Klare und schlanke Italianità

ST. GALLEN. Man mag nur mutmassen, warum Ludwig van Beethoven Luigi Cherubini bewunderte und sich dessen c-Moll-Requiem zu seinem Begräbnis wünschte, an dem es dann auch gespielt wurde.

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ST. GALLEN. Man mag nur mutmassen, warum Ludwig van Beethoven Luigi Cherubini bewunderte und sich dessen c-Moll-Requiem zu seinem Begräbnis wünschte, an dem es dann auch gespielt wurde. Cherubinis Requiem ist ein wirklich klassisch gehaltenes Stück, klar, konzis, schlank und sehr strukturiert geschriebene Musik, die dennoch mit vielen überraschenden, aber nie dicken Farben und Farbwechseln aufwartet. Also Italianità, die eher erfrischt als mit zu viel Emotion ermüdet.

Cherubinis c-Moll-Messe, die den Konzertteil der diesjährigen St. Galler Festspiele letzten Donnerstag festlich abschloss, betont von Anfang an sehr den Chorgesang und die Eleganz in der Wortausdeutung des Requiem-Textes. Dirigent Otto Tausk setzte von Beginn weg auf diese klare, rhetorisch gedachte Eleganz und auf grosse Bögen. Dazu standen ihm mit dem Prager Philharmonischen Chor (Einstudierung: Jakub Zicha) und – erstmals an den Festspielen – mit dem Kammerchor Feldkirch (Einstudierung: Benjamin Lack) zwei bestens disponierte Klangkörper zur Verfügung.

Die Chöre überzeugten, um die wichtigsten Momente zu nennen, in den grossen Wogen, die heranrollen und sich wieder glätten in der Sequentia, mit freudiger Fugato-Steigerung im Offertorium oder in den düsteren Abstiegen des Agnus Dei. Solisten hat Cherubini in diesem seltsam kurzweilig wirkenden geistlichen Werk nicht vorgesehen, dafür ein Orchester, das oft mit ganz ungewohnten und schlanken Klangfarben begleitet, beispielsweise in sehr aparten Partien ohne Geige. Diesen speziellen klanglichen Anforderungen wurde das Sinfonieorchester St. Gallen gerecht. Ein feiner italienischer Abend. (map)

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