Kloake unserer Gier

Film Peter Mettlers Petropolis über den Ölsand-Abbau in Kanada verstört und alarmiert.

Ursula Badrutt Schoch
Merken
Drucken
Teilen
Alles vergiftet: 90 Prozent des Wassers für die Ölgewinnung wird in undichte Stauseen geleitet und gerät teilweise zurück in die Gewässer. (Bild: Greenpeace/Eamon Mac Mahon)

Alles vergiftet: 90 Prozent des Wassers für die Ölgewinnung wird in undichte Stauseen geleitet und gerät teilweise zurück in die Gewässer. (Bild: Greenpeace/Eamon Mac Mahon)

Die Gewinnung von Rohöl in der Provinz Alberta vergiftet Land, Wasser und Luft. Der Filmemacher Peter Mettler hat sich der verbotenen Zone aus der Luft genähert. Und öffnet uns mit seinem Werk «Petropolis», das morgen abend einmalig im Kinok gezeigt wird, die Augen. Die Worte fehlen – bis auf wenige Sätze des Regisseurs am Ende des Films. Es sind keine Anschuldigungen, sondern grundsätzliche Feststellungen und Fragen an die Fortsetzung von Leben und Menschsein.

Anders als die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, die eine verheerende Folge einer Explosion ist, verläuft die Ölkatastrophe in Kanada nach einem genau festgelegten Plan, der die Industrieländer vom Nahen Osten als wichtigstem Öllieferanten unabhängig machen soll.

Die Bilder in Peter Mettlers Film sprechen für sich. Und sie verschlagen einem die Sprache.

Eingeblendete Sätze informieren zu Beginn knapp über die Fakten: Kanadas Ölsand ist die zweitgrösste Ölreserve der Welt. Die Extraktion des Rohöls Bitumen ist aber um vieles energieaufwendiger und verursacht täglich beispielsweise gleich viel Kohlendioxid wie alle Fahrzeuge in Kanada zusammen. Das Ausmass der Abholzung übertrifft bereits heute alle bisherigen Kahlschläge. Vier Milliarden Liter vergiftetes Wasser gelangen jährlich zurück in die Umwelt.

Dann kommt nur noch Fliegen; statt Motorengeräusche Naturstimmen, Vogelgezwitscher. Unvermittelt tauchen riesige Rauchwolken auf am Horizont. Die Wald- und Flusslandschaft verwandelt sich in Wüste. Der Sound geht mit. Der Kanada-Schweizer Peter Mettler, der mit Filmen wie «Gambling, Goods & LSD» oder «Picture of Light» bekannt geworden ist, hat den ebenso berauschenden wie schockierenden Luftbildern eine eigene, die Kraft des Visuellen begleitende Tonspur unterlegt.

Der Zugang zum Abbaugebiet ist eigentlich verboten. Doch ab einer Höhe von dreihundert Metern ist der Luftraum öffentlich, und es braucht keine Bewilligung. Mit einer Spezialausrüstung hat Mettler aus der Luft die Landschaft gesichtet, abgetastet, herangeholt. Es sei ihm wichtig, die Relationen, das Ausmass der Verwüstung zu zeigen, sagt er. Der im Auftrag von Greenpeace entstandene Film entwickelte sich aus vorangehenden Recherchen Mettlers zu seinem laufenden Filmprojekt, das ihn kürzlich auch wieder in die Schweiz geführt hat.

Petropolis: Aerial Perspectives on the Alberta Tar Sands, Regie: Peter Mettler, Di, 18. Mai, 20 Uhr, Kinok, Grossackerstrasse 3, St. Gallen. Reservationen Tel. 071 245 80 68.