Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KINO: «Faschismus ist ihnen fern»

In «Jugend ohne Gott» wird ein Lehrer zum «Instrument» der herrschenden Gesellschaft. Regisseur Alain Gsponer erzählt, was ihn an dem Stoff interessierte.
Rolf Breiner
Die Verfilmung von «Jugend ohne Gott» spielt in einer nahen Zukunft. (Bild: Pathé/PD)

Die Verfilmung von «Jugend ohne Gott» spielt in einer nahen Zukunft. (Bild: Pathé/PD)

Interview: Rolf Breiner

Vor 80 Jahren erschien der Roman «Jugend ohne Gott» des Österreichers Ödön von Horváth. Er spielt in faschistischen Zeiten. Der Zürcher Alain Gsponer («Heidi») hat das Buch verfilmt und in die nahe Zukunft verlegt. Entstanden ist eine Parabel über eine auf Leistung und Erfolg getrimmte Gesellschaft.

Ödön von Horvath ist, abgesehen von seinen Theaterstücken wie «Glaube Liebe Hoffnung», nicht gerade ein Autor, der bei der jungen Generation bekannt ist. Wie sind Sie auf den Stoff «Jugend ohne Gott» gestossen?

Alain Gsponer: Ich musste «Jugend ohne Gott» als Schullektüre lesen, es war die beste Erfahrung einer «Pflichtlektüre», die ich je hatte. Auch heute noch wird der Roman in Schulen sehr häufig ­gelesen. Als wir aus Recherchegründen eine Schulklasse suchten, die gerade dieses Buch gelesen hat, war das kein Problem. Ödön von Horvath ist bei Jugendlichen eigenartigerweise eher bekannt für diesen Roman als für seine gefeierten Theaterstücke.

Was hat Sie an diesem Roman von 1937 interessiert?

Der Roman erzählt von einem humanistischen Lehrer mit Idealen, der auf Schüler blickt, die nicht viel jünger sind als er selber. Er realisiert, dass da etwas heranwächst, das ihm sehr fremd ist, etwas, was die Werte, die ihm wichtig sind, nicht mehr teilt. Er verurteilt sie dafür, ist aber gleichzeitig seinen eigenen Idealen nicht treu. Was mich am meisten fasziniert hat, ist die Beschreibung, wie ein gesellschaftliches System die Jugendlichen formt, verformt sogar. Sie hatten fast keine andere Möglichkeit zu werden, wie sie sind, weil sie nur eine Sicht auf die «Wahrheit» kennen gelernt haben und sie nicht in Frage stellen.

Entwürfe zum Roman trugen den Titel «Auf der Suche nach Idealen» oder «Ein Lehrer in heutiger Zeit». Er handelt laut Horvath von den «Idealen der Menschheit».

Das sind passendere Titel, aber der am Ende gewählte ist provokanter und somit besser. Im Film geht es um Jugendliche, die in einer effizienten und durchökonomisierten Gesellschaft aufwachsen und somit dauerhaft im Wettbewerb stehen. Werte wie Menschlichkeit lernen sie nicht kennen, da diese sie im Weiterkommen behindern. Was passiert in einer solchen Gesellschaft? Wer kommt nach oben, wer fällt nach unten? Das erzählt der Film.

Im Roman steht der Lehrer im Mittelpunkt. Er erzählt. Sie und Ihre Autoren Alex Bursch und Matthias Pacht haben die Perspektive gewechselt.

Wir haben mit einer Schulklasse über diesen Roman gesprochen. Die Schüler waren leider grösstenteils nicht so begeistert wie ich. Ich wollte wissen warum. Ein grosser Punkt war der überhebliche Blick des Lehrers von oben herab auf die Schüler, die nicht mehr wissen, was richtig und falsch ist. Sie fanden es viel relevanter, was mit den Protagonisten passiert, wenn man wirklich in der Realität einer anderen Gesellschaftsform lebt. Wenn man miterlebt, anstatt von aussen die Welt erklärt bekommt. Somit ist für die Jugendlichen der Wechsel der Perspektive ein Wechsel von aussen in ihre Realität.

Im Roman spiegelt sich eine faschistische Gesellschaft. Ihr Film ist eher im Jetzt und in naher Zukunft angesiedelt. Glauben Sie, damit eher junge Zuschauer anzusprechen?

Ja, eindeutig. Den Jugendlichen, mit denen ich gesprochen habe, ist der Faschismus fern, er hat mit ihrer Realität nichts zu tun. Sie glauben, dass er nie wiederkommt. Sie wundern sich, dass die «Älteren» davor Angst haben und empfinden das als Panikmache. Ich bin eher beunruhigt, dass die Jugendlichen unsere Freiheit und Demokratie für so selbstverständlich halten, dass sie eventuell zu spät aktiv werden, wenn sie wirklich in Gefahr ist.

Nach der weltweit erfolgreichen «Heidi»-Verfilmung haben Sie sich nun mit einem gesellschaftskritischen Thema befasst. Warum?

Meine Karriere begann mit gesellschaftskritischen Filmen. In den ersten Langfilmen «Kiki & Tiger», «Rose» und «Das wahre Leben» stand die Gesellschaft im Mittelpunkt, somit kehre ich eher zu den Anfängen zurück.

Sie sind jüngst Vater geworden. Sind Sie optimistisch für die Zukunft der Kinder?

Ja, bin ich, vor allem da ich für diesen Film viel mit Jugendlichen gesprochen habe, da wächst eine tolle Generation heran.

Ab heute im Kino

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.