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Kino: Selfmade-Filme aus dem Toggenburg: Weshalb Thomas Rickenmann so erfolgreich ist

Thomas Rickenmann hat den Heimatfilm zum Beruf gemacht. Der Wattwiler Selfmade-Mann war nie an einer Filmhochschule, ist aber der kommerziell erfolgreichste Dokumentarfilmer der Schweiz. Da mögen Filmkritiker noch so sehr die Nase rümpfen.
Hansruedi Kugler
Thomas Rickenmann dokumentierte in «S’Bloch» Appenzeller Brauchtum. (Bild: pd)

Thomas Rickenmann dokumentierte in «S’Bloch» Appenzeller Brauchtum. (Bild: pd)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Klar, der Kitschvorwurf ist bei den vielen Postkartenszenen in seinen Filmen leicht zur Hand, und ein hartnäckiger, kritischer Rechercheur ist Thomas Rickenmann auch nicht. Die Kritik wird ihm auch beim neuesten Streich «S’Bloch» über den gleichnamigen Appenzeller Volksbrauch zu Ohren kommen. Der Einwand kümmert den Wattwiler Filmemacher aber nicht. Sein Erfolg gibt ihm ein Stück weit recht, wenn er sagt: «Meine Kinobesucher schauen am liebsten Filme über Themen, zu denen sie einen Bezug haben.»

Und weil Rickenmann den Kinobesuchern ihre nahe Brauchtums-Umgebung im Kinoformat vorführt, strömen auch viele Menschen, die sonst kaum ins Kino gehen, vornehmlich in die Landkinos in ihrer Nähe. Das funktioniert seit seinem Erstling «Schönheiten des Alpsteins» im Jahr 2008 gut und immer besser. So gut, dass Rickenmann vom Filmemachen leben kann. Dies auch dank lukrativer DVD-Verwertung und der erfolgsabhängigen Filmförderung in der Schweiz. Für Dokumentarfilme gilt: Ab 5000 Kinoeintritten gibt es vom Bund zehn Franken pro Eintritt, die sich ­Regie, Produzent, Verleiher und Kino teilen. «Schönheiten des Alpsteins», «Z’Alp» und«Alpzyt» kamen auf je über 30'000 Kinoeintritte, «Silvesterchlausen» immerhin auf 16'000. Erfolg also lohnt sich, ist für einen unabhängigen Filmemacher wohl auch unentbehrlich. Mit unermüdlichem Marketing, unzähligen Auftritten an Premieren und einem lockeren Umgang mit Product Placement schafft Rickenmann zusätzliche Präsenz, Nähe zum Publikum und Wohlwollen bei Sponsoren.

Thomas Rickenmann. (Bild: pd)

Thomas Rickenmann. (Bild: pd)

Ein Ausdauersportler wird Selfmade-Filmemacher

Ein schüchterner, jugendlicher Ausdauer-Spitzensportler und angehender Elektroingenieur, der in der Freizeit im lokalen Kino Passerelle in Wattwil aushilft – das war Thomas Rickenmann vor 15 Jahren. Diese Kombination erklärt aber, warum einer wie er ohne Filmhochschule als Selfmade-Mann erfolgreich werden konnte. Denn im Kino lernte er seinen künftigen, ebenfalls cleveren Verleiher kennen, den Wattwiler Jonas Frei; er sah, wie ein anderer junger Toggenburger mit einem selbstgedrehten Älplerfilm im Kino Passerelle einen Überraschungserfolg landete, da sagte er sich, das könne er wohl besser; nicht zuletzt half ihm seine Ausdauer, denn um mit Kameraausrüstung Sennen zu begleiten oder um den Alpstein herum die schönsten Kameraperspektiven einzufangen, ist sportliche Fitness hilfreich.

Ein meditativer Erkunder wie Erich Langjahr, ein Poet wie Hans-Ulrich Schlumpf oder ein frecher Rechercheur wie Jean-Stéphane Bron, allesamt erfolgreiche Schweizer Dokumentar­filmer, ist Rickenmann nicht ­geworden. Er bleibt seinem Erfolgsrezept treu, begleitet mit ungeheurem Fleiss mit Kamera und Mikrofon, gelegentlich auch mit einer Drohne, Menschen bei ihrem Brauchtum, stellt keine bissigen Fragen und zeigt schliesslich ein schönes Bild, das auch die Akteure selbst gerne anschauen. «Wellness für Geist und Gemüt» sollen seine Filme sein, findet Rickenmann selbst. Das kommt nicht nur im Appenzellerland und im Toggenburg an. 2014 war er an ein Filmfestival nach Washington eingeladen und zeigte dort auch in der Schweizer Botschaft «Z’Alp», und den Sprung nach Deutschland hat er ebenfalls schon geschafft. In Oberstdorf lief «Alpzyt» in ausverkauften Kinosälen.

«S’Bloch» läuft ab 25. Januar in rund 20 Kinos.

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