KINO: Der verjüngte Superheld

Tom Holland ist der neue Superheld in «Spider-Man: Homecoming». Wie seine Filmfigur bewegt sich der 21-jährige Brite ständig in den sozialen Medien. Selbst während des Treffens.

Lory Roebuck
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Deutlich jünger als seine beiden Vorgänger: Der 21-jährige Tom Holland trägt neu den rotblauen Spinnen-Anzug. (Bild: Sony/PD)

Deutlich jünger als seine beiden Vorgänger: Der 21-jährige Tom Holland trägt neu den rotblauen Spinnen-Anzug. (Bild: Sony/PD)

Lory Roebuck

Früher hätte einer wie Tom Holland das Cover der «Bravo» und anderer Jugendmagazine geziert. Der 21-jährige Brite erscheint in einer Bomberjacke und coolen Sneakers zum Interviewtermin in Berlin. Mit einer Hand streicht er sein Haar lässig aus den Augen, seine Stimme ist warm, seine Antworten knapp und klar. Holland ist einer der Marke «perfekter Schwiegersohn».

Wie fast alle jungen Filmstars heute fingert er während des Gesprächs immer wieder am Handy herum. Der gebürtige Londoner, der vor knapp fünf Jahren im Tsunamidrama «The Impossible» sein Kinodébut gab, erhielt im Sommer 2015 den Zuschlag für die Neubesetzung der Spider-Man-Rolle. Davon erfuhr er auf seinem Handy – allerdings nicht durch einen Telefonanruf. Holland wollte auf Instagram ein Foto hochladen, als auf dem Kanal des Filmstudios Marvel eine Ankündigung aufblitzte: «Tom Holland ist der neue Spider-Man.» «Ich dachte, das sei ein Scherz, die sind bestimmt gehackt worden», erinnert er sich.

Auf der Social-Media-Plattform hat Holland derzeit über zweieinhalb Millionen Follower, seit «Spider-Man: Homecoming» vor einer Woche in den US-Kinos gestartet ist, schnellt diese Zahl rapide nach oben.

Nie ohne Smartphone unterwegs

Die Bilder, die der Schauspieler veröffentlicht, zeigen den coolen Tom, den glamourösen Tom, den spassigen Tom. Die sozialen Medien sind seine Welt. Und sie sind die Welt seiner Filmfigur. Der Superheld im rotblauen Spinnenkostüm ist nie ohne sein Smartphone unterwegs. Seine ersten Filmszenen sehen wir aus der Perspektive seines mobilen Geräts: Spider-Man filmt sich, wie er auf andere Superhelden wie Iron Man und Captain America trifft. Das, erzählt Holland, sei als Augenzwinkern gegenüber dem Original-Spider-Man zu verstehen: In den Comicvorlagen (und früheren Kinofilmen) ist Spider-Man alias Peter Parker ein Fotograf. «Mein Spider-Man ist der Superheld der Smartphone-Generation», sagt Holland. Als er in einer Szene eine Hausfassade hochklettert, ruft ein Passant: «Du bist doch der Spinnenjunge auf den Youtube-Videos!» «Nenn mich Spider-Man», entgegnet der Superheld – und weil er dabei gefilmt wird, macht er noch – schwupps – einen Salto.

So angeberisch, so selbstverliebt haben wir Spider-Man selten gesehen. Im Vergleich zu den beiden Darstellern, Tobey Maguire (er war 27 Jahre alt, als «Spider-Man» 2002 ins Kino kam) und Andrew Garfield (29-jährig bei «The Amazing Spider-Man» 2012) ist Tom Holland deutlich jünger. «Spider-Man ist für mich ein kostümiertes Kind, das seinen Spass hat.» Tatsächlich: Der Film hat eine hohe Gagdichte, sein infantiler Humor und Peter Parkers Gejammer können aber auch schnell nerven.

«Er will unbedingt ein Avenger sein»

Der verjüngte Spider-Man soll vor allem eines: Jüngere Zuschauer für das Avengers-Filmuniversum begeistern, dem Spider-Man nun beigetreten ist. «Er will unbedingt ein Avenger sein», sagt Holland. Als Spider-Man einem Waffenhändler (Michael Keaton) auf die Schliche kommt, wittert er seine Chance. Doch sein jugendlicher Übermut hinterlässt bei seinem Vorbild Iron Man (Robert Downey Jr.) wenig Eindruck. Trotzdem schenkt der ihm einen High-Tech-Spinnen­anzug mit Kampffunktionen. «Das Lustige ist, dass Peter Parker zunächst keine Ahnung hat, wie er den Anzug benutzen soll – das ist für ihn so, als würde ich meinem Grossvater mein iPhone geben.» Tom Holland lacht.

Dann unterbricht seine Managerin das Interview. Tom müsse raus, um ein Livevideo zu drehen. Der Schauspieler setzt sich im Nebenzimmer zu einem gestellten Fernsehinterview, als sein iPhone klingelt. Es ist Iron Man-Darsteller Robert Downey Jr., der mit Holland ein paar Sprüche reisst. Das Video wurde auf dem Youtube-Kanal von Sony Deutschland bereits über 355000-mal angeklickt. So funktioniert Marketing. Holland hat sich sogar in Lederhosen geworfen, er weiss sich für seine deutschen Fans in Szene zu setzen.

Ab morgen in Kinos in St. Gallen, Frauenfeld, Sargans, Uzwil, Weinfelden, Werdenberg und Wil