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KINDERSTÜCK: Kein Job für lammfromme Schafe

Schaf Küdde hat zwar keine eidgenössische Raubtierausbildung, aber genügend Ehrgeiz und die richtigen inneren Werte zum «Wolfsein». Das hintergründig-witzige Theater ist ab sofort in St.Gallen und später mobil in der Region zu sehen.
Schaf Küdde (Hans Rudolf Spühler, links) ist als Wolf noch in der Probezeit – macht seine Sache aber erschreckend gut. (Bild: Jos Schmid)

Schaf Küdde (Hans Rudolf Spühler, links) ist als Wolf noch in der Probezeit – macht seine Sache aber erschreckend gut. (Bild: Jos Schmid)

Das Paket kommt per Expresspost – an einen Empfänger, den es gar nicht gibt. Was da wohl drin ist? Eines vorweg: Wir werden es nie erfahren, jedenfalls nicht nach fünfzig Minuten Spielvergnügen in Mundart. Egal, die kleine Kurve rund um die eigentliche Geschichte garantiert immerhin den temporeichen Einstieg ins Kinderstück «Wolf sein» von Bettina Wegenast. Auf einem leuchtend gelben Velo fahren die beiden Pöstler, Pardon: Anja Tobler und Hans Rudolf Spühler, im Studio ein. Mobil sind sie ab sofort in der ganzen Region zu haben, denn für das Stück braucht es nicht viel. Auch nicht fürs Wolfsein an sich: nur die entsprechenden inneren Werte, Motivation zur Veränderung und eine «eidgenössische Raubtierausbildung». Notfalls geht’s auch ohne.

Schwungvoll in die Kurven und vom Schafspelz ins Fell

Erst einmal muss die Frage geklärt werden, was mit einem Päckli passiert, das nicht subito an der richtigen Adresse abgegeben werden kann. Vorschrift ist Vorschrift, würde der René sagen – jener Kollege der beiden, den wir als Pöstler nie zu Gesicht kriegen werden. Von dem man sich aber spätestens dann ein Bild macht, wenn sich die Gspändli in Schafe verwandelt haben. Klingt etwas abgedreht? Mag sein, aber Hypnose macht’s möglich. In ihrem zwischenzeitlichen Schafsein lernen die zwei, der schlitzohrige Schlaumeier Küdde (Hans Rudolf Spühler) und die lammfromme junge Krusle (Anja Tobler) eine Lektion fürs Leben.

Zum Beispiel, dass eine räuberische Wolfsnatur unter dem Schaffell lauert, und dass sich ein wolliges Jungschaf mit listigem Handeln retten kann. Im herzigen Schaf-Strickkostüm (Ausstattung: Markus Karner) verbirgt sich eine Geschichte mit politischem Biss, doch ohne Haare auf den Zähnen. Kinder ab fünf – und nicht nur sie – lachen sich scheckig über Schaf Küdde, der sich bei der RAV als Wolf bewirbt und der, kaum hat er das Raubtiergebiss im Maul, in eine Identitätskrise stürzt. Hat er Gelegenheit dazu, erwacht in ihm die böse Macht- und Fleischeslust.

Einfallsreich und mit Augenzwinkern lässt Regisseurin Anja Horst die beiden Schauspieler den hintergründigen Tierversuch durchführen und wild von einer Haut, von einem Fell ins andere schlüpfen. Richtig brenzlig wird es zwischendurch für den René – im Schafspelz. Doch, Vorschrift ist Vorschrift, ein Märchen endet gut. Auch eines mit doppeltem Boden und unzustellbarer Post.

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

Weitere Vorstellungen: 17./20./ 27.1., 3.2., 14 Uhr, Theater St. Gallen, Studio

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