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KINO: Verhängnisvolle Jugendliebe

Aus blinder Liebe verliert die 14-jährige Aïcha die Kontrolle über ihr Leben. In «Et au pire, on se mariera» zeigt die Schweizer Regisseurin Léa Pool auf schonungslose Art die Verletzlichkeit einer jungen Seele.
Miriam Lenz (sda)

Im schlimmsten Fall würde sie heiraten, sagt Aïcha (Sophie Nélisse), die sich eine Zukunft als «Nutte» wünscht. Quasi als Besitztum eines Mannes, der sie allerdings vergöttern und den auch sie lieben, bekochen und sonst in jeder Hinsicht umsorgen würde. Einen wie Baz (Jean-Simon Leduc) hätte sie am liebsten. Er ist es denn auch, dem sie verträumt in die Augen schaut, als sie von diesem frühreifen Lebens­entwurf erzählt. Doch Baz liebt Aïcha nicht. Jedenfalls nicht so, wie sie es gerne hätte. Der Musiker, der das Mädchen vor einiger Zeit vor einem aggressiven Obdachlosen gerettet und so zufällig kennen gelernt hat, ist fast doppelt so alt, und er steht zu dem Teenager vielmehr wie zu einer kleiner Schwester. Dass er so viel Zeit mit ihr verbringt, hat vor allem mit Mitgefühl und Beschützerinstinkt zu tun. Weil ihre Mutter ständig arbeitet und sie keinerlei Bezug zu Gleichaltrigen hat, ist Aïcha fast immer allein.

Das war nicht immer so, denn bis vor ein paar Jahren verbrachte Aïcha ihre Tage mit Hakim, dem damaligen Lebenspartner ihrer Mutter. Der arbeitslose, trink- und spielfreudige Hakim und das Mädchen pflegten, wie in zahlreichen Szenen gezeigt wird, ein zwiespältiges Verhältnis. Zwar ist es ein harmonisches Bild, das die beiden abgeben. Aber auch eins, das gehörig wackelt. Sexuelle Übergriffe können nicht nachgewiesen werden, doch als die kleine Aïcha sich und Hakim im Bett und die Mutter erdolcht daneben zeichnet, bricht die Familie auseinander. Dass ihr Vater sie Hals über Kopf verlässt, kann Aïcha kaum verkraften. In Baz hat sie, die ihre Zerbrechlichkeit hinter frechen Sprüchen versteckt, wieder jemanden gefunden, zu dem sie hochschauen, den sie vergöttern und umsorgen kann. Alles in ihrem Leben richtet sie nach dieser neuen Beziehung aus. Ein Verhängnis.

Aïchas Schicksal wird in Rückblenden erzählt. Ausgehend vom Polizeiposten, wo der Teenager gleich in der ersten Szene hintransportiert wird. Dass das Verhör zur Aufklärung eines schrecklichen Verbrechens beitragen soll, wird erst im Verlaufe der Geschichte klar. Und was ­genau geschehen ist, nie wirklich. Aïcha ist Meisterin im Verdrehen von Tatsachen. Was sie in diese missliche Lage gebracht hat, erzählt sie in Episoden, die sie teils revidiert und ganz neu auslegt. ­ So ist das Coming-of-Age-Drama mehr als ein spannender Schicksalsbericht über ein haltsuchendes Mädchen. Es ist Thriller, Tragödie und Liebesdrama in einem. Ein Film, der einen von Anfang bis Schluss in Atem hält, verwirrt und ständig überrascht.

Miriam Lenz (SDA)

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