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Sperma-Kochbuch und andere Absurditäten des schlechten Geschmacks

Cathrin Störmer und Andreas Storm sind Anlaufstelle Nummer eins für schlechten Geschmack. Seit Jahren präsentieren sie im Palace St. Gallen grässliche Bücher und Filme. Die Welt ist voll mit Schrott ohne Ende. Zum Beispiel einem Kochbuch für Sperma.
«Gut ist nicht das Selbe wie gut gemeint» – Multimediale Performance mit Andreas Storm und Cathrin Störmer. (Bild: Philipp Bürkler)

«Gut ist nicht das Selbe wie gut gemeint» – Multimediale Performance mit Andreas Storm und Cathrin Störmer. (Bild: Philipp Bürkler)

Haben Sie gewusst, dass der frühere irakische Diktator Saddam Hussein einen Liebesroman geschrieben hat, der sogar auf Deutsch erschienen ist? Oder dass es ein Sperma-Kochbuch gibt für Speisen, na eben, mit Sperma als Zutat? Oder wollen Sie wissen, wie schlecht Oskar Freysingers Buch tatsächlich ist? Cathrin Störmer und Andreas Storm kennen all diese Bücher. Regelmässig präsentieren die beiden Schauspieler im Palace St. Gallen die bizarrsten und unglaublichsten Werke. Egal ob schlechte Kunst, abscheuliche Literatur, bizarre Ratgeber, schauderhafte Musik oder frauenfeindliche Esoterik.

Eines von insgesamt vier Büchern, die Saddam "hinterlassen" hat.

Eines von insgesamt vier Büchern, die Saddam "hinterlassen" hat.

Das "etwas andere Kochbuch" mit Sperma als Zutat.

Das "etwas andere Kochbuch" mit Sperma als Zutat.

Am Mittwoch war es wieder soweit. Das Palace war praktisch bis auf den letzten Platz besetzt. Störmer und Storm lasen diesmal aus schlechten Kochbüchern. Da gibt es beispielsweise das Kochbuch eines Hamburger Gefängnisses mit dem Titel «Huhn in Handschellen», in dem die Vorspeisen lapidar mit «vor Gericht» bezeichnet werden. Oder das Büchlein eines kruden Amerikaners mit dem beängstigenden Titel «Kochen mit einem Serienmörder». Da ist auch das Video eines grauhaarigen amerikanischen TV-Kochs, der allen Ernstes ein Mikrowellengericht aus Dosenfutter präsentiert. «Jetzt öffnen wir die Dose und stellen sie in die Mikrowelle», leitet er seine Zuschauer an. Last, not least ist da noch Schlagersängerin Andrea Berg, die ein eigenes Kochbuch mit ungeniessbaren Rezepten veröffentlichte.

Der TV-Koch Steven Reed. Unfreiwillig traurig, absurd und schlecht.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gastieren Störmer und Storm mit ihrem Programm «Worst Case Szenarios» in Zürich und Basel oder Berlin. Seit mittlerweile acht Jahren auch regelmässig im Palace St. Gallen. Seither haben beide unzählige schlechte Bücher gelesen oder absurde Filme geschaut, meistens vollständig, wie sie betonen. «Wir lesen repräsentativ für andere», sagt Andreas Storm. Mit «andere» sind wir Zuschauer gemeint, die keine Zeit haben oder keine wertvolle Lebenszeit verschwenden wollen für solche «Literatur».

Schlecht ist nicht gleich Trash

In Frage kommen für das Programm von Storm und Störmer jedoch nur Werke, hinter denen die Autorschaft ernsthafte und überzeugte Absichten verfolgte. Werke also, die unfreiwillig komisch wirken und nicht bewusst schlecht gemacht wurden, wie das im Genre Trash der Fall ist. «Trash interessiert uns nicht», sagt Cathrin Störmer. Trash sei mit Ironie konnotiert, mit der Idee, etwas absichtlich schlecht wirken zu lassen. Wer ein Buch mit dem Titel «Homöopathie zum Aufmalen» schreibe, dem sei es ernst damit und der sei überzeugt, eine gute Sache zu machen. «Während andere nur schon beim Lesen des Titels anfangen zu lachen», so Störmer.

«Als wir Dianetik von Scientology gelesen hatten, befürchteten wir anfänglich ernsthaft, dass wir vielleicht nach der vollständigen Lektüre selbst zu Scientologen werden», so Storm. Allerdings sei «das Buch dermassen bescheuert», dass man eigentlich nur Scientologe sein könne, wenn man dieses Buch nicht gelesen habe. Die Welt ist voll mit Schrott, getarnt als Kunst. Der Stoff dürfte Störmer und Storm für weitere Folgen nicht so rasch ausgehen. In der kommenden Folge Ende Februar geht es um schlechte Science Fiction.

Hinweis

Schlechte Science Fiction, 21.2., ab 20.30 Uhr, Palace St. Gallen

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