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König der Narren

Opernstar Für seine Paraderolle Rigoletto reist der Italiener Paolo Gavanelli rund um den Globus; alle grossen Häuser wollen ihn haben als buckligen Hofnarren. Mit dem Theater St. Gallen aber verbindet ihn mehr. Bettina Kugler
Versehrter Körper, schöne Stimme: Für Rigoletto lebt Paolo Gavanelli streng und diszipliniert. (Bild: Urs Bucher)

Versehrter Körper, schöne Stimme: Für Rigoletto lebt Paolo Gavanelli streng und diszipliniert. (Bild: Urs Bucher)

Ein faszinierender Charakter: Der Narr wider Willen. Hässlich, bucklig, körperlich leidend – dass er die Vaterliebe in Person ist, darf keiner wissen. Für den Herzog von Mantua muss Rigoletto bei Hof den Clown spielen; im Privaten zerstört er sein einziges Glück. Er wird mitschuldig an der Entführung und schliesslich am Tod seiner einzigen Tochter Gilda.

Am Samstag, zur Spielzeiteröffnung am Theater St. Gallen, wird es das 287. Mal sein, dass Paolo Gavanelli für die Titelrolle der vielgespielten Verdi-Oper in der Maske sitzt. Dass er sich verunstalten lässt und verwandelt in den traurigen Alten mit dem erzwungenen Grinsen. Regie führt die Italienerin Rosetta Cucchi, ihr «Rigoletto» wird im Milieu eines alten Wanderzirkus angesiedelt sein. Wieder ein neuer Blickwinkel für den Verdi-erprobten Bariton; langweilig wird es ihm nie mit der Rolle. «Daran erkennt man eben Meisterwerke: Sie altern nicht und sind immer aktuell.»

Glücklich auf der Bühne

287: Gavanelli muss nicht schätzen; er hat genau mitgezählt in all den Jahren. Ob am Covent Garden in London, an den Staatsopern von Hamburg, Berlin und München, ob in Wien oder an der Metropolitan Opera New York: den Rigoletto singt er mit Haut und Haaren. Nicht nur Kritik und Publikum mögen den in Padua geborenen Vollblutdarsteller. Auch die Kollegen lassen sich gern von seiner gewaltigen Präsenz anstecken. Besonders die Damen. «Man spürt, wie stark Paolo in der Rolle des Rigoletto aufgeht», sagt Sopranistin Diana Damrau, die in München als Gilda an seiner Seite sang; Edita Gruberova schwärmt: «Ein ernsthafter Künstler, mit dem man aber auch gut lachen kann.»

Jetzt also wieder St. Gallen, wo Gavanelli seit 1987 regelmässig gastiert. Hier hat der studierte Jurist, der sich neben seiner Brotarbeit am Katasteramt privat zum Sänger ausbilden liess, erste Erfolge gefeiert, etwa in Verdis «Ernani»; zuletzt war er in «Madama Butterfly», «Alzira» und «Il barbiere di Siviglia» zu hören. Er schätzt das Haus, das künstlerische Niveau, die Freundlichkeit aller Mitarbeiter. Und das Publikum. «Wenn ich hier singe, bin ich immer sehr glücklich, und wenn ein Sänger glücklich ist, gibt er nicht nur auf der Bühne, sondern auch privat sein Allerbestes.» Das St. Galler Publikum wird das gern hören. Seine Familie ebenso.

Ausschlafen und massvoll essen

Nach St. Gallen ist Helsinki mit «Rigoletto» dran – dort wird Gavanelli genüsslich die 300. Aufführung überschreiten. Dabei ist die Partie mindestens so respekteinflössend wie begehrt. «Rigoletto ist die schwierigste Rolle für Bariton», sagt Paolo Gavanelli; «sie ist stimmlich anspruchsvoll und erfordert dazuhin einen erheblichen Aufwand an Kraft und Ausdauer.» Wer die DVD der Produktion mit dem Royal Opera House London anschaut, weiss, was er meint. Gavanelli in Aktion straft jeden Lügen, der meint, Oper sei etwas für alte Leute. Jedenfalls nicht auf der Bühne. Singen ist Leistungssport. Doch ein guter Bariton singe so, dass er nach einer Stunde Pause das ganze noch einmal schaffe.

Nächstes Jahr feiert Paolo Gavanelli sein dreissigstes Bühnenjubiläum. Stimmpflege ist für ihn ein Dauerthema. Auch in den Tagen vor der St. Galler Premiere. Er muss sich schonen. Bekommt mehrere Tage lang Redeverbot, ärztlich attestiert. Vor und nach Proben hat er zu schweigen. «In dreissig Jahren gewöhnt man sich an einen disziplinierten Lebensstil», antwortet er via Mail. «Am wichtigsten ist nächtliche Erholung. Wirklich, man sollte sich nicht allzu spät schlafen legen. Vor allem muss man Exzesse jeder Art vermeiden, in der Ernährung wie im alltäglichen Verhalten.» Ob ihm das schwerfalle? O nein! Für Verdi macht er das gern.

15mal die Welt umrundet

Etwas schwerer wiegt der Verzicht auf Frau und Kinder, wenn er für Rigoletto & Co. quer durch Europa und nach Amerika jettet. So nahe wie möglich bei der Familie zu sein – das ist mit zusätzlichen Reisen verbunden. «Wenn man alle Kilometer zusammenzählen würde, die ich im Flugzeug, Auto, Zug zurückgelegt habe, um an freien Tagen zwischen Proben und Aufführungen bei meiner Familie zu sein, habe ich vermutlich schon 15mal die Welt umrundet.» Das allerdings hat er nicht auf die Meile genau nachgerechnet.

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