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KINO: Eiskalte Eisprinzessin

Der «Eisenstangenanschlag» war Höhepunkt der Rivalität zwischen den US-Eiskunstläuferinnen Tonya Harding und Nancy Kerrigan. Die trashige Tragikomödie «I, Tonya» bringt vorgefasste Meinungen ins Wanken.
Regina Grüter
Margot Robbies Chancen auf einen Oscar als beste Hauptdarstellerin sind intakt. (Bild: Ascot Elite)

Margot Robbies Chancen auf einen Oscar als beste Hauptdarstellerin sind intakt. (Bild: Ascot Elite)

Regina Grüter

An Tonya Harding aus Portland hatten die amerikanischen News-Medien wahrlich einen Narren gefressen. Sie entsprach so gar nicht dem Prinzessinnen-Image der Eiskunstläuferinnen. Und als dann erst noch ihre grösste Konkurrentin Nancy Kerrigan eins mit der Eisenstange übergezogen bekam und das Training für die Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer wegen eines zertrümmerten Knies aussetzen musste, lief Hardings Name in den Fernsehnachrichten rauf und runter. Die Amerikaner hatten ihre Meinung gemacht.

«Die Amerikaner brauchen jemanden zum Lieben. Und sie brauchen jemanden zum Hassen.» Zu diesem Zeitpunkt sei sie wohl die meistgehasste Person Amerikas, ja auf dem ganzen Planeten gewesen, resümiert Margot Robbie («The Wolf Of Wall Street») alias Tonya Harding mit herausforderndem Blick. So cool wie sie mit verwaschener Jeansjacke und Zigarette beim fiktiven Interview auf dem Stuhl sitzt, ist auch der Spielfilm «I, Tonya» von Craig Gillespie («Lars And The Real Girl») angelegt.

Eiskunstläuferin ­ mit Charakter

Hinter der vordergründigen Zwanglosigkeit stehen eine grosse Ernsthaftigkeit und eine originelle Erzählstruktur: Neben Harding selbst wenden sich auch Tonyas Mutter LaVona (Allison Janney) und ihr damaliger Ehemann in inszenierten Interviews – aber auch in einigen Spielsequenzen – direkt an die Zuschauer. Alle erzählen sie rückblickend ihre Version der Geschichte oder des «incident» («Vorfalls»), wie die Eisenstangenattacke weitläufig genannt wird. Und selbstverständlich ist ihre jeweilige Darlegung die einzig wahre.

Seit frühster Kindheit steht sie auf dem Eis (wegen ihrer White-Trash-Herkunft und selbst genähter Kostüme reicht es trotz Dreifach-Axel nicht zu guten ­Jurywertungen). Und immer schon ist sie psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt – erst von der Mutter, dann vom Freund, den sie trotzdem heiraten sollte. Nur wütend sei Tonya zu Höchstleistungen fähig, begründet LaVona und lässt hinter die lieblose Fassade blicken (dass man ihr ein Stück weit glaubt, ist allein Allison Janneys Verdienst).

Schwarzer Humor und ­ viel Gefühl

«I, Tonya» ist so nicht nur cool – das wäre zu wenig. In all seiner Abgebrühtheit und überdrehten Darstellung der Ereignisse vermittelt der Film einen wahrhaftigen Eindruck des Schicksals der unglückseligen Eiskunstläuferin und geht zu Herzen. Das ist der umsichtigen Regie von Gillespie zu verdanken, der mit den schwarzhumorigen Szenen immer auch zu berühren vermag (trotz Dreh zum absurd-komischen Dilettantenkriminalstück). Besonders aber dem Spiel von Janney («Masters Of Sex», «Juno») und Robbie. Die beiden ziehen für ihre Interpretationen von Mutter und Tochter höchst verdient ins Oscar-Rennen (Janney dürfte gewinnen, den Golden Globe hat sie bereits).

Ein Film für die Underdogs. So manch ein Amerikaner wird seine Meinung über Tonya Harding ändern, garantiert.

«I, Tonya», ab heute in den Kinos.

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