Knatsch um Filmvorführungen im KKL: «Klärung in den nächsten Monaten»

Das 21st Century Orchestra und Produzent Pirmin Zängerle führen seit dieser Saison die Filmmusik getrennt, aber mit ungleich langen Spiessen weiter. Jetzt stellt Philipp Keller, CEO des KKL Luzern, eine Neuverhandlung des skandalösen Vertrags in Aussicht.

Urs Mattenberger
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Einer von vielen Filmen über die Festtage: «How To Train Your Dragon» wird mit dem City Light Symphony Orchestra wiederholt. (Bild: PD)

Einer von vielen Filmen über die Festtage: «How To Train Your Dragon» wird mit dem City Light Symphony Orchestra wiederholt. (Bild: PD)

Zum Streit zwischen den ehemaligen Filmmusikpartnern, dem 21st Century Orchestra und dessen einstigem Produzenten Pirmin Zängerle, haben sich beide mehrfach geäussert, seit der Konflikt – begründet in persönlichen und künstlerischen Differenzen von beiden Seiten – publik wurde. Beide beanspruchen, dieses Erbe weiterzuführen. Das 21st Symphony Orchestra, weil es mit Ludwig Wicki das Filmmusikformat vor 20 Jahren in Luzern begründet hat. Pirmin Zängerle, weil er live begleitete Filmvorführungen massgeblich vorangetrieben und mitgeprägt hat.

Wie aber sieht der CEO des KKL Luzern, Philipp Keller, diesen Konflikt? Das ist entscheidend, weil das KKL die Zusammenarbeit mit den ehemaligen Partnern in einem langfristigen Vertrag regelte. Mit pikanten Folgen, wie ein Blick auf die Filmvorführungen im KKL über die Festtage illustriert.

Da sind Zängerles «City light Concerts» mit vier Filmen in sieben Aufführungen und mit zwei Sinfoniekonzerten vertreten, das 21st Century Orchestra unter Ludwig Wicki dagegen bloss mit dem Winnetou-Film «Der Schatz im Silbersee» (alle Daten im Kulturkalender unten).

35 Filmproduktionen als oberstes Limit

Der Grund liegt darin, dass das KKL den Vertrag für die 21st-Filmproduktionen mit Zängerles Produktionsfirma abschloss, bevor es zum Bruch kam. Mit der Folge, dass er jetzt die 30 Termine für seine City Light Concerts nutzen kann. Dem lokalen 21st Century Orchestra konnte das KKL nur fünf Termine für Filmvorführungen zur Verfügung stellen. 35 Filmproduktionen hat das Haus als oberes Limit definiert.Ein zweiter Knackpunkt liegt darin, dass der Vertrag mit Zängerle ein Vetorecht gegen Filmproduktionen anderer Veranstalter einräumt – jetzt also auch gegen solche des 21st Century Orchestra. Drittens bietet der Vertrag Zängerle ab der kommenden Saison die Option auf eine Verlängerung um weitere zwei Jahre.

Dass die Spiesse derart ungleich lang sind, wirkt heute skandalös. Auch Philipp Keller sah vor anderthalb Jahren Handlungsbedarf. Das KKL initiierte Mediationsgespräche, um die Konfliktparteien wieder zusammenzubringen. Wenn diese Gespräche scheiterten, müsse man «Alternativen diskutieren», sagte er damals. Wird jetzt also der Vertrag mit beiden Parteien neu ausgehandelt – und werden die Termine ausgeglichener verteilt?

Philipp Keller stellt beim Treffen im World Café zunächst klar, dass der Vertrag unter völlig anderen Vorzeichen geschlossen wurde: «Die Möglichkeit einer Vertragsauflösung haben wir angesichts der neuen Situation geprüft. Unser Ziel ist es jetzt, möglichst ohne Kollateralschaden aus dieser Situation herauszukommen.»

Für Keller ist wichtig, dass sich das KKL an Verträge hält. Und auflösen kann es den Vertrag mit Zängerle nur, wenn dieser gegen einzelne Bestimmungen verstösst. Trotzdem ist Keller überzeugt, dass die «nächsten ein, zwei Monate eine Klärung bringen. In dieser Zeit zeigt sich, wie sich das Filmsegment im KKL publikumsmässig entwickelt, wenn beide Veranstalter separat aktiv sind. Ich denke, das schafft neue Voraussetzungen für Vertragsverhandlungen.»

Hohes Niveau, aber kritische Auslastung

Unbestritten ist das hohe künstlerische Niveau der bisherigen City Light Concerts. Aber eine Schlüsselrolle könnte die im Vertrag geforderte hohe Auslastung spielen. Denn würden die City Light Concerts diese nicht erreichen, würde der Vertrag auslaufen. Sie Saalbelegungen auf der Homepage des KKL zeigen, dass in Veranstaltungen der City Light Concerts viele Plätze frei sind – abgesehen vom ausverkauften «Drei Nüsse für Aschenbrödel».

Philipp Keller stellt solche Beobachtungen in einen grösseren Kontext: «Die hohe Auslastung, die wir fordern, widerspiegelt die wirtschaftlichen Erfordernisse des Veranstalters, weil dieser bei einer tieferen Auslastung schlicht finanzielle Verluste macht.» Mit Filmprojekten diese zu erreichen, ist aber im heutigen Umfeld schwieriger: «Vor zehn Jahren leisteten das 21st Century Orchestra und Pirmin Zängerle Pionierarbeit. Heute gibt es solche Filmvorführungen, auch dank Trittbrettfahrern, an vielen Orten. Dafür muss das Publikum aus Basel, Bern oder Zürich nicht mehr ins KKL fahren.»

Hallenstadion als Konkurrenz

Andere Orte, die Luzern Publikum wegnehmen, sind zum Beispiel die Samsung Halle in Dübendorf oder das Hallenstadion Zürich, wo das 21st Century Orchestra demnächst erstmals auftritt. Gemäss Ludwig Wicki weicht das Orchester nach Zürich aus, weil ihm im KKL die Termine fehlen. Es ist aber auch ein Beispiel für die neue Zusammenarbeit mit dem renommierten Münchner Konzertveranstalter Alegria, der das 21st Century Orchestra auch international stärker vermarkten könnte.

Künftige Verträge mit dem KKL könnten diesbezüglich auch für das 21st-Orchester Einschränkungen mit sich bringen. «Filmvorführungen im Hallenstadion», stellt Philipp Keller klar, «wären ein No-Go, wenn das Orchester mit uns einen entsprechenden Vertrag hätte.» Genauso wie eine Exklusivitätsklausel im aktuellen Vertrag es Zängerle untersagt, in der deutschsprachigen Schweiz Filmvorführungen zu veranstalten.

Damit gibt es also viel Stoff für künftige Vertragsverhandlungen. Das Wort Skandal weist Keller aber zurück: «Der aktuelle Vertrag läuft ja nur noch bis Mitte nächsten Jahres. Und ich gehe davon aus, dass die Option auf Verlängerung nicht zum Zug kommen kann und wir im Interesse aller Beteiligten neue Verträge aushandeln, die zum Beispiel die Termine anders verteilen. Für das KKL ist wichtig, dass wir beiden Akteuren auch in Zukunft ermöglichen, das Filmmusik-Segment inhaltlich wie wirtschaftlich erfolgreich bei uns im Konzertsaal weiterzuführen.»