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In St.Gallen gibt es einen neuen Filmclub nur für Kinder

Die Filmreihe «Die Zauberlaterne» im Kinok bringt Sechs- bis Zwölfjährigen die Welt des Kinos näher.
Roger Berhalter
Bevor der Film startet, gibt’s Slapstick: Matthias Flückiger, Ivan Georgiev (als Charlie Chaplin) und Simone Stahlecker stimmen die Kinder im Kinok auf den Stummfilmklassiker «Goldrausch» ein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bevor der Film startet, gibt’s Slapstick: Matthias Flückiger, Ivan Georgiev (als Charlie Chaplin) und Simone Stahlecker stimmen die Kinder im Kinok auf den Stummfilmklassiker «Goldrausch» ein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Kleinen stolpern fast über die grossen Treppenstufen im Kinok. Der Kinosaal in der Lokremise wurde für Erwachsene gebaut, doch an diesem Samstagmorgen sitzen ausschliesslich Kinder im Publikum. «Goldrausch» steht auf dem Programm, der Stummfilmklassiker von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1925. Es ist die erste St.Galler Vorstellung der «Zauberlaterne», des Filmclubs für Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Die Eltern müssen draussen bleiben; für einmal haben die Kinder den Kinosaal für sich allein.

Doch allein gelassen werden die zwei Dutzend Kinder im Saal nicht. Zwei Kinomamis und ein Kinopapi – Mitglieder des ehrenamtlichen Vereins Zauberlaterne St.Gallen – werfen während der Vorstellung ein Auge auf die Kleinen und zeigen ihnen bei Bedarf den Weg zum WC.

Die Zauberlaterne sorgt bereits in mehreren Schweizer Städten für staunende Kinderaugen. (Bild: PD)

Die Zauberlaterne sorgt bereits in mehreren Schweizer Städten für staunende Kinderaugen. (Bild: PD)

Schauspieler stürmen durch den Saal

Bevor Charlie Chaplin als Goldsucher über die Leinwand stolpert, bekommen die Kinder Schauspieler in Fleisch und Blut zu sehen. Matthias Flückiger begrüsst das junge Publikum, holt es mit ein paar Fragen ab und stimmt es auf die Vorstellung ein. Simone Stahlecker stösst keuchend dazu und bringt einen Koffer in den Saal. Ivan Georgiev schliesslich turnt über die Sitzreihen nach vorne und zieht sich ein Charlie-Chaplin-Kostüm an. Mit Slapstick-Einlagen geben die drei Schauspieler einen Vorgeschmack auf das, was im Film folgt.

Kurzfilme für Vierjährige

«Die Zauberlaterne» ist für Kinder ab sechs Jahren gedacht. Doch auch für die noch Kleineren gibt es mit der «Kleinen Laterne» einen eigenen Filmclub im Kinok. Eine Vorstellung dauert eine Stunde und widmet sich jeweils einem Thema wie Filmmusik. Im ersten Teil führt eine Expertin ins Thema ein und zeigt Filmausschnitte. Im zweiten Teil bekommen die Kinder und ihre erwachsenen Begleiter mehrere Kurzfilme zu sehen. (rbe)

«Die Zauberlaterne» zeigt bis kommenden Juni insgesamt neun Filme im Kinok. Von Stummfilmen über erste Farb- und Tonfilme bis hin zu aktuellen Kinoproduktionen. Die Auswahl enthält Hollywood-Klassiker wie «Kevin allein zu Haus», aber auch Exoten wie den japanischen Trickfilm «Kikis kleiner Lieferservice». Was genau sie erwartet, erfahren die Kinder und Eltern jeweils erst zehn Tage vor der Vorstellung. Der Grund: Sie sollen sich nicht einzelne Filme herauspicken, sondern regelmässig am Filmclub teilnehmen. 40 Franken kostet eine Mitgliedschaft pro Saison, für Geschwister gibt’s Rabatt.

«Die Zauberlaterne» ist ein nationaler Verband, unter dessen Dach 75 lokale Filmclubs aktiv sind. In der Westschweiz ist die «Laterne» weit verbreitet und breit bekannt. Anders in der Ostschweiz, wo es die Clubs erst in Weinfelden, Rapperswil, Thusis und neu in St.Gallen gibt: Ein fünfköpfiger Vorstand sowie weitere ehrenamtliche Mitglieder kümmern sich im Kinok um die Organisation und Betreuung der Filmvorführungen.

Mit diesem Plakat wirbt der Verband «Die Zauberlaterne» für seine Filmclubs. (Bild: PD)

Mit diesem Plakat wirbt der Verband «Die Zauberlaterne» für seine Filmclubs. (Bild: PD)

Den kritischen Umgang mit Filmen lernen

Für einen Kinobesuch braucht es keinen Filmclub. Sechsjährige können sich auch mit Mama oder Opa ins Kino setzen. Doch «Die Zauberlaterne» möchte mehr bieten als nur Popcorn- und Filmkonsum. «Wir nehmen die Kinder an die Hand, führen sie an die Filme heran, und dabei lernen sie auch noch etwas», sagt Lorenzo Berardelli vom Zauberlaternen-Dachverband. Man schnüre zu jedem Film ein pädagogisch wertvolles Paket, bestehend aus einer altersgerechten Broschüre sowie der Moderation und der szenischen Einführung zu Beginn der Vorstellung.

«Kinder sind immer früher mit audiovisuellen Medien konfrontiert. Es ist heute wichtiger denn je, dass sie lernen, kritisch damit umgehen», sagt Berardelli. Der Filmclub vermittle aber nicht nur Wissen, sondern bereite nicht zuletzt auch Freude: «Die Kinder können unter sich sein, das macht ihnen Spass.»

www.zauberlaterne.org

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