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Klangschönheit am seidenen Faden

Tonhalle St. Gallen Selten wartet man derart sehnsüchtig auf eine Zugabe wie am vergangenen Freitagabend im 4. Meisterzykluskonzert mit dem Atos-Trio und der Bratschistin Isabel Charisius. Und selten ist so sonnenklar, welche es sein wird: natürlich der dritte Satz aus Robert Schumanns Klavierquartett Es-Dur op. 47, «Andante cantabile». Nicht nur, weil er zum Niederknien schön ist, eine Sternstunde aus Schumanns vielleicht glücklichstem und fruchtbarstem «Kammermusikjahr» 1842.

Sondern auch deshalb, weil er im ersten Durchgang am seidenen Faden gehangen war. Wie sehr, das nimmt man in seiner ganzen Tragweite erst wahr, als Annette von Hehn vor dem Finalsatz endlich die Geige nachstimmen kann. Eine Aprillaune, mit der Streicher zuweilen rechnen müssen. Umso gelöster und se­liger erklang der Satz dann als ­Encore: Wie eine Zusammenfassung all dessen, was einen Abend lang für das Zusammenspiel des 2003 gegründeten Trios (in diesem Fall erweitert zum Quartett), eingenommen hatte. Emotionalität entwickelt sich bei ihnen überaus natürlich; der Klang ist transparent und homogen.

Nie muss sich einer wichtigtuerisch als führende Stimme in den Vordergrund spielen; behutsam nehmen sich in diesem Fall die anderen zurück. Die Tempi sind vif und federnd dort, wo es ein Satz erfordert: etwa im rassigen Scherzo des Schumann-Klavierquartetts. Zudem verstehen sie etwas von Dramaturgie.

Im Schatten von Brahms: Heinrich von Herzogenberg

Haydns Klaviertrio Es-Dur Hob. XV:29 zieht zu Beginn wirkungsvoll den Vorhang. Die beiden Streicherstimmen, Annette von Hehn (Violine) und Stefan Heinemeyer (Violoncello), schmiegen sich elegant und mit Noblesse im Klang aneinander; der Ton ist luftig, aber mit Empfindung. Thomas Hoppe am Klavier darf hier die sprichwörtliche erste Geige spielen. Im Anschluss daran wird das Klaviertrio Nr. 2 d-Moll von Heinrich von Herzogenberg umso prächtiger glänzen und leidenschaftlich ausschwärmen. Aufmerksam und feinsinnig hören die drei Atos-Musiker auch hier aufeinander. Mit dem österreichischen Spätromantiker, der einen Teil seines Lebens in Heiden wohnte, haben sie sich für eine CD-Aufnahme der Klaviertrios intensiv beschäftigt. Umso sanglicher kosten sie aus, was dessen Werk im Schatten von Brahms an Einfallsfülle bereithält – klar konturiert und wunderbar ausbalanciert im Klang.

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

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