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KINO: Vertrackte palästinensische Lebenswirklichkeit

Die Filmemacherin Annemarie Jacir hat mit «Wajib» ein warmherziges und von feinem Humor geprägtes Roadmovie vorgelegt: Vater und Sohn fahren einen Tag lang durch Nazareth.
Walter Gasperi

Zu den Höhepunkten des letztjährigen Filmfestivals von Lo­carno zählte Annemarie Jacirs ­«Wajib» – auch wenn der feinfühlige dritte Spielfilm der Palästinenserin nur von Nebenjurys ausgezeichnet wurde.

Jacir erzählt darin von einem 60-jährigen Lehrer und seinem sonst in Italien lebenden Sohn, die gemäss dem titelgebenden Brauch die Einladungen für die Hochzeit der Tochter und Schwester persönlich überbringen müssen. Der kleine Film konzentriert sich ganz auf einen Tag und die Autofahrt durch Nazareth. Er gewinnt durch seinen genauen Blick und die wunderbar harmonierenden Hauptdarsteller Mohammad Bakri und Seleh Bakri, die auch im wirklichen Leben Vater und Sohn sind, grosse Vielschichtigkeit.

Eine gespannte Vater-Sohn-Beziehung

Denn einerseits bietet «Wajib» durch die präzise Verankerung im geografisch-gesellschaftlichen Umfeld und durch die Begegnungen Einblick in das alltägliche Leben in Nazareth, anderseits zeichnet Jacir differenziert eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung. In sicherem Rhythmus wechseln so Stopps und Gespräche im Auto ab, die sich teils aus nichtigem Anlass zu heftigem Streit hochschaukeln. Da meckert der Vater, der an Traditionen festhält, an der westlichen Kleidung des Sohns herum, während der Sohn die Wahl der Hochzeitsmusik kritisiert.

Freilich werden aber auch an ernsten Themen Spannungen und Bruchlinien sichtbar. Nicht akzeptieren will der Sohn, der wegen seines politischen Engagements seine Heimat verlassen hat, dass der Vater auch den israelischen Schulinspektor einlädt. Der Vater wiederum erzählt überall, dass der Sohn bald in die Heimat zurückkehren werde, und versucht, für ihn eine Frau zu finden, obwohl er doch weiss, dass sein Sohn eine Freundin in Italien hat.

Langsam bekommt man so in diesem unaufgeregten, sehr warmherzigem und von feinem Humor geprägten Roadmovie einen tieferen Einblick in die familiären Verhältnisse. Gleichzeitig öffnet Jacir aber auch den Blick auf die Entfremdung von den kulturellen Wurzeln, mit denen die Emigration verbunden ist, und auf die Unterwerfung unter die von den Israeli diktierten Regeln, die ein Leben in Nazareth erfordert.

Walter Gasperi

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

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