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KINO: Die Nöte eines französischen KMU-Chefs

Die überdrehte Komödie «Le sens de la fête – C’est la vie!» von Olivier Nakache und Eric Toledano («Intouchables») ist ein temporeicher Ensemblefilm mit einem grossartigen Jean-Pierre Bacri als ruhelosem Mittelpunkt.
Geri Krebs
Dezent, chic, elegant wünscht sich der neureiche Bräutigam das Fest im Schloss. (Bild: Ascot Elite)

Dezent, chic, elegant wünscht sich der neureiche Bräutigam das Fest im Schloss. (Bild: Ascot Elite)

Der kurz vor dem Pensionsalter stehende Max (Jean-Pierre Bacri) ist Chef einer auf Luxus-Hochzeiten spezialisierten Catering Firma, ein Geschäftsmann durch und durch. Gerne geht er auch auf noch so abstruse Sonderwünsche seiner Kundschaft ein – doch was zu viel ist, ist zu viel. Das wird gleich in der Eröffnungsszene von «Le sens de la fête – C’est la vie» klar: Ein Paar verhandelt mit Max in den grosszügigen Räumlichkeiten einer Pariser Luxusherberge – mit Blick auf den Eiffelturm – über die Modalitäten des geplanten Hochzeitsessens. Im Verlauf des zunehmend lauter werdenden Gesprächs stellt sich heraus, dass die Kunden an dieser Örtlichkeit gerne «etwas im unteren Preisbereich» veranstalten würden. «Wissen Sie was: Geben Sie Ihren Gästen als Dessert doch Fruchtsalat aus der Dose, serviert in Plastikbechern und mit einem ‹Katzenzünglein› garniert», schleudert Max den beiden Preisdrückern noch entgegen bevor er sich entnervt aus dem Staub macht. Schnitt.

Atemlos zwischen Kellnern und Hochzeitsgästen

Ein Schloss aus dem 17. Jahrhundert im Umland von Paris (gedreht wurde in Courances). Man sieht jetzt Max, wie er eine grosse Schar von Kellnern und anderen Mitarbeitern seines Unternehmens atemlos – und im euphorischen Stil eines Emanuel Macron – instruiert. Es ist Mittag, und in wenigen Stunden werden mehrere hundert Gäste und das Brautpaar eintreffen. Um den Stress zu veranschaulichen, wird ab und zu eine Uhrzeit eingeblendet, 14:21 heisst es einige Szenen später, und zuvor schon hat man eine Ahnung davon bekommen, wie chaotisch es hier zu und her geht.

Sammelsurium an schrägen Typen

«Niemand ist ein Armleuchter, und so kannst du einfach nicht mit den Leuten reden, Adèle», versucht Max jetzt verzweifelt seine toughe schwarze Assistentin – und offensichtlich rechte Hand seines Betriebs – in die Schranken zu weisen. Mit wenig Erfolg, denn wenig später kommt es zu einem ersten Eclat, als Adèle mit dem kurz zuvor eingetroffenen Musikverantwortlichen aneinandergerät, dem hemdsärmligen Sänger Etienne, der sich DJ James nennt. «Dezent, chic, elegant» hatte sich der schnöselig neureiche Bräutigam Pierre die Hochzeit gewünscht, vor allem was den musikalischen Teil betrifft. «Se bastasse una canzone», Eros Ramazzottis Megaschnulze, schmettert DJ James in voller Lautstärke zwecks Soundcheck just in dem Moment übers Festgelände, als dummerweise gerade Pierre eintrifft – worauf Adèle sich natürlich die Gelegenheit nicht entgehen lässt, lautstark ihre Meinung kundzutun.

Wem bis da angesichts der Beschreibung von so viel Hektik und so unterschiedlichen Charakteren bereits schwindlig geworden sein sollte, der liegt übrigens genau richtig. Denn all dies ist erst der Anfang in einem fast endlosen Sammelsurium schräger Typen, die diesen Schlosspark bevölkern und die man am Ende zweier atemloser Filmstunden kennen gelernt hat.

Da ist etwa der frustrierte Fotograf Guy, ein alter Freund von Max, der statt Hochzeiten abzulichten lieber Kriegsreporter geworden wäre und der zusammen mit seinem blutjungen Assistenten Bastien – der einen Preis verdienen würde für die unmöglichste Frisur – immer wieder in Fettnäpfchen tritt. Oder dann gibt es Max’ Geliebte Josiane, die den überforderten Patron im ungeeignetsten Moment mit einem Ultimatum konfrontiert.

Weiter gibt es den – tamilischen – Chef der Tellerwäscher, Roshan, der immer mal wieder als Seelentröster für Max herhalten muss oder dann ist da Julien, der als Cousin von Max unter den Kellnern eine Chefposition bekleidet. Hinsichtlich Unfähigkeit wird er nur noch von Samy übertroffen, einem von Adèle kurzfristig engagierten Koch, dessen Vorgänger einem ihrer Wutausbrüche zum Opfer gefallen ist.

Situationskomik und jazziger Soundtrack

Vorwärtsgetrieben wird dieser rasante «film choral», wie die Franzosen einen Ensemblefilm nennen, von sich steigernder Situationskomik und meist sehr witzigen Dialogen, dazu untermalt vom mitreissenden jazzigen Soundtrack des israelischen Star-Bassisten Avishai Cohen und seiner Gruppe. Zusammengehalten wird das zweistündige dichte Spektakel aber durch die überragende Präsenz des grossen Jean-Pierre Bacri, dem das Erfolgsduo Nakache/Toledano diese Rolle auf den Leib geschrieben hat. Wie die beiden in einem Interview erklärten, war der mittlerweile 66-jährige Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur überhaupt der Grund gewesen, diesen Film in Angriff zu nehmen, der in seiner Komplexität über die Vorgängerfilme «Samba» und «Intouchables» hinausgeht und dabei dennoch die Lachmuskeln noch weit mehr zu strapazieren vermag.

Geri Krebs

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