Klingende Bilder eines 20-Jährigen

Das Opus 1 des jungen Jonathan C. Meier kam bei der Uraufführung durch das Orchester Musikfreunde St.Gallen vorgestern beim Publikum sehr gut an.

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«Klingende Bilder» hiess das Motto des Konzerts, in dem Dirigent Robert Jud das Orchester Musikfreunde durch Musik von Sibelius, Reger und eben des jungen Engelburgers Jonathan C. Meier führte. Mit Spannung erwartete man ein Opus 1, das die fünf Tageszeiten Morgen, Mittag, Nachmittag, Abend und Nacht in der Landschaft des Silsersees zum Thema machte. Mit einem ersten Erwachen der Natur geht der Zyklus los, bei dem Jonathan C. Meier nicht einfach nur schlicht flächig, sondern mit schönen Detaileffekten aufwartet.

Auch filmisch gedacht

Der junge Komponist hat ein durchaus sicheres Gespür für Motivik, die Naturempfindungen symbolisiert. Im Satz «Mittag», der wie viele andere Stellen im Zyklus auch filmisch gedacht ist, machen schön einfärbte Ideen und ein bewusst eingesetzter Orchesterklang aufmerksam. Düster, aber dennoch schwelgerisch stellt sich Jonathan C. Meier in «Nachmittag» ein Gewitter in den Alpen vor; der «Abend» überzeugt – nah an den Naturbildern – durch Geschlossenheit. Das atmosphärisch interessanteste Stück, Traumwelten heraufbeschwörend, ist sicher Meiers «Nacht», wo der junge Autodidakt auch kleine Ausbrüche aus der Tonalität wagt. Viel Applaus danach für den Komponisten, aber auch für Robert Jud, der sich als ehemaliger Musiklehrer von Jonathan C. Meier für dieses Stück deutlich und liebevoll engagierte.

Böcklin-Vertonungen

Der Abend mit dem Orchester Musikfreunde St. Gallen wartete dann in einem anspruchsvollen Programm mit seltenen, aber sehr interessanten Werken auf. Neben Sibelius' eher hymnisch gedachter «Karelischen Suite» beeindruckten vor allem die vier Tondichtungen nach Gemälden von Böcklin. Max Reger zeigt sich hier als feinsinniger, intimer und sehr reflexiver Komponist. Das Orchester der Musikfreunde setzte die Bilder konzentriert und genau um, die Melancholie einer «Toteninsel» genauso wie den verhaltenen Überschwang im «Bacchanal». Martin Preisser