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Klang und Blingbling im Zeughaus Teufen

Acht Kilometer Kabel, 384 Lautsprecher und Kitsch in der Ameisenzucht: Im Zeughaus Teufen erschaffen fünf Künstler einen Wald. Technik, Klänge und Märchenhaftes finden darin zusammen.
Julia Nehmiz
Der Teufner Audio-Designer Stefan Baumann in seinem «Klangwald». (Bild: Urs Bucher (Teufen, 25. Oktober 2018))

Der Teufner Audio-Designer Stefan Baumann in seinem «Klangwald». (Bild: Urs Bucher (Teufen, 25. Oktober 2018))

Kabel über Kabel. Gewunden zu Strängen, schlängeln sie sich in langen Bahnen an der Decke des Zeughauses Teufen entlang. An einer Säule enden sie in dicken Kabelknoten. Acht Kilometer Kabel sind bislang verbaut, und es werden noch mehr. Kurator Ueli Vogt hat ein bisschen Angst, dass sie nicht rechtzeitig fertig werden mit dem ganzen Verkabeln. Der Grossteil der Installation «Klangwald» hängt schon. Doch er klingt noch nicht.

Es ist eine musikalische Kunstaktion, die am Sonntag eröffnet wird. Der Teufner Audio-Designer Stefan Baumann hat sie erschaffen: 384 kaum handtellergrosse Lautsprecher hat er in 384 fast raumhohe Holzlatten geschraubt und aufgehängt. In langen Reihen schaukeln die Holzlatten, als würde ein Windhauch sie bewegen. Das Holz braucht es als Klangkörper, sagt Baumann. «Wenn die Lautsprecher frei schweben, klingen sie nicht.» Es sieht aus, als ob er Holz mag – seine Brille ist auch aus Holz.

Der Zufall spielt mit

Baumanns Klangwald wirkt fili­gran, ist aber robust. Er hatte ihn bereits in kleinerer Version im Frühling im Herisauer Sportzentrum installiert. Kinder rannten umher, eine Familie picknickte darin, Sportler mit Hockeytaschen stapften hindurch. Und hörten ein Klangerlebnis: Da zwitschern Vögel, hier prasseln Regentropfen, dort rauscht der Wind. Die Lautsprecher sind in unterschiedlichen Höhen aufgehängt und spielen ab Compu­terprogramm die von Baumann kreierten künstlichen Töne und Geräusche. Jetzt im Zeughaus Teufen will Baumann mehr. Es sei nicht nur eine Installation, die vor sich hintönt:

«Der Klangwald soll weiterentwickelt werden, dass er als Instrument bespielbar wird.»

Er hat Musiker eingeladen, vier Konzerte werden gespielt. Baumann sagt, es soll eine «Klangbibliothek» geben.

Kurator Ueli Vogt. (Bild: Urs Bucher)

Kurator Ueli Vogt. (Bild: Urs Bucher)

Er hat ein Programm geschrieben, das ihm ausrechnet, welcher Lautsprecher wo in welcher Höhe hängt und sie nach Zufallsprinzip verteilt. Und er hat für die Komposition ein Computerprogramm geschrieben – er komponiert nach dem stochastischen Prinzip: Auch hier überlässt er dem Zufallsprogramm einen Spielraum, in welchem Zeitraum die Klänge ertönen. Klingt kompliziert, ist es auch: «Man muss den Klangwald stimmen wie ein Instrument, sonst wird es Chaos.» Der 44-Jährige hat vom Kanton St. Gallen einen Werkbeitrag erhalten, um den Klangwald weiterzuentwickeln. «Ich darf das Ding erforschen», sagt Baumann.

Ameisen haben keine Ahnung von Kitsch

Der Klangwald ist viel Arbeit («ein Monster», sagt Baumann), doch Kurator Ueli Vogt hat noch mehr geplant. Drumherum hängt er Gemälde von Fabienne Lussmann. Ihre mehrschichtigen Landschaften passen zum Klangwald, sagt Vogt. Die Stirnseite des Raumes stellt er dem Künstler Alfred Sturzenegger zur Verfügung. Der 75-Jährige kann die beiden Wände ein Jahr gestalten. Daraus soll ein Buchprojekt entstehen.

Und dann sind da noch Pablo Walser und Hans Winkler. Vogt lässt die beiden die Dauerausstellung in Beschlag nehmen. Sie bringen etwas Märchenhaftes und Blingbling rein, findet er. Sie haben ihre Werke zwischen Zellwegers Appenzeller Bilder und Grubenmanns Brückenmodelle geschmuggelt. Ein Aquarium voller Moos und Gräser, Sonnenbrillen funkeln im rosa Licht, eine Schlangenhaut hängt an der Lampe, im Grün versteckt sich eine Plastikspinne. Etwas nervös ist Ueli Vogt wegen der Ameisenzucht im Dachgeschoss, eine Katastrophe, wenn sie ausbüxen würden. Walser und Winkler ­lassen Ameisen durch einen Schlauch krabbeln, von einem mit Kitsch gefüllten Terrarium zum anderen, vorbei an den Exponaten vergangener Ausstellungen. «Ameisen haben keine Ahnung von Kitsch, mal sehen, wie sie damit umgehen», sagt Vogt.

«Klangwald, Nichts zu denken, Wenn die Gedanken laut wachsen», Vernissage Sonntag, 4.11., 14 Uhr, Zeughaus Teufen

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