KLEINKUNST: Bassimisten und Irreparabeln

Gestern hat Michael Elsener das Festival Kabarett in Kreuzlingen eröffnet. Es wartet mit vier Trägern des deutschen Kleinkunstpreises auf und einer Schweizer Premiere.

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Amen. Der 1. März ist bereits ausverkauft. Doch wer eine Karte hat, sitzt im «Theater an der Grenze» in der Schweizer Premiere von Andreas Rebers’ neuem Programm – erst tags darauf ist das Casinotheater Winterthur an der Reihe. «Amen». So heisst der Abend des streitbaren Deutschen, der sich fragt, ob Europa ein sicherer Hafen ist oder doch eher ein sinkendes Schiff.

Und … Alfred Dorfer feiert zwar im «Kaufleuten» Zürich Premiere, dafür tritt der Österreicher gleich zweimal in Kreuzlingen auf (4./5.3.). «Und …» heisst das Programm des hintersinnigen Kabarettisten, der in derselben Liga spielt wie Josef Hader.

Grosse Namen auf kleinen Bühnen

Beide hat Micky Altdorf schon mehrmals nach Kreuzlingen eingeladen. Er leitet das KIK-Festival seit fünfzehn Jahren, das Schweizer Kabarettfestival mit der höchsten Dichte an internationalen Preisträgern, wie er sagt. Der Zuger Elsener ist noch jung, hat erst den Prix Walo gewonnen. Bei Simon Enzler hingegen hängen drei Auszeichnungen an der Wand; der Appenzeller untersucht die «Primatsphäre» (6.5.). «Ich habe Tränen gelacht», sagt Micky Altdorf. Er meint Ulan & Bator, zwei Schauspieler, die aber beinahe alle Genres beherrschen; auf die «Wirrklichkeit» folgen die «Irreparabeln» (3.3.).

Altdorf schaut sich die Kabarettisten selber an, verlässt sich nicht auf Videotrailer und PR-Texte. So hat er 2015 den Jazzpianisten Michael Krebs in St. Gallen entdeckt und bringt ihn erstmals ans KIK (2.3.). Daniel Ziegler hat es mit dem Bass und hat sich mit «Bassimist» von Enzler und Giacobbo/Müller gelöst (9.3.). Wer es leichter mag und auf «Schlager mit ironischen bis bösen Texten» steht, dem empfiehlt Altdorf Europa, die Band der Neuen Leichtigkeit aus vier Absolventen der PMS Thurgau (10.3.).

Heuer hat Micky Altdorf nur für Elsener und Priol den Saal im «Dreispitz» gebucht, für die übrigen Abende das «Theater an der Grenze». «Ich habe lieber das Kleintheater voll als das grosse Haus halb leer.» Oft sei es schwierig abzuschätzen, welche der «Kabarett-Perlen» mehr Zuschauer anziehe. Und er frage sich, ob das politische Kabarett aussterbe. «Die Jungen fragen nach Divertimento, nicht nach Urban Priol.»

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch.ch

kik-kreuzlingen.ch