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KLASSIK: Mit Beethoven vereint

Brett Dean liebt die Bratsche und komponiert für sie. Gleich zwölf dieser ­Instrumente bietet er in Zürich auf, um Beethovens Verzweiflung lebendig werden zu lassen.
Brett Dean (Bild: Priska Ketterer)

Brett Dean (Bild: Priska Ketterer)

Der Komponist Brett Dean hat einen brutal langen Tag hinter sich. Aber es ist ein Tag «bei wunderbaren Menschen und einem freundlichen, unterstützenden Orchester», sagt er nach den Proben für das heutige Konzert mit dem Sinfonieorchester Zürich. Zuerst hat er in der Tonhalle Maag seine Hamlet-Vertonung für Sopran, Tenor und Orchester einstudiert, dann Beethovens dritte Sinfonie, die «Eroica». Und gegen Abend ist er im Klangraum mit dem 2002 komponierten «Testament», einem in seinen rhythmischen Strukturen ziemlich vertrackten Stück für zwölf Bratschen, zu Beethoven zurückgekehrt.

Die Bratsche: Das ist sein Instrument. Der 56-jährige Australier betrachtet es keineswegs als das Aschenbrödel unter den Instrumenten, auch wenn es selten so hervortreten darf wie in «Testament». Oder im Violakonzert, das er zum Auftakt seiner Saison als «Creative Chair» in der Tonhalle gespielt hat. In der Kammermusik wie im Orchester spielt sie mit ihrem runden, satten Klang eine wichtige Rolle. Auf Chinesisch heisst sie denn auch «Zhongtiquin», was «Mitte des Orchesters» bedeutet. Brett Dean spricht vom «Motor der Musik», in dem er mit seiner Bratsche sitzt.

Dank der Bratsche zu den Berliner Philharmonikern

Dorthin gefunden hat er schon in jungen Jahren, in Brisbane, wo er in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen und im Dirigenten des Jugendorchesters seine prägende Vaterfigur gefunden hat. Auch seine weitere Karriere hat sein Instrument gebahnt. «Als Violinist hätte ich niemals eine Stelle bei den Berliner Philharmonikern gefunden», sagt Brett Dean. So hat er den Erdteil gewechselt, ist mit seiner Frau, der Malerin Heather Betts, nach Berlin gezogen. Und deren in ihrer kleinen Wohnung überall sichtbare Kreativität hat seine eigenen kreativen Kräfte angeregt. «Es kann gut sein, dass ich ohne Heather nie auf die Idee gekommen wäre, selber zu komponieren.»

Beethovens Feder rast über das Papier

Heute braucht er alle drei: Das Spielen, das Dirigieren, und das Komponieren. Und er verbindet sie, indem er bei Beethovens «Eroica» ans Bratschenpult tritt, mitspielt und nur das Nötigste dirigiert. Stehend, wie die anderen Streicher. Denn, sagt er, «man fühlt sich freier, wenn man steht, und kann sich auch besser bewegen.» Der – zu Beethovens Zeit durchaus verbreitete – Verzicht auf einen Dirigenten aber nimmt die Orchestermusiker stärker in die Pflicht. «Es ist keiner da, auf den man alles schieben kann.»

Man spürt in solchen Worten, wie gern Brett Dean experimentiert. Zum Beispiel beim Anfang von «Testament», in dem er Beethovens «Heiligenstädter Testament» zu Musik verarbeitet. Dean hat die Musiker gebeten, neben dem normalen einen nicht mit Harz beschichteten Bogen mitzubringen. Das gibt einen fahlen, fast körperlosen Klang, und in ihm entfaltet sich nun ganz leise ein rastlos-schnelles Motiv. «Wie wenn die Feder über das Papier rast», sagt er selber. Es ist Beethovens Feder, die im «Heiligenstädter Testament» die ganze Verzweiflung über seine fortschreitende Ertaubung in Worte fasst. Doch das Tief wird für den damals erst 31-jährigen Komponisten zum Ausgangspunkt einer explodierenden Kreativität. Eine ihrer Früchte ist die «Eroica».

Rolf App

Hinweis Heute und Freitag 19.30 Uhr

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