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Kleine Bühne, grosse Namen

Seit einem halben Jahrhundert wird in der St.Galler Kellerbühne Kabarett gemacht, werden Chansons gesungen und wird Theater gespielt. Der heutige Leiter Matthias Peter blickt in einem Buch zurück und im Gespräch voraus.
Rolf App
Für Theaterproduktionen steht er manchmal auch selber auf der Bühne: Matthias Peter, seit 2004 Leiter der St. Galler Kellerbühne. (Bild: Michel Canonica)

Für Theaterproduktionen steht er manchmal auch selber auf der Bühne: Matthias Peter, seit 2004 Leiter der St. Galler Kellerbühne. (Bild: Michel Canonica)

Die St. Galler Kellerbühne feiert, fünfzig Jahre ist sie jetzt alt. Das weckt Erinnerungen an eigene Besuche im Kellergewölbe. Die meinigen hängen zusammen mit Hanns Dieter Hüsch, dem poetischen Liebhaber des Alltags, der gern skurrile Gedankengänge gegangen ist. Ein grosser Mann mit grossen Händen, allein mit seiner Orgel, beinahe erdrückt vom Kellergewölbe und blätternd im Manuskript. «Grosse Kunst muss man auswendig können, Kleinkunst darf man ablesen», war seine Devise. Und für die Kleinkunst, da war – und ist – die Kellerbühne der Ort.

Die Künstler und ihre Treue

Ich schlage nach im Buch, das der heutige Kellerbühne-Leiter Matthias Peter mit enormem Fleiss zum Jubiläum erarbeitet hat und das er selber ein «Stöberbuch» nennt (siehe Kasten). So ist es auch aufgebaut. Gegliedert nach den bisher sieben Leitern der Kellerbühne, von denen jeder und jede eigene Akzente gesetzt hat, jeweils mit einem allgemeinen Teil beginnend, dann die Künstler behandelnd, die das Programm bestritten haben – und die der Kellerbühne eine enorme Treue bewahren. «Joachim Rittmeyer kommt seit 45 Jahren hierher», greift Peter einen der prominenten Namen heraus. Alfred Rasser, Kaspar Fischer, Georg Kreisler sind weitere. Franz Hohler tritt immer wieder hier auf, zum ersten Mal 1965 als 22-Jähriger, und ist mittlerweile der dienstälteste regelmässige Gast. Und eben auch Hanns Dieter Hüsch. Die Gründung ist Zufall und Notwendigkeit zugleich. Das Kleintheater liegt in den Sechzigerjahren in der Luft. 1955 entsteht in St. Gallen ein erstes, 1962 ein zweites Kabarett, die «Schnodergoofe». Sie sichern sich die Mitarbeit des kabaretterprobten Lehrers Renward Wyss und suchen per Inserat nach einem Keller. In einem alten Mostkeller werden sie fündig, der Hausbesitzer ist Inhaber des Kostümverleihs Jäger und selber Theatermann.

Im Keller des Kostümverleihs

Den Kostümverleih gibt es immer noch, das Theater hat sich, nach mehreren, von Matthias Peter vorangetriebenen Umbauten, zum veritablen Kleintheater gemausert, mit Bar, wo man die Künstler nach ihrem Auftritt treffen kann. Die Arbeit der Kellerbühneleiter hat sich im Lauf der Jahrzehnte immer stärker professionalisiert, gewachsen ist unter Matthias Peter die Zahl der Vorstellungen und der Besucher. «Ich mache alles», sagt er. «Ich sichte Bewerbungen, gehe an die Künstlerbörse, schaue mir Theaterproduktionen an, mache den Spielplan, bin fürs Marketing zuständig, organisiere den Aufenthalt der Künstler und bin sehr oft bei den Vorstellungen hier unten», sagt er. «Es gibt ein Team von 25 Leuten, die mir helfen.»

Die Konkurrenz ist gross, aber Matthias Peter fürchtet sie nicht. «Wir haben in den letzten Jahren unser Profil geschärft», sagt er. Die Kellerbühne veranstaltet kaum mehr Konzerte, schon länger verzichtet sie auf Musicals. «Unter Bruno Broder war das von 1983 bis 1992 eine wichtige Sparte, auch mit Eigenproduktionen. Zum Teil waren da zwanzig Darsteller auf dieser kleinen Bühne – und es hat gut ausgesehen. Ich habe mir Aufzeichnungen angesehen.»

Weniger politisches Kabarett

Heute steht anderes im Zentrum. Matthias Peter nennt drei Stichworte: Kabarett, Chanson, Schauspiel. Und fügt bei: «Wir sind dem deutschen Wort verpflichtet.» Wobei sich, natürlich, die Inhalte wandeln. «Das heutige Kabarett ist weniger politisch als jenes früherer Jahrzehnte», stellt er fest, und nennt als Ausnahme die Geschwister Birkenmeier – auch sie sehr treue Gäste der Kellerbühne. Auch das Publikum verändert sich. Durchaus zum ökonomischen Vorteil der Kellerbühne: «Wir haben jüngere Schichten gewonnen.»

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