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KINO: Viel mehr als Tausende Bücher

Ein Dokfilm erforscht die New York Public Library: Ein ­emotionales Meisterwerk über das Vermitteln von Wissen.
Julia Nehmiz

In Bibliotheken geht es nicht um Bücher, sagt Architektin Francine Houben. Das denken zwar viele Menschen, aber nein, in Bibliotheken geht es um Menschen und darum, dass Wissen zu ihnen kommt.

Und wenn sie das sagt, in einer Versammlung in der Mid Manhattan Library, nickt man als Zuschauer – denn das wird nach wenigen Sequenzen des Films «Ex Libris – The New York Public Library» klar: Eine Bibliothek ist viel mehr als ein Ort, an dem einfach Bücher ausgeliehen werden. Eine Bibliothek ist ein Kosmos, sie versammelt das Wissen der Welt, und alle dürfen daran teilhaben. Was pathetisch klingt, bebildert der Altmeister des Dokumentarfilms, Frederick Wiseman (88), in einer langen (3:17 Stunden), packenden, ruhigen Erzählung. Ohne Interview oder Audio­kommentar entwickelt sein Film einen Sog, eine Kraft, und zeigt, wie idealistisch und grossartig es ist, dass es Orte gibt, die Wissen bewahren und es allen Menschen zur Verfügung stellen, ohne dass bei der Suche ein Algorithmus die Auswahl vorgibt.

Internetmodems zum Ausleihen

Wiseman hat mehrere Wochen im berühmten Hauptgebäude der New York Public Library und in vielen ihrer Stadtteilbibliotheken gedreht, und einfach den Leuten bei der Arbeit zugeschaut, beim Lesen, Recherchieren, Diskutieren, Zuhören, Lernen. Hat Vorträge gefilmt, Autorenlesungen, Ausstellungen, Hausaufgaben­betreuung, Unterricht im Braille-Lesen, Berufsberatungen, Erwachsenenbildung – und zeigt so, dass Bibliotheken für alle da sind. Vom Kleinkind über Obdachlose, die sich aufwärmen und nebenbei einem Vortrag lauschen, Studenten, die sich im riesigen Bildarchiv inspirieren lassen, Freaks, die ­Beweise für Einhörner suchen («Einhörner hat es nie gegeben», sagt der Mitarbeiter mit grossem Ernst und sucht trotzdem, wann eines erstmals erwähnt wurde).

Wiseman filmt das Direktorium, wenn es diskutiert, wie man die Bibliothek ins digitale Zeitalter führt, sodass alle teilhaben können. 10 000 Internetmodems werden verliehen; 3 Millionen New Yorker haben daheim keinen Internetzugang.

Ohne dass Wiseman es explizit ausspricht, wird klar: Die Bibliothek ist der demokratischste Ort der Begegnung und des Austauschs. Denn darum geht es: Gemeinsam lernen. Ein Leben lang. Voneinander und miteinander. Ein grosser Film über das, was die Gesellschaft zusammenhält.

Julia Nehmiz

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