Klänge von Liebe und Tod

Fauré, Wagner und Prokofjew in der Tonhalle

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Das zweite Tonhallekonzert des Sinfonieorchesters St. Gallen folgte mit drei Kompositionen über unmögliche Liebe einem weiten thematischen Bogen – freilich mit unterschiedlichem Erfolg.

Pelléas et Mélisande

Eröffnet wurde das Programm mit der Suite «Pelléas et Mélisande» op. 80 von Gabriel Fauré. Die viersätzige Suite aus der Bühnenmusik zum gleichnamigen Drama von Maurice Maeterlinck hinterliess als Komposition einen schalen Geschmack. Das ist nobel, exquisit und am Ende doch langweilig. Da vermögen auch der von Beginn her satt und wohlklingende Streicherklang oder die nach französischer Manier bevorzugten Soli der Holzbläser nicht darüber hinwegzutäuschen.

Tristan und Isolde

Kann sterben schön sein? Die Interpretation von Vorspiel und Liebestod aus der Oper «Tristan und Isolde» von Richard Wagner unter der Leitung des litauischen Dirigenten Modestas Pitrenas legt diese Annahme jedenfalls nahe. Die hochgezüchtete Chromatik der Motivlinien des Vorspiels wurde klar herausgearbeitet. Im durchdachten energetischen Aufbau, der dem Werk innewohnenden emotionalen Hochspannung, Entladung und Entspannung, darf man die Aufführung durchaus als mustergültig ansehen. Den einzigen vokalen Beitrag des Abends erfüllte die deutsche Sopranistin Anna Gabler mit Bravour. Stimmlich kräftig, aber nie forciert, gelang es ihr, im Liebestod nicht in dem opulenten Orchesterklang unterzugehen und die verklärende Apotheose ergreifend auszugestalten.

Romeo und Julia

Aus heutiger Sicht ist es schwer verständlich, dass die Musik zum abendfüllenden Ballett «Romeo und Julia» von Sergej Prokofjew seinerzeit als untanzbar galt. Als äussert klug erwies es sich, aus den drei vom Komponisten zusammengestellten Suiten eine St. Galler Fassung zu arrangieren. Diese umfasst Auszüge aus allen drei Suiten und stellt einen musikalischen Bilderbogen dar, der sich in der Abfolge am Verlauf des Shakespeare'schen Liebesdramas orientiert; vom Erwachen der Strasse zu Julias Tod.

Man darf die Aufführung der zwölfteiligen Suite bedenkenlos als musikalische Sternstunde beschreiben. Klangrausch, gemeisselte Rhythmen, manchmal an die Grenze des Physischen getrieben, wie in «Tybalts Tod», aber auch im innerlichen Schmerzausdruck Romeos an Julias Grab ergreifend, prägten den musikalischen Eindruck. Eine spürbar mitgerissene Hörerschaft bedankte sich mit langanhaltendem Applaus.

Daniel Fuchs