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KLASSIK: Kurzkritiken

Martin Preisser

Manuel Walser singt «Winter­reise»

Die enorme Kondition und Konzentration, die man braucht, um diese 24 Lieder in einem Bogen als lange Reise zu erzählen, die Intimität und Spannung, die man braucht, um sein Publikum zu fesseln: Bariton Manuel Walser und Pianist Alexander Fleischer ist beides hervorragend gelungen. Schuberts «Winterreise», ein immer wieder verstörender und doch so wunderschöner Zyklus, gestalteten beide mit grosser Ruhe und vor allem perfekt verzahnt. Schon in «Gute Nacht» merkte man, wie Walser und Fleischer sich sängerisch in den Timbregraden und pianistisch in den Dichtegraden ergänzten, beflügelten und vereinten. Der ganze Zyklus verströmte eine Grundwärme, eine Natürlichkeit, welche die oft auch experimentellen Wagnisse Schuberts immer in etwas Besänftigendes einpackten. Manuel Walsers Diktion ist extrem klar, nie manieriert, er steuert die Emotionen genau, ohne sich in ihnen zu verlieren. Mit Alexander Fleischer hat er einen Liedbegleiter zur Seite, der sehr genau, nuancenreich und empathisch Klavier spielt und den perfekten Raum schafft für die Entfaltung des Wortes. Im zweiten Teil der «Winterreise» schien das Lied selbst die Regie zu übernehmen; beide Künstler konnten vollends «loslassen», ihrem Können noch entspannter Raum geben und diese Lieder einfach fliessen lassen. Schlichtheit und Kunstfertigkeit gaben sich die Hand. Vor einem grossen Publikum, das man so leise in der Tonhalle eher selten erlebt.

Martin Preisser

4.3. Tonhalle St. Gallen

Zündels Abgang

«Gott, schenk mir ein Mausloch!» Nein, lieber nicht. Denn elend komisch und seelisch füdliblutt steht er gerade vor unserem inneren Auge: Konrad Zündel, Lehrer, Mitte dreissig, mässig glücklich verheiratet; ein Antiheld mit Hang zur Melancholie. So leibhaftig in seiner Daseinsverzweiflung, wie ihn Markus Werner 1984 in seinem Romandébut «Zündels Abgang» erschaffen hat – um ihn mit Witz und sprachlich überaus geschmeidig aus dem Lot zu bringen und nach einer grotesken Irrfahrt während der Sommerferien verschwinden zu lassen. Jetzt ist er also wieder da; Marcus Schäfer und Hanspeter Spühler lassen Zündel bei «Theater am Tisch» noch einmal alles Unglück durchmachen: vom Selbstfindungstrip der Ehefrau über den plötzlich herausbrechenden Stiftzahn bis hin zum illegalen Revolverkauf in Genua, bei dem er übers Ohr gehauen wird, und bis zur Einweisung in die Psychi. Wo sich dann überraschend seine Spur verliert. Erstmals zu erleben war die szenische Lesung mit Musik am Sonntag in der Reihe «kleinaberfein» im Centrum DKMS, weitere Aufführungen sind im Frühling geplant. Heiter-traurig schlüpfen Schäfer und Spühler in Zündels dünne Haut oder blicken, lakonisch im Tonfall, von aussen auf seine kleine Gleichgewichtsstörung, die ihn bald komplett ins Schleudern bringen wird. Dafür hat Peter Lutz an der Akustikgitarre die passenden Sounds. Mal funkt er dazwischen, mal lässt er Zündel entschlossen offenen Horizonten entgegengehen – leicht schlurfend, doch hin und wieder verwegen beschwingt.

Bettina Kugler

4.3. «kleinaberfein»

Die Tablater mit Reformationsmusik

Über den Wert des Gesangs waren die Meinungen zur Zeit der Reformation unter ihren Vertretern geteilt. Schätzte Luther das Singen als doppeltes Gebet, hielt Vadian mehrstimmigen Gesang eher für «Lärm, der die Luft prügelt». Die Psalmvertonungen von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein kann er damit nicht gemeint haben; sie entstanden erst rund hundert Jahre später. Sie atmen aber den Geist der Reformation, sind kunstvoll expressive Verkündigung in Tönen. Eine Auswahl davon präsentiert der Tablater Konzertchor unter der Leitung von Am­bros Ott in seinem aktuellen Programm in Verbindung mit Instrumentalmusik der Zeit – von Samuel Scheidt und Johann Hieronymus Kapsberger, innig und sanglich interpretiert von Lautenistin Maria Ferré, Bettina Messerschmidt am Barockcello und Marie-Louise Dähler an der Truhenorgel. Zudem mit Texten, die aus der Gegenwart heraus spannende Bezüge herstellen, die Kluft der Jahrhunderte luftig überbrücken. Schauspielerin Anja Tobler rezitiert sie: klar, mit wacher Neugier, welche neue Frage sich öffnet in den «Psalmen» von Said und Uwe Kolb, in Ingeborg Bachmanns Gedichten aus dem Nachlass. Schlanke Verse sind dies zwischen gewichtigen Werken, die hohe Anforderungen an den Chor stellen. Besonders Scheins Madrigale aus der Sammlung «Israelsbrünnlein», aber auch die Motetten Hugo Distlers aus dem 20. Jahrhundert setzen die Texte bildhaft um; ebenso die doppelchörigen Psalmen von Schütz. Da braust das Meer vor freudiger Gottesfurcht – das könnte dann gern elementarer und gewaltiger tönen.

Bettina Kugler

4.3. evang. Kirche Teufen Weitere Konzerte 17.3., 19.30 Uhr, evang. Kirche Buechen-Staad und 18.3., 17 Uhr, Kirche St. Mangen, St. Gallen

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