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KINO: Eine schrecklich nette Bande

Die grossartig respektlose Komödie «Es war einmal in Deutschland» erzählt vom Leben Holocaust-Überlebender im Nachkriegsdeutschland.
Geri Krebs
Fajnbrot (Tim Seyfi) und David Bermann (Moritz Bleibtreu) beratschlagen sich vor einer Zeitungswand. (Bild: Filmcoopi)

Fajnbrot (Tim Seyfi) und David Bermann (Moritz Bleibtreu) beratschlagen sich vor einer Zeitungswand. (Bild: Filmcoopi)

Wie lebten Juden, die die Konzentrationslager der Nazis überlebt hatten, in Deutschland nach 1945? Es ist ein wenig bekanntes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine grössere Anzahl Juden weiter im Land derer lebte, die sie zuvor hatten vernichten wollen. David Bermann (Moritz Bleibtreu) hat als einziger einer jüdischen Textilhändlerfamilie den Holocaust überlebt. Da ein kleiner Teil des Familienbesitzes in Form von Wäsche noch vorhanden ist, möchte Bermann, der nach Palästina auswandern will, ihn noch zu Geld machen. Doch um die Ware zu verkaufen, braucht er Helfer. Er findet sie unter den Lagerbewohnern, es sind Schicksalsgenossen, die bereit sind, für ihn und mit ihm als Teilacher (Jiddisch für: Hausierer) zu arbeiten. «Vergesst nicht: Hitler ist tot, aber wir leben», gibt Bermann seiner Truppe als Aufmunterung mit auf den Weg, als sie anfangs mit grösster Skepsis ihre Tätigkeit aufnehmen. Doch sie haben bald Erfolg. Sowohl der Regisseur Sam Garbarski als auch der Schweizer Autor Michel Bergmann, auf dessen Romanen «Die Teilacher» und «Machloikes» das Drehbuch des Films beruht, sind jüdischer Herkunft. Dass die bisweilen hanebüchen anmutenden Wendungen in dem Film so gut funktionieren, hat wohl, ohne das Klischee vom jüdischen Humor zu sehr zu strapazieren, auch mit der Herkunft der Autoren zu tun.

Unbändige Fabulierlust und Imagination

Dabei hat «Es war einmal in Deutschland» zwei Handlungsstränge: Die Abenteuer der sechs Teilacher und ihres Chefs Bermann bei ihren Hausiererdiensten und die Erzählungen Bermanns bei den Verhörterminen vor einer schönen US-Offizierin (Antje Traue). Bermann wird verdächtigt, das KZ nur überlebt zu haben, weil er mit den Nazis kollaboriert habe. Bermanns immer fantastischere Schilderungen bilden ein reizvolles Gegenstück zu den erfundenen Geschichten, mit denen die Teilacher ihre überteuerten Wäschepakete an die Frau bringen. Oder wie es im Vorspann des Films heisst: «Dies ist eine wahre Geschichte, und was nicht ganz wahr ist, stimmt trotzdem.» Unabhängig von Fragen über politisch korrekte Humorgrenzen ist «Es war einmal in Deutschland» ein origineller Film über die Kraft der Imagination und der Fabulierkunst.

Geri Krebs

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

Ab heute im Kinok

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