Könige und Kaiser auf dem Klo

SALENSTEIN. Der Sonnenkönig benutzte das Klo im Beisein seiner Minister, Kaiser Napoleon badete mit Stil: Die Jahresausstellung «Eau & Toilette» im Napoleonmuseum Thurgau blickt durch die Schlüssellöcher der Separées und Waschräume der Adligen.

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Über dem Bodensee: das Schloss Arenenberg mit dem Napoleonmuseum. (Bild: Keystone)

Über dem Bodensee: das Schloss Arenenberg mit dem Napoleonmuseum. (Bild: Keystone)

Das Kernstück der Ausstellung im kaiserlichen Exil-Schloss hoch über dem Bodensee ist das frisch renovierte Tauchbad, wo sich Napoleon III. stilvoll wusch. Allerdings gab es bei den Renovationsarbeiten des erst kürzlich entdeckten Kaiserbades Verzögerungen. Deshalb kann es erst ab Ende Mai besichtigt werden, wie Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums Thurgau, am Donnerstag vor den Medien sagte.

«Eau & Toilette, Waschen, Kleiden, Duften» ist aber schon bei ihrer Eröffnung am Samstag, 16. April, eine ungewöhnliche Entdeckungsreise in die zum Teil absonderlichen Pflege- und Hygienegewohnheiten der Schönen und Reichen. Die Ausstellung dauert bis am 23. Oktober. Gezeigt werden Kloschüsseln, Badewannen, Parfümflaschen und Schminkutensilien von der ausgehenden Renaissance bis zum beginnenden 20. Jahrhundert. Die Exponate kommen aus eigenen Beständen und von verschiedenen Ausstellungshäusern. Geschmückt sind die Räume im Exil-Schloss Napoleons mit Kopien von Kostümen und Bildern.

Ob das «Lever du Roi» des Sonnenkönigs oder die kuriosen Schönheitsrituale von Marie-Antoinette - die Rituale waren aus heutiger Sicht oft eigenartig und der Gesundheit nicht immer förderlich. «Um sich vom arbeitenden Fussvolk abzugrenzen, bleichten die edlen Damen ihre Gesichter mit hoch giftigem Bleioxid», sagte Kuratorin Christina Egli. Über die Vorlieben und Tricks der Adligen plaudern nicht die Helden selbst, sondern Diener und Zofen. So erzählt Marie ihrer Kollegin Julie in einem mit versilberten Reise-Bidets und Luxus-Kloschüsseln ausgestatteten Raum: «Heute Morgen hat der König seine Minister auf dem Klo sitzend empfangen».

Einen Raum für sich beanspruchen die Perücken, mit denen sich die Kaiser und Kaiserinnen schmückten. «Da der Sonnenkönig schütteres Haar hatte, verbarg er seine Glatze unter möglichst edlen Perücken», sagte Christina Egli. Über Nacht wurden die meist aus Echthaar gefertigten Perücken in die legendären Volieren gehängt. Die darin gefangen gehaltenen Pirole hatten die Aufgabe, Läuse und Flöhe aus der künstlichen Haarpracht zu picken. Um das auch bei den Adligen allgegenwärtige Ungeziefer in Zaum zu halten, versteckten die Kaiser und Könige unter ihren Kleidern Flohkästchen.

In den aus Holz geschnitzten Fallen steckte ein mit Blut und Honig getränktes Stück Stoff. «Das angelockte Ungeziefer blieb am Honig kleben, die Adligen mussten sich nicht ständig überall kratzen», erklärte Egli.
Weil es trotz aller Hygiene-Anstrengungen unter den Kleidern und Roben der Adligen stank, umgaben sie sich ausserdem mit vielerlei Düften und Parfums. Um die Raumluft zu erfrischen, wurden parfümierte Tauben in den kaiserlichen Salons fliegen gelassen. (sda)