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KINO: Sie wollen etwas vom Ruhm abbekommen

In der köstlichen Gesellschaftskomödie «The Distinguished Citizen» spielt der erste argentinische Nobelpreisträger für Literatur die Hauptrolle. Diese fiktive Figur lassen Mariano Cohn und Gastón Duprat zurück in sein Heimatdorf reisen.

Seine Dankesrede löst zuerst betretenes Schweigen aus. Der argentinische Autor Daniel Man­tovani, der den Nobelpreis für Literatur erhält, sagt in seiner Rede, er sei geschmeichelt, doch gleichzeitig schäme er sich. Es sei heuchlerisch von ihm, einen Preis anzunehmen, von dem er glaube, er beweise lediglich, wie bequem seine Literatur sei.

Danach springt die Handlung fünf Jahre in die Zukunft, nach Barcelona. Mantovani hatte in den vergangenen Jahren fast sämtliche Einladungen zu Vorträgen abgesagt und renommierte Ehrungen abgelehnt. Nun trifft aber eine Einladung aus seinem Heimatdorf ein, das ihn zum Ehrenbürger machen will. Zur Überraschung seiner Assistentin will er annehmen – und 40 Jahre, nachdem er Salas verlassen hat, dorthin zurückkehren. «Meine Figuren haben es nie geschafft, herauszukommen, ich habe es nie geschafft, zurückzukehren», sagt er über seinen Heimatort.

Das argentinische Regieduo Mariano Cohn und Gastón Duprat nutzt diese Ausgangslage für eine ironische Gesellschaftskomödie. Denn die Erwartungen der Dorfbewohner an ihren berühmten Bürger unterscheiden sich sehr von jenen des Schriftstellers, der an einen wenig geliebten, kleinbürgerlichen Ort zurückkehrt. Mantovanis Bücher sind von den Erlebnissen und den Menschen Salas’ genährt – jene, die seine Romane gelesen haben, mögen sie nicht unbedingt.

Ambivalentes Bild eines Provinzdorfs

Cohn und Duprat lassen zwei Welten aufeinanderprallen: den weltmännischen, etwas eitlen Schriftsteller und die Menschen aus dem verschlafenen Provinzdorf, die dem Gast mit Distanz begegnen. Mantovani seinerseits nimmt zunächst stoisch alles in Kauf, was er sonst ablehnt: Er lässt sich umarmen, fotografieren, feiern. Auf dem Feuerwehrauto wird er mit Schönheitskönigin und Bürgermeister durchs Dorf gefahren. Zudem soll er in einer Jury für einen Malwettbewerb mitwirken. Dieser Wettbewerb und die Tatsache, dass die Jugendliebe Irene seinen damaligen Freund Antonio geheiratet hat, sind die Auslöser dafür, dass sich sein viertägiger Aufenthalt dramatisch zuspitzt.

Obwohl in «The Distingui­shed Citizen» die Provinz mit satirischem Witz als eine scheinheilige Gesellschaft gezeichnet wird, bleibt das Bild ambivalent. Denn die Distanziertheit und der Unmut im Dorf sind nicht unbegründet; auch Daniel Mantovani (Oscar Martinez erhielt in Venedig den Darstellerpreis) ist ein zwiespältiger Charakter. Aber er hat als Künstler klare Vorstellungen, was Kunst ausmacht, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielen soll. Wie die Fiktion die Kunst befeuert, belegt die Idee des Regieduos, einen Schriftsteller die Romane von Mantovani schreiben zu lassen und unter diesem Namen zu veröffentlichen.

Andreas Stock

andreas.stock

@tagblatt.ch

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