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KINO: Ein bisschen unorthodox

Die berührende Tragikomödie «Menashe» gibt einen raren Einblick in ­ eine chassidische New Yorker Gemeinde. Die Hauptfigur ist nur vordergründig ein Tölpel.
Regina Grüter
Was Menashe seinem Sohn mitgeben will, ist Freude. Bisweilen ist er aber etwas überfordert. (Bild: Look Now)

Was Menashe seinem Sohn mitgeben will, ist Freude. Bisweilen ist er aber etwas überfordert. (Bild: Look Now)

Regina Grüter

Alle tragen einen Hut. Nur Menashe nicht. Auch keinen Mantel, wie ihn sonst alle Männer der chassidischen Gemeinde von Borough Park im New Yorker Stadtteil Brooklyn tragen. Menashes etwa elfjährigem Sohn Rieven fällt das auf. Und es gefällt ihm nicht, dass sein Vater anders ist. Und dann wieder doch.

Die Figur des etwas unangepassten orthodoxen chassidischen Juden zieht sofort alle Sympathien auf sich. Er ist kein Aufsässiger, ist aber nicht gewillt, seine Individualität und seine Rechte als Vater den strengen Regeln des Zusammenlebens zu opfern: Der Witwer kämpft dafür, dass Rieven bei ihm leben darf. Dafür müsste Menashe aber erst wieder heiraten, da es im chassidischen Glauben untersagt ist, Kinder in einem Haushalt ohne Frau grosszuziehen.

Authentizität als ­ Leitprinzip

«Menashe» von Regisseur Joshua Z. Weinstein ist nicht die erste Geschichte, die im jüdisch-orthodoxen Milieu angesiedelt ist. Häufig spielen sie in Israel, wie die Filme von Rama Burshtein («Fill The Void», «Trough The Wall»), und handeln von den kulturellen Aspekten dieser religiösen Gruppe und Konflikten, die sich daraus ergeben – auch durch den Kontakt mit Aussenstehenden. Im wunderbaren «Eyes Wide Open» etwa verliebt sich ein orthodoxer Familienvater in einen nicht-orthodoxen Studenten; im kanadischen «Félix et Meira» eine chassidische Mutter in einen Atheisten.

Wie Deborah Feldmans erstaunliche Autobiografie «Unorthodox» spielt «Menashe» in Brooklyn. Während es bei Feldman um die Flucht aus Williamsburg und die für sie erdrückenden Lebensumstände geht, versucht Menashe, diese für sich innerhalb der Gemeinde zu verändern. Wie die Filme von Rama Burshtein, die auch einen tragikomischen Anstrich haben, ignoriert Joshua Z. Weinstein das Unverständnis, welches die jahr-hundertealten Vorschriften im aufgeklärten Westen auslösen können, und schon gar eine allfällig politische Komponente.

In seinem Spielfilmdébut setzt der Filmemacher voll auf Authentizität, die eben, wenn sie so weit geht, auch aufklärt: Gedreht wurde an Originalschauplätzen mit Laiendarstellern in jiddischer Sprache; die Kamera ist ganz nah dran. Menashe Lustig (kein Witz!) spielt weitgehend sich selbst, hat er doch ein ganz ähnliches Schicksal. Der «schlemiel» (Tollpatsch) und Filmsohn Ruben Niborski geben ein herzzerreissendes Duo ab. Und sind die Sympathien am Anfang nur bei Menashe, relativiert sich das in den 81 Filmminuten – und die ultraorthodoxe Gemeinschaft von Borough Park wird in ihren Facetten erkennbar.

Hinweis

«Menashe» läuft in den Kinos.

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