Kuppelshow
Knutschen in der Hochsicherheitszone: Das macht TV-Formate wie «Die Bachelorette» trotz Corona möglich

Sich näher kommen statt Abstand halten: Bei «Die Bachelorette» gehen ab Montag eine Frau und 21 Männer auf Tuchfühlung wie in kaum einer anderen TV-Show im hiesigen Fernsehen. Wie ist das möglich?

Simone Morger
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Jemand Fremdes küssen. Eine heikle Angelegenheit in Zeiten, in denen es ein Affront sein kann, wenn sich zwei Fremde in der Kassenschlange näher als eineinhalb Meter kommen.

Umso absurder wirken TV-Shows wie «Die Bachelorette» in Zeiten der weltweiten Pandemie auf Normalbürgerinnen. Da küsst sich eine schöne Frau durch eine ganze Horde von Männern, und während überall das Abstandhalten gepredigt wird, wollen die Teilnehmer nur eins: sich näher kommen.

In der neuen Staffel: «Die Bachelorette» Dina Rossi kommt einem «ihrer» Männer näher.

In der neuen Staffel: «Die Bachelorette» Dina Rossi kommt einem «ihrer» Männer näher.

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Bei «Die Bachelorette» sucht eine Single-Frau die grosse Liebe. In der Schweiz produziert das Format der Privatsender 3+, der wie dieses Newsportal zu CH Media gehört. Die siebte Staffel, die ab dem 26. April ausgestrahlt wird, ist auf Kreta gedreht worden.

Einerseits musste bei den Dreharbeiten auf die Bestimmungen in den jeweiligen Ländern Rücksicht genommen werden, zudem hat das Schweizer Bundesamt für Gesundheit Schutzmassnahmen für TV-Produktionen ausformuliert.

Mit ins Liebesabenteuer auf Kreta durfte nur, wer vor dem Flug einen negativen Test vorweisen konnte. Der Sender verordnete für die Teilnehmer eine Isolation zwischen Test und Abflug – damit sicher niemand mit Corona anreist, wie Joël Steiger sagt, er ist im Bereich TV und Radio von CH Media für die PR zuständig.

Testen, testen, testen

Die Kandidaten, «Bachelorette» Dina Rossi und das gesamte Produktionsteam hinter den Kameras mussten in Griechenland noch einmal in Quarantäne, bevor mit den Dreharbeiten begonnen werden konnte.

Während des Drehs sind laut Steiger alle Beteiligten – also auch involvierte Hotelangestellte – regelmässig getestet worden. Die Unterkünfte der Protagonisten sowie des Produktionsteams auf Kreta müsse man sich als «coronafreie Blase» vorstellen – Knutschen in der Hochsicherheitszone quasi.

Sucht via TV-Show einen Mann: Dina Rossi aus Bern.

Sucht via TV-Show einen Mann: Dina Rossi aus Bern.

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Wer nicht vor der Kamera stand, musste eine Maske tragen. Nach der Rückkehr in die Schweiz war abermals Quarantäne angesagt. Joël Steiger sagt:

«Es gab keinen positiven Fall.»

Doch was, wenn sich jemand angesteckt hätte? «Es gab einen Notfallplan», sagt Steiger. Auf die Details will er nicht eingehen. Nur so viel: «Wir haben Zeitpuffer für Isolation und Quarantäne einberechnet.»

Häschen, Skandale, Küsse: der Trailer zur neuen Staffel.

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Hemmungslos flirten am Mittelmeerstrand – für die Teilnehmer war möglich, wovon andere nur träumen können. Schwieriger als sonst sei es aufgrund der Pandemie nicht gewesen, die Kandidaten zu finden, so Steiger. Auch wenn sich gezeigt habe, dass die einen entspannter mit der Coronasituation umgehen als andere. Die Schutzmassnahmen seien ohne Murren befolgt worden.

Alle Kandidaten in Badehose. Silvio aus Luzern.
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Das hier ist Yannick aus dem Aargau.
Pharell aus Deutschland.
Pablo aus dem Thurgau.
Markus aus St.Gallen.
Joel aus Bern.
Hans aus dem Aargau.
Francesco aus Zürich.
Felix aus Basel.
Cyrill W. aus Zürich.
Cyrill E. aus Zürich.
Christian aus Luzern.
Cesare aus Winterthur.
Burim aus dem Glarnerland.
Die Zwillinge Boris und Yves aus dem Thurgau.
Benjamin aus Deutschland.
Bastian aus Bern.
Barna aus St.Gallen.
Andrin aus Thun.
Alain aus Zürich.

Alle Kandidaten in Badehose. Silvio aus Luzern.

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Gut geschützt Luxusferien machen und dann erst noch ein wenig berühmt werden? Joël Steiger wehrt ab:

«Wir führen intensive Gespräche mit den Bewerbern, da spürt man schnell heraus, ob jemand gratis Ferien machen oder wegen der Liebe verreisen will.»

Unter dem Strich bedeutete die Produktion der Show wegen Corona einen Mehraufwand, vor allem die Planung hat laut Steiger mehr Zeit in Anspruch genommen. Zudem habe man bei vereinzelten Sendungsinhalten an der einen oder anderen Schraube drehen müssen – «den Zuschauern wird das aber kaum auffallen und es hat auch auf den Unterhaltungswert keinen Einfluss».

Warum nicht flirten in der Schweiz?

Auf Kreta sei die Wahl gefallen, weil die Bedingungen in Griechenland zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ideal gewesen seien. Steiger: «Kreta ist nicht Thailand, aber eine schöne Insel mit warmem Klima und damit die perfekte Drehkulisse.»

Warum nicht «Die Bachelorette» in der Schweiz? Das wäre ja viel einfacher. «Die Schweiz bietet auch schöne Kulissen, aber die Zuschauerinnen und Zuschauer wünschen sich etwas Exotisches, das gehört zum Format.»

Zudem sei hierzulande das Risiko viel grösser, dass Details aus der Sendung an die Öffentlichkeit gelangten – etwa durch Zaungäste. Denn für wen sich die «Bachelorette» entschieden hat, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des TV-Senders.

«Vom Alltag weg zu kommen, das hat gut getan»: «Bachelorette» Dina Rossi im Interview bei Tele Bärn.