Kino
«Wilder»-Star Sarah Spale ist zurück und schmiedet als trauernde Mutter Rachepläne

Zwei Mal sahen wir sie als ermittelnde Mutter in der SRF-Krimiserie «Wilder», einmal als Junkiemutter in «Platzspitzbaby». Nun ist Sarah Spale zurück als Alleinerziehende, die ihre Tochter verliert.

Daniel Fuchs
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Liebevolle Mutter, trauernde Mutter: Judith (Sarah Spale) mit Tochter Milla (Lia Wagner).

Liebevolle Mutter, trauernde Mutter: Judith (Sarah Spale) mit Tochter Milla (Lia Wagner).

Foto: Filmcoopi

Es ist ein Wiedersehen in einer uns wohlbekannten Gegend, fast als hätte Sarah Spale alias Rosa Wilder in der Krimiserie «Wilder» von SRF den Jura gar nie verlassen. Anfang Jahr lief Staffel 3, Rosa Wilder ermittelte gegen einen Serientäter. Beide letzten Wilder-Staffeln spielten im Jura. Zwischen den Dreharbeiten für die Serie kehrte die Baslerin Spale im Spätsommer 2019 zurück, zu einer kleinen Forellenzucht im Berner Jura, dem Schauplatz für den Film «Von Fischen und Menschen», der am Donnerstag im Kino startet.

Hier geht's zum Trailer des Films «Von Fischen und Menschen»:

Trailer zu «Von Fischen und Menschen».

Quelle: Filmcoopi / Youtube

Dort, etwas abgeschieden, lebt Sarah Spale als alleinerziehende Mutter Judith mit ihrer Tochter Milla (Lia Wagner) und dem Gehilfen Gabriel (gespielt vom Luzerner Matthias Britschgi). Die Arbeit in der Fischzucht ist anstrengend, aber zwischen Mutter und Tochter und Gabriel stellt sich so etwas wie eine vertraute Idylle ein. Ihre Gefühle für Gabriel behält Judith lieber für sich. Ihre Tochter ist da schon offener. «Wenn ich gross bin, dann heirate ich Gabriel», sagt das aufgeweckte 6-jährige Mädchen zu ihrer Mutter. «Das ist aber schnell gegangen», antwortet Judith mit ihrer trockenen Art.

Es ist neben einem besonders lustigen Witz von Milla einer der rührendsten Momente dieser liebevollen, aber doch etwas distanzierten Mutter-Tochter-Beziehung in einem Film, der eher von düsteren Bildern und Klängen geprägt ist.

So etwas wie vertraute Idylle: Judith, Milla und Gabriel (von links) am Familientisch.

So etwas wie vertraute Idylle: Judith, Milla und Gabriel (von links) am Familientisch.

Foto: Filmcoopi

Ein Unglück reisst die Tochter jäh aus dem Leben

Die Tochter wird viel zu schnell aus dem Leben, pardon, aus dem Film gerissen. Für den Zuschauer zwar vollkommen ersichtlich, dass Gabriel und dessen Bruder David, der unerwünscht bei Gabriel aufgetaucht ist und alte Geister mitgebracht hat, mit Millas Tod zu schaffen haben. Judith aber tappt in ihrem Schock, in ihrer Wut und Hilflosigkeit im Dunkeln.

In ihrer Trauer und enttäuscht von der Polizei, die keine Spur hat, beginnt sie selbst zu ermitteln und sinnt nach Rache.

Es ist aber nicht die Rachsucht, die den Kern dieser Geschichte ausmacht. Vielmehr dreht sie sich um die Phasen von Trauer. Da ist das Entsetzen nach dem Verlust, die schiere Schockstarre, das Unvermögen der Mutter Judith, Trauer zuzulassen. Darauf folgt der Rückzug, die Unantastbarkeit gegenüber ihrer Schwester Sophie. Gespielt von Sarah Hostettler und zusammen mit Schauspieler Michael Neuenschwander kehrt inklusive Sarah Spale das halbe «Wilder»-Ensemble zurück.

Sophie kann Judith nicht Trost spenden. Diese geht ihren Weg allein und lässt niemanden an sich heran, ausgerechnet bis auf den Täter selbst, wie sie auf schmerzhafte Weise lernen muss. Es ist diese Verarbeitung der Trauer, welche die Autorin und Regisseurin Stefanie Klemm interessierte.

Regisseurin schöpfte für den Film aus ihrer Biografie

Für ihren ersten langen Spielfilm, für den es an den Solothurner Filmtagen Anfang Jahr prompt einen Preis für den besten Erstling gab, schöpfte Klemm aus eigenen Erfahrungen. Der Überfall auf die Tankstelle, in dessen Verlauf Milla tödlich verunglückt, haftet in Klemms eigener Biografie. Sie selbst wurde nämlich einst zum Zufallsopfer eines solchen Überfalls. «Zur falschen Zeit am falschen Ort», wie sie den Vorfall einordnete.

Sarah Spale ist die Rolle als trauernde Mutter auf den Leib geschrieben. Nach drei Staffeln «Wilder» (eine vierte ist bereits gedreht) und dem Publikumsliebling des letzten Jahres, «Platzspitzbaby», ist klar: Alleinerziehend, stets mehr oder weniger am Anschlag und dabei eine mütterliche Liebe und Fürsorge ausstrahlend – Sarah Spale ist offenbar die Mutterfigur der Nation.

Best of Sarah Spale:

Mit Kägi am Ermitteln: Bei Fans ist das Duo Rosa Wilder (Sarah Spale) und Manfred Kägi (Marcus Signer) Kult.
8 Bilder
Angefangen mit Staffel 1 im Jahr 2017: In den Glarner Alpen deckte Wilder einen Mordfall auf und wühlte in alten Wunden der Dorfgemeinschaft.
Für Staffel 2 im Jahr 2020 ging es vom Winter in den Herbst und von den Alpen in den Jura.
Nach 2 Staffeln mit Regisseur Pierre Monnard drehte Spale die dritte Wilder-Staffel mit Jan-Eric Mack (rechts). Wieder ging es in den Jura, diesmal im Winter.
Spektakuläre Landschaftsaufnahmen sind das Markenzeichen von «Wilder» (Bild aus Staffel 2). Bereits ist die vierte Staffel gedreht, wie Staffel 1 in den Alpen.
Und wieder in der Rolle der Alleinerziehenden: Sarah Spale als Junkie-Mutter in «Platzspitzbaby» (2020).
Schauspielerin mit Junkie-«Klappmesser»-Gang: Sarah Spale.
Und jetzt kommt sie auf die Leinwand als Fischerin, die ein Trauma überwinden muss: «Von Fischen und Menschen» (2021).

Mit Kägi am Ermitteln: Bei Fans ist das Duo Rosa Wilder (Sarah Spale) und Manfred Kägi (Marcus Signer) Kult.

Foto: SRF

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