunder)

Dieses besondere Reliefbild der Teufelsbrücke, auf das ich per Zufall via Ricardo in einem Stanser Brockenhaus gestossen bin, wurde von Josef Brunner (1855–1900) gemalt. Der Luzerner Volkskünstler, «Kolumbus» genannt», befasste sich neben der Teufelsbrücke auch mit dem Löwendenkmal in Luzern. Und er hatte starke Bezüge zur Fasnacht und zum hiesigen Zunftwesen.

Unter dem Begriff Volkskunst oder auch Heimatkunst wird das Schaffen jenseits der klassischen oder modernen Künste zusammengefasst. Volkskünstler haben keine akademische bzw. künstlerische Ausbildung absolviert, sondern ihre Fähigkeiten oft in der direkten Überlieferung der traditionellen Brauchtumspflege durch Gleichgesinnte erworben.

Aufgrund ihrer geografischen und kulturellen Vielfalt kann nicht von einer einheitlichen Schweizer Volkskunst gesprochen werden; so sind etwa zwischen den bunten Darstellungen des Alpaufzugs in Appenzell, den kunstvollen Iffelen am Küsnachter Klausjagen oder den prachtvollen Laternen am Basler Morgenstreich grosse Unterschiede zu erkennen. Heute werden vielfach auch neue Formen des künstlerischen Ausdrucks wie etwa die Graffitikunst der Jugendkultur im weiteren Sinne ebenfalls zur Volkskunst gezählt.

«Das Löwendenkmal» ist verschollen

Die vorliegende Darstellung der Teufelsbrücke darf als typisches Werk der klassischen Volkskunst bezeichnet werden. Leider ist das zweite Werk des Künstlers, «Das Löwendenkmal» verschollen und wohl endgültig verloren gegangen. Obwohl keine weiteren Kunstwerke von Brunner bekannt sind, ist es unwahrscheinlich, dass er nur diese zwei Reliefbilder geschaffen hat. Die Qualität der Darstellung der Teufelsbrücke in 3-D-Technik deutet darauf hin, dass es sich kaum um ein Erstlingswerk handelt. Da die wenigsten Werke der Volkskunst signiert sind, bleiben die meisten Künstler unbekannt. Im vorliegenden Fall indes ist auf der Rückseite des Tableaus auch ein Zeitungsartikel aufgeklebt, der den Namen des Künstler preisgibt.

Leidbildchen von Josef Brunner. (Bild: www.portraitarchiv.genealogie-zentral.ch)

Leidbildchen von Josef Brunner. (Bild: www.portraitarchiv.genealogie-zentral.ch)

Josef Brunner kommt am 7. Juni 1855 zur Welt. Sein Vater Kaspar Jgnaz Brunner ist in Luzern ein bekannter Baumeister. Er hatte mit seiner Frau Anna drei Töchter und Joseph als einzigen Sohn. Dieser besucht die Kantonsschule in Luzern und schliesst sich der «Sectio Semper fidelis» an, einer gymnasialen Studentenverbindung. 1888 heiratete er Emma Beutler, mit welcher er vier Kinder hat.

Laut dem Nekrolog der Safranzunft von 1900 war Josef Brunner beruflich als Verwalter der Sentianstalt tätig und unter dem Übernamen «Kolumbus» bekannt. Ob es sich hierbei um Brunners Verbindungsnamen aus der Semper fidelis handelt, konnte nicht eruiert werden. Doch scheint er unter diesem Übernamen allgemein bekannt gewesen zu sein, denn selbst der Nachruf im «Vaterland» ist damit betitelt. Darin heisst es etwa: «Als wackeres Mitglied der Safranzunft verkörperte er so recht, ohne indessen seine Geschäfte hintanzusetzen, die Traditionen des alten gemütlichen Luzern. Mit glücklichem Humor und frohem Gemüt begabt, verstand er es, bei fröhlichen Anlässen, früher in der ‹Sectio semper fidelis›, später vorzüglich aber in der Safranzunft [. . .] die Zuhörer zu erfreuen und zu begeistern. [. . .] Wohlverdient war der Fritschi-Orden, den die Zunft ihm stiftete und feierlich überreichte. [. . .]

Safranzunft erweist sich als widerstandsfähig

Die Sentianstalt am Fuss des Gütsch wird vom Gotteshaus im Hof und der Einwohnerschaft Luzerns im 13. Jahrhundert gestiftet und dient zur Aufnahme und Pflege der Aussätzigen und anderer Patienten mit unheilbaren Krankheiten. 1883 wird hier eine Verpflegungs- und Erziehungsanstalt eingerichtet. Brunner amtet mehrere Jahre als Verwalter in der Institution, die sich auch «Bürgerasyl» nennt. Sie ist eine staatliche soziale Einrichtung für unterstützungsbedürftige Einwohnerinnen und Einwohner.

1881 wird Brunner in die Safranzunft Luzern aufgenommen, wo er sich als Zunftbruder mit grossem Tatendrang einsetzt. Zünfte bestehen seit dem späten Mittelalter. Nur wer Bürger der Stadt und Mitglied einer Zunft war, konnte sein eigenes Geschäft führen, wie etwa einen Krämerladen eröffnen und an die Märkte gehen. 1453 taucht für die Krämergesellschaft erstmals der Name «ze dem Saffran» auf.

Um 1460 schliessen sich andere Berufsgruppen wie Bauhandwerker, Zimmerleute, Maurer und Steinmetze an, die Zunft nennt sich fortan Gesellschaft zum Fritschi. Ab 1650 heisst diese «Zunft zum Safran». In der Helvetik 1798 bis 1803 verlieren die Zünfte alle Vorrechte und werden aufgelöst. Nur die Safranzunft wird als bürgerliche Vereinigung mit Interesse am luzernischen Brauchtum weitergeführt.

Am 30. Dezember 1894 wird Brunner zum Material-Verwalter der Safranzunft gewählt und später für seinen unermüdlichen Einsatz mit dem Fritschiorden geehrt. 1899 tritt Brunner wegen einer schweren Erkrankung vom Amt als Materialverwalter zurück. Der Safranzunft bleibt er jedoch bis zum seinem Ableben am 15. August 1900 treu.

Ein Fritschi-Umzug als Inspiration für das Bild?

Zwischen 1749 und 1946 führt die Zunft so genannte FritschiUmzüge durch, die jeweils unter einem bestimmten Thema stehen, so etwa 1884 «Der alte Gotthardpass». Möglicherweise liefert dies Brunner den Anstoss zur Erschaffung des Gemäldes. Es handelt sich um ein eher grosses Tableau im originalen Rahmen von 80 x 65 cm mit einem zentralen Medaillon von ca. 45 x 38 cm, in dem die beiden Teufelsbrücken – die steinerne von 1595 und die Brücke von 1830 – in Relief-Manier abgebildet sind.

Im Luzerner Tagblatt vom 3. Fe­bruar 1886 finden wir den Text eines ungenannten Redaktors: «Auf eine gewisse Entfernung betrachtet, würde man die zwei Bilder (das eine die Teufelsbrücke am Gotthardpass, das andere das Löwendenkmal in Luzern darstellend) für Aquarelle halten; tritt man aber näher, so erweisen sich dieselben sehr kunstreich [. . .] als plastisch ausgeführt; das zur Verwendung gelangte Material besteht in Wespennestern, Moos, Tannenreisig, Baumwolle etc., ersteres zum Teil koloriert. Die Partie der Teufelsbrücke mit ihren düsteren Felsen und der wild hervorbrechenden Reuss ist sehr naturgetreu dargestellt und bekundet grosses Verständnis.»

Die Sage aus der Sicht des geprellten Teufels

Auf der Rückseite des Tableaus ist ein Gedicht über die Teufelsbrücke zu finden, das nicht wie üblich die cleveren Urner lobt, sondern die Sage aus Sicht des Teufels erzählt. Und ein Aquarell, das den auf seinen verdienten Lohn wartenden, auf einem Stein sitzenden Teufel zeigt. Ob diese kleine kolorierte Tuschezeichnung ebenfalls von Joseph Brunner stammt, kann nicht belegt werden.

Auf der Rückseite des Tableaus findet sich eine Tuschzeichnung, die den auf einem Stein sitzenden Teufel zeigt. (Bild: PD)

Auf der Rückseite des Tableaus findet sich eine Tuschzeichnung, die den auf einem Stein sitzenden Teufel zeigt. (Bild: PD)

Tatsache ist, dass es sich bei der Illustration um ein Kunstwerk von hoher Qualität handelt. Die sichere Federführung bei der Darstellung des Teufels wie auch der harmonische Schriftzug und die subtile Farbgebung – inzwischen etwas verblichen – deuten auf einen bewanderten Zeichner und Schriftenmaler. Die filigranen Verzierungen um die Beschriftung und der Fingerzeig des Gehörnten weisen auf seine Leistung – den Brückenschlag – hin. Und hier das Gedicht «Die Teufelsbrücke» (Autor unbekannt):

Als ich die tosende Reuss überbaut,

Hab’ der Ehrlichkeit der Menschen getraut.

Ein Seelchen laut Vertrag war doch nicht zu viel,

Doch trieb man mit mir ein treulos Spiel.

Wie lauernd ich sass am Brückenkopf

Den verdienten Lohn mir zu fassen am Schopf,

Da trieb man gar listig einen Geissbock mir zu,

Und liess das arme Seelchen in Ruh.

Auf solche Art sich lassen versohlen,

Da möchte der Teufel den Teufel holen!

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