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KINO: Bewunderung für einen Armenarzt

An den Filmtagen Solothurn erhielt «Dr. Jack» den Publikumspreis. Der eindrückliche Dokumentarfilm des Westschweizers Benoît Lange porträtiert den seit über dreissig Jahren in den Slums von Kalkutta arbeitenden Arzt Jack Preger.
Der 87-jährige Jack Preger ist immer noch als Arzt tätig. (Bild: Xenix)

Der 87-jährige Jack Preger ist immer noch als Arzt tätig. (Bild: Xenix)

Der 87-jährige Jack Preger führte ein wechselvolles Leben: 1930 in Manchester geboren und aufgewachsen, studierte er Wirtschaft und Politikwissenschaft in Oxford, erwarb nach seinem Abschluss eine Farm in Wales und arbeitete, inzwischen Ehemann und Vater, als Landwirt. Als Fünfunddreissigjähriger beschloss Preger, ein Medizinstudium aufzunehmen und verkaufte die Farm. Ursprünglich wollte er als Arzt den Armen in Südamerika helfen. Ein internationaler Aufruf an Ärzte führte ihn jedoch 1972 nach Bangladesh, das soeben nach einem blutigen Bürgerkrieg unabhängig geworden war. Dort arbeitete er in der Hauptstadt Dakha einige Jahre lang unter prekären Bedingungen bis 1979. Er ging nach Indien, arbeitete zunächst ein halbes Jahr lang unter Mutter Teresa in Kalkutta, begann dann aber selbstständig in den Slums zu praktizieren – buchstäblich auf der Strasse, weshalb oft von «Strassen-Medizin» gesprochen wird. Es folgten schwierige Aufbaujahre seiner durch Spendengelder unterstützten Hilfsorganisation «Calcutta Rescue», die heute mit rund 150 lokalen Angestellten unter anderem drei Kliniken betreibt und den Armen kostenlose ärztliche Hilfe anbietet.

Im Film von Benoît Lange wird diese Biografie nur kurz oder andeutungsweise gestreift. Denn Preger spricht nicht gern über sich selbst, sondern lieber über seine Arbeit. Zudem will Lange wohl vor allem einen Eindruck der gegenwärtigen Situation vermitteln. So lernt man den Alltag dieses Arztes kennen, der immer noch täglich seine Sprechstunden durchführt. Man begegnet einigen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch verschiedenen Patienten, und man nimmt teil an Besprechungen und Sitzungen.

Aus der Bewunderung für den Arzt macht der Film kaum ­einen Hehl, wobei sich Preger selbst den Versuchen, ihn auf ein Podest zu heben, jeweils durch seine pragmatische Art entzieht.

Eindrückliches, lebendiges Porträt

Ungeachtet der konventionellen Machart beeindruckt einen die Produktion durch das freundschaftliche Einvernehmen zwischen Regisseur und Arzt sowie Szenen, die einem als Zuschauer das Gefühl geben, selber mittendrin in Kalkutta zu sein. Beides dürfte damit zu tun haben, dass Benoît Lange selber Fotograf ist und sowohl den Ort wie auch den Porträtierten gut kennt. Der 1965 geborene Filmemacher arbeitete in den 1980er-Jahren im Rahmen verschiedener humanitärer Projekte auch zwei Jahre lang als Freiwilliger bei Preger in Kalkutta. In diesem Zusammenhang veröffentlichte er 1991 ein Bildband über den Armenarzt. Mit seinem Film setzt Lange nun dem selbstlosen Wirken dieses – wenn man so will – modernen Don Quijote ein berührendes Denkmal.

Peter Mosberger

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

Derzeit im Kinok St. Gallen, weitere Kinos in der Region werden folgen.

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