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Kinofilm "The Bookshop": Sprengstoff im Schaufenster

Für ihre Verfilmung des Romans «The Bookshop» hat die Spanierin Isabel Coixet in ihrer Heimat bereits Preise gewonnen. Jetzt läuft der Film in den Schweizer Kinos: eine Liebeserklärung an das stille Medium Buch.
Bettina Kugler
Edmund Brundish (Bill Nighy) verliebt sich in Bücher von Ray Bradbury – und kämpft auf seine Art für Florences Buchladen. (Bild: Filmcoopi)

Edmund Brundish (Bill Nighy) verliebt sich in Bücher von Ray Bradbury – und kämpft auf seine Art für Florences Buchladen. (Bild: Filmcoopi)

Es scheint, als habe dem Buch das letzte Stündlein geschlagen – als Kulturgut, als mobiler Rückzugsort in Taschenformat, als fliegender Teppich der Fantasie. Jedenfalls wird ihm derzeit mehr denn je ein Liebeslied gesungen, so zärtlich wie leidenschaftlich; als gelte es, zumindest in Schönheit zu sterben.

Ob in Fotobänden wie Isolde Ohlbaums «Lesen & Schreiben. Eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher», ob in Essays wie Ann Patchetts «Aus Liebe zum Buch» oder Penelope Fitzgeralds Roman «The Bookshop»: Leser sind dar­in bessere Menschen; eine Welt ohne Lektüre erscheint arm und dürftig.


Es braucht eine gute Portion Realitätsverleugnung, sich gegen den Hochgeschwindigkeitszug der Digitalisierung zu stemmen und (wie Ann Patchett, oder wie Fitzgeralds Romanheldin Florence Green) eine Buchhandlung zu eröffnen. Liest überhaupt noch jemand? Und wenn ja: Romane, gedruckt auf Papier, in Leinen gebunden, zum Weitergeben an die nächste Generation?

«Lolita» für Dörfler

Auch Isabel Coixets Verfilmung von «The Bookshop» stimmt ein in den Schwanengesang – und erinnert daran, dass Bücher es früher schon schwer hatten gegen Engstirnigkeit und Borniertheit. Die Geschichte spielt Ende der 1950er-Jahre, vor dem Siegeszug des Fernsehens, ein gefühltes Jahrhundert vor dem Smartphone- und Tabletzeitalter. Die lieblosen, an Resterampen erinnernden Verkaufsflächen heutiger Buchhandelsketten sind noch in weiter Ferne.

Gleichwohl erscheint Florence Greens Plan, in einem verschlafenen Fischerdorf an der englischen Küste ein altes Haus zu kaufen und darin ­einen Buchladen zu eröffnen, als kühne, geradezu frivole Tat. Nicht zuletzt, weil die noch junge Witwe, kaum hat sie ihr Geschäft gegen den Widerstand der einflussreichen Mäzenin Violet Gamart im «Old House» eingerichtet, das Schaufenster mit Vladimir Nabokovs 1955 erschienenem Skandalroman «Lolita» zu dekorieren wagt. Man ahnt früh, dass die Tage des «Old House Bookshop» gezählt sind.

Emily Mortimer als Florence Green in "The Bookshop" Bild: Filmcoopi

Emily Mortimer als Florence Green in "The Bookshop" Bild: Filmcoopi

Eine Schwäche des Films liegt dar­in, dass er die Fronten überdeutlich zeichnet: Auf der einen Seite die einfältigen Dörfler, die mit Büchern nichts anfangen können, der feiste Bankvorsteher, der schon weiss, dass hier nichts zu verdienen ist, die noble Gesellschaft, die lieber feiert, statt sich bei stiller Lektüre den Kopf zu zerbrechen.

Eine Liebesgeschichte zwischen den Zeilen

Gegen sie hat Florence ­einen schweren Stand und nur wenig Unterstützung. Da ist zum einen ihre tüchtige kleine Hilfskraft Christine (Honor Kneafsey), die zwar lieber abstaubt als liest. Zum anderen der Eigenbrötler Edmund Brundish. Als ihm Florence auf sein einsames Anwesen ein Probepaket schickt, das unter anderem Ray Bradburys «Fahrenheit 451» enthält, schwört er den Klassikern ab und wird ihr treuester Kunde.

Es kommt zu einer überaus zarten, berührenden Begegnung: die wohl schönste Szene eines Filmes, der seine intelligenten Dialoge hin und wieder ein wenig zu üppig und zu pittoresk bebildert. Wahre Leser haben das eigentlich nicht nötig.

Warum Violet Gamart partout im Old House ein Kunstzentrum einrichten will und dafür alle Verbindungen spielen lässt, bleibt offen. Das mag auch an der kühlen Schmallippigkeit liegen, mit der Patricia Clarkson die Rolle verkörpert. Ohne ihre Ausdauer als Intrigantin würde dem Drama jedoch die Spannung fehlen.

Ein Glücksfall ist die Besetzung mit Emily Mortimer und Bill Nighy. Sie machen aus «The Bookshop» eine Liebesgeschichte der anderen Art: zwischen den Zeilen, wie in einem guten Buch.

Emily Mortimer als Florence Green in "The Bookshop" Bild: Filmcoopi

Emily Mortimer als Florence Green in "The Bookshop" Bild: Filmcoopi

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