Knarrende Türen, dumpfe Schritte

Es beginnt immer harmlos und für die Protagonisten oft vielversprechend mit dem Einzug in ein soeben gekauftes Haus.

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Wollen dem Spuk ein Ende setzen: Die Dämonologen Ed (links) und Lorraine Warren. (Bild: Warner Bros. Entertainment)

Wollen dem Spuk ein Ende setzen: Die Dämonologen Ed (links) und Lorraine Warren. (Bild: Warner Bros. Entertainment)

Es beginnt immer harmlos und für die Protagonisten oft vielversprechend mit dem Einzug in ein soeben gekauftes Haus. Nächtliche Schritte erklärt man mit anderen Familienmitgliedern, zuknallende Türen mit einem Windstoss, Uhren, die gleichzeitig stehen bleiben, mit Zufall und den imaginären kleinen Freund der Tochter mit ihrer blühenden Phantasie: Wir leben ja in einer aufgeklärten und rationalen Welt, das Unheimliche und Übersinnliche hat darin keinen Platz.

Haunted House

Doch die mysteriösen Phänomene mehren sich, verunsichern zunehmend, führen schleichend zu Angst und schliesslich zu handfestem Schrecken. Man beginnt nach den Ursachen zu suchen und stösst – oft im dunklen Keller oder in versteckten Räumen – auf eine blutige Geschichte, die mit dem Haus verbunden ist, auf Leichen die keine Ruhe finden und nun die neuen Bewohner heimsuchen.

Die klassischen Elemente eines Geisterhauses finden sich schon vor 2000 Jahren in einem Brief des römischen Autors Plinius des Jüngeren. Weder Schriftsteller von Edgar Allan Poe bis Stephen King noch das Kino haben das Muster wesentlich erweitert. Die Wirkung können solche Filme folglich längst nicht mehr aus dem Inhalt beziehen, sondern müssen durch die Inszenierung packen.

Statt auf Gewalteffekte setzen die besten Vertreter dieses Subgenres des Horrorfilms von Robert Wises «The Haunting» (1963) über Stanley Kubricks «Shining» (1980) bis zu Juan Antonio Bayonas «El Orfanato – Das Waisenhaus» (2008) deshalb auf Atmosphäre.

Mit subjektiver Perspektive und gleitenden Kamerabewegungen versetzen sie den Zuschauer an die Stelle der Protagonisten. Mit Musik und Sounddesign wird die Beunruhigung gesteigert, die weitgehende Beschränkung auf das Haus als einzigen Schauplatz erzeugt eine klaustrophobische Stimmung.

It's all true?

Schrecken verbreitet auch der Umstand, dass die Ursache oder der Urheber des unheimlichen Geschehens teilweise bis zum Ende unsichtbar bleibt: Nichts ängstigt mehr als Unerklärliches, das Dunkel, nicht konkret Fassbares. James Wan bedient sich in «The Conjuring – Die Heimsuchung» dieser Motive und filmischen Mittel souverän. Ganz ohne Blut und Gewalt kommt der Erfinder der brutalen «Saw-Serie» hier aus, bietet klassischen atmosphärischen Horror. Die Spannung steigert er dabei noch, indem er nicht nur behauptet einen realen Vorfall der 1970er-Jahre zu erzählen, sondern mit den Dämonologen Ed und Lorraine Warren auch zwei historische Persönlichkeiten ins Spiel bringt. Das Ehepaar, das auch im Fall des mehrfach verfilmten «Amityville Horror» ermittelte, soll dabei auch mit seinen Ausführungen zum Übernatürlichen und Dämonischen dem rational denkenden Zuschauer seine Sicherheit nehmen. Vom «Haunted House– zum Exorzismus-Thriller» entwickelt sich «The Conjuring», sobald die Warrens zu ermitteln beginnen. Auf Neuland begibt sich Wan auch dabei nicht, sondern knüpft an William Friedkins Schocker «The Exorcist» an. Etwas zu weit treibt der australische Regisseur mit chinesischen Wurzeln sein Spiel im Finale zwar, zwei spannende Kinostunden sind aber garantiert.

Walter Gasperi