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KINO: «Kunst verändert die Gesellschaft»

Der 43-jährige Ruben Östlund ist der erste schwedische Regisseur, der in Cannes die «Goldene Palme» gewonnen hat. Ein Gespräch über den Kunstbetrieb und warum «The Square» nicht sein bester Film ist .
Geri Krebs
Provokation einer «feinen Gesellschaft»: Szene aus «The Square». (Bild: Alamode Film)

Provokation einer «feinen Gesellschaft»: Szene aus «The Square». (Bild: Alamode Film)

Interview: Geri Krebs

Ruben Östlund, glauben Sie, dass Kunst die Gesellschaft verändern kann?

Ja, Kunst verändert die Gesellschaft, aber umgekehrt ist es wohl noch stärker: Die Gesellschaft verändert die Kunst. Das Problem dabei ist nur: Jegliche Art von Kunst wirkt auf die Gesellschaft.

Das müssen Sie erklären.

Die US-Unterhaltungsindustrie hat die Sicht auf gewisse Dinge in Europa stark beeinflusst. Ein Beispiel: In den ersten Nachkriegsjahren war die Rolle der Sowjetunion mit ihren 20 Millionen Kriegstoten für die Befreiung Europas von den Nazis unbestritten. Das änderte sich ab 1962, als der US-Kriegsfilm «Der längste Tag» ins Kino kam. Der Film über die Landung der Alliierten 1944 in der Normandie überhöhte den Beitrag der USA. Doch von da an begann sich die öffentliche Wahrnehmung dieser europäischer Geschichte im Sinne der USA zu verändern, das haben Untersuchungen bewiesen.

Jetzt sind wir weit von «The Square» abgeschweift. Der Titel steht auch für ein Kunstprojekt im Film, das Sie selber initiiert haben. War das Ihre erste Arbeit im Kunstbereich?

Ja, wobei ich «The Square» weniger als Kunstprojekt sehe, sondern als öffentliches Zeichen über menschlichen Umgang. Für mich hat es mehr mit einem Fussgängerstreifen als mit einem Kunstwerk zu tun. Auch beim Fussgängerstreifen geht es um Vertrauen darauf, dass eine gesellschaftliche Vereinbarung eingehalten wird. Ich darf hier über die Strasse gehen und kann darauf zählen, dass Autos anhalten.

Dennoch nehmen Sie das Kunstprojekt als Ausgangspunkt zu einer bitterbösen Ironisierung der Kunstszene.

Das Problem liegt für mich darin, wie Dinge ausgestellt werden. Als Marcel Duchamp 1917 mit «Fountain» ein Pissoir ins Museum stellte, brach er mit zwei Konventionen: der, dass man nichts «stehlen» dürfe und der, dass ein Kunstwerk nicht zu viel Gedanken über das provozieren soll, was ausserhalb des Museums geschieht. Ich ironisiere nicht die Idee des Kunstprojekts, sondern, wie die Kunstszene mit einem Projekt wie diesem umgeht. Statt das Denken anzuregen, macht sie sich am meisten Gedanken darüber, wie man es den Leuten am besten verkaufen kann.

Für die Kunstszene steht der Kurator Christian. Sie zeigen ihn als ziemliches Arschloch.

Er ist kein Arschloch, sondern vielmehr ein Bürokrat, ein Mensch, der von den Ansprüchen zerrissen wird, die von verschiedensten Seiten an ihn herangetragen werden. Zu seiner Figur hat mich das Gedicht «Playing Marbles» des schwedischen Dichters Sten Selander aus den 1920er-Jahren inspiriert. Darin geht es um einen Bub, der einem anderen beim Spiel mit Murmeln Unrecht zufügt. Später will er es wieder gutmachen, doch die Möglichkeit gibt es nicht mehr, er muss mit der Schuld leben.

In Gang gesetzt werden die Verwicklungen dadurch, dass sein Smartphone gestohlen wird. Bereits in «Play» ging es um einen Handy-Diebstahl. Warum diese Faszination?

Weil wir mit dem Smartphone ja ein ziemlich kostspieliges Ding haben, das fast jeder dauernd mit sich herumträgt. Aber ich freue mich, dass Sie «Play» ansprechen, denn ich halte ihn für meinen besten Film, auch wenn ich mit «The Square» die Goldene Palme gewonnen habe. Natürlich ist «The Square» wilder, aber er ist auch mehr auf Unterhaltung aus. Mit «Play» hingegen wollte ich einen schmerzhaften Schnitt in die Gesellschaft machen und dabei nur beobachten.

Ab Donnerstag im Kinok St. Gallen, Cinema Luna Frauenfeld und der Passerelle Wattwil.

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