KINO: Jack Sparrows grausamster Gegner

Alles deutet darauf hin, dass die «Pirates of the Caribbean»-Reihe mit Javier Bardem ihren ultimativen Bösewicht ­und somit auch ihren Abschluss gefunden hat. Na ja, fast alles.

Regina Grüter
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Der grossartige Javier Bardem spielt Captain Salazar. «El matar del mar» – «Der Metzger der See» – hat lange auf seine Rache an Sparrow warten müssen. (Bild: Disney)

Der grossartige Javier Bardem spielt Captain Salazar. «El matar del mar» – «Der Metzger der See» – hat lange auf seine Rache an Sparrow warten müssen. (Bild: Disney)

Regina Grüter

focus@tagblatt.ch

Was soll man schon gross sagen, wenn alles so gekommen ist, wie man es erwartet hat? Obwohl, nicht ganz alles. Eine Sache gibt es da, die rund um die Kinopremiere des fünften Teils der «Pirates of the Caribbean»-Reihe, «Salazar’s Revenge», Gesprächsstoff liefert. Doch dazu später mehr.

Sechs Jahre ist es her – seit dem vierten Teil «On Stranger Tides» mit Penélope Cruz als Johnny Depps Gegenspielerin. Nun schlüpft ausgerechnet Cruz’ Ehemann Javier Bardem in die Rolle des «eindrucksvollsten und bösartigsten Feindes», dem Captain Jack Sparrow jemals gegenübergestanden sei. Dass die Walt-Disney-Studios ihre Fortsetzung (siehe Artikel zu Sequels auf der ­Kulturseite vom Sonntag) in Superlativen bewirbt, gehört zum Geschäft. So soll die Geschichte völlig neu sein, gekocht wird aber mit der bekannten Mixtur aus Fantasy, Humor und Action.

Im Alten Testament ­abgeguckt

Der dem Rum und den Frauen gleichermassen zugeneigte Piratenkapitän hat denn auch wenig Zeit, um seinen Rausch auszuschlafen. Mit Will Turners Sohn Henry (Brenton Thwaites) und der Naturwissenschafterin Carina Smyth (Kaya Scodelario) bildet er gewohnt opportunistisch eine Zweckgemeinschaft auf der Suche nach Poseidons Dreizack.

Nicht minder eigennützig sind die Motive von Captain Barbossa (erneut Geoffrey Rush), doch dem übermächtigen Salazar, seinerzeit berühmt-berüchtigter Piratenjäger der spanischen Flotte, und seiner Armada von Toten ist nur gemeinsam beizukommen. So taucht Sparrow mit seiner erbärmlichen Dying Gull ein in ein Abenteuer, fabriziert aus Märchen, Mythen und Übersinnlichem, vor dem nicht nur die Astronomin, sondern auch der logisch denkende Kinozuschauer kleinbeigeben muss. Der Höhepunkt ist gar von biblischem Ausmass.

Viel Spass machen neben den Schauspielern (Paul McCartney hat einen Gastauftritt als Uncle Jack) die wiederum wunderbar dreckigen Fingernägel und schlechten Zähne. Auch Scodelario («Maze Runner»-Reihe) und Thwaites («The Giver») machen ihre Sache gut, auch wenn die ausdrucksstarke Engländerin rein äusserlich nach einem kräftigeren Gegenüber verlangt hätte. Doch was einst für Gelächter sorgte, ist nur noch für ein Schmunzeln gut. So einzigartig die Figur des Jack Sparrow in der Interpretation von Johnny Depp auch ist, er kann ihr nichts Neues mehr abgewinnen.

Das junge norwegische Regieduo Joachim Rønning und Espen Sandberg («Kon-Tiki») setzt das Erfolgsrezept so perfekt um, dass die Zuschauererwartungen dennoch erfüllt werden dürften.

Mit dem Happy End auf allen Ebenen hat eines der erfolgreichsten Franchises in der Geschichte der Walt-Disney-Studios seinen Abschluss gefunden (sogar Orlando Bloom und Keira Knightley machen ihre Aufwartung). Und auch das weltweite Publikum ist erlöst.

Eine Kinoreihe weniger. Dachte man. Es handle sich um das grosse Finale, hiess es noch Ende April. Nun äusserte sich allerdings Produzent Jerry Bruckheimer gegenüber dem Branchenmagazin «Variety»: «Wenn die Fans ins Kino gehen, Johnny Depp noch einen machen will und Disney einen Check schreiben möchte, dann sind wir wieder mit dabei.»

Ein sechster Teil steht und fällt also mit Johnny Depp. Eine erneute Kehrtwende von Disney scheint nicht mehr ausgeschlossen, verheisst aber nach diesem Ende für die allfällige neue Story nichts Gutes. Und man würde es dem bald 54-jährigen Schauspieler gönnen, dass er mit seinem Piraten-Image endgültig abschliessen könnte.

Ab heute in den Kinos

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